Maroon Cartoon

von Eva Schweitzer

Heute morgen las ich mein Leben in der New York Times: Statt morgens als allererstes Kaffee zu machen und zu frühstücken, greifen wir als erstes zu unserem Blackberry/IPhone und checken die emails. Und die text messages. Einer meiner Liebhaber wacht sogar nachts auf und checkt seinen Blackberry, ich würde sagen, schwer ungesund. Die New York Times machte sich Sorgen, aber ich glaube, demnächst kommt eine Welle und verschlingt uns alle, und damit hat sich das Problem erledigt.

Mein eigener Tagesablauf spielt sich in diesen Wochen ein wenig anders ab: Ich wache auf, weil die schüchterne Katze um meinen Kopf herumturnt und mein Kissen beknetet. Und mich. Mit ihren Krallen. Die neugierige Katze kommt nicht so gerne ins Bett, sie legt sich lieber davor, wie ein kleiner Hund, und plärrt laut. Wenn ich aufstehe, checke ich weder emails noch koche ich Kaffee, ich stelle erst einmal eine Portion Katzenfutter hin, um nicht aufgefressen zu werden.

Am Abend sitze ich meist auf der Couch (der Nachbarin) und hole das emailchecken nach, derweil steckt die Neugierige ihre Nase in alles, was breiter ist als anderthalb Zentimeter. Ich komme mir vor wie Roger Rabbit in der Eröffnungsszene mit Baby Herman, nur dass mein Baby die neugierige Katze ist, die in den obersten Regalen der Küche herumtobt, zwischen Gläsern und spitzen Messern. Immerhin: Wenn ich streng gucke und sage, komm herunter, tut sie das, so nach zehn bis fünfzehn Minuten, wenn ihr langweilig ist.

Ich selber entdecke auch einiges in der Wohnung. Zum Beispiel hat die Nachbarin ein Shampoo aus Granatäpfeln, das dünnen Haaren extra volles Volumen verleiht. Wer benutzt das, sie oder er? Sie hat fülligere Haare, aber das liegt vielleicht daran, dass das Shampoo wirkt.

Eva C. Schweitzer, Manhattan  Moments. Geschichten aus New York, erschienen bei Droemer-Knaur, Juni 2009,Taschenbuch, 9,95 €


Ein Kommentar zu "Maroon Cartoon"

  1. “Cats of the West!” Die Katzen im Wilden Westen haben es nicht so einfach wie die Manhattan-Katzen: Als man noch in Kalifornien atmen konnte kaufte ich ein neues Haus in den damals schoenen, wilden Huegeln um San Diego. Ich beschaffte mir einige Katzen, aber ich musste dann immer wieder fuer Katzennachschub sorgen: Jedesmal wenn ich abends zurueckkam, da stand ein Coyote im Scheinwerferlicht und da war auch die aufgerissene Leiche einer meiner Katzen. In der lieblichen Dominikanischen Republik, wachte ich nachts auf: Etwas hatte mich beim Gelenk gepackt. Am Tag bemerkte ich eine Ratte. Katzen sind Mangelware auf der Insel (Europaer essen Schweine!) – und kaum noch in Privatbesitz.. Also ging ich zu einer Bude welche Vudu-Artikel verkauft (Europaer fahren nach Lourdes!) – und ich gab den Auftrag fuer ein Paar Katzen. Ich hatte aber nicht vorausgesehen das ich da der ungewuenschte Dritte wuerde: Jedesmal wenn ich etwas freundlich mit der Katze wurde – sah mich der Kater streng an – schritt dann zu der Katze – und machte deutlich das sie seine Katze sei. In dem Hochhaus in dem ich jetzt wohne duerfen wir keine “Pets” (Haustiere) halten – aber wir habe ganz oben im Trum unsere “Bats” (Fledermaeuse) – also Fenster geschlossen halten!

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