No Sexytime for You

Günter Wallraff hat sich in Blackface verkleidet, also schwarze Theaterfarbe aufgelegt, und dann hat er sich unter  Rassisten begeben und allerlei rassistisches Zeug erlebt. Er ist also quasi so eine Art Borat der Deutschen, allerdings im eigenen Land, und auch etwas weniger glaubwürdig verkleidet als Sacha Baron Cohen. Auf den Fotos sieht er aus wie Günter Wallraff, der in einen Kohle-Eimer gefallen ist.

Ähnlich wie Borat verfügte auch Wallraff über ein ganzes Team, seine Erlebnisse per Kamera aufzunehmen, zu sortieren, auszusuchen, zu redigieren und zu präsentieren, bloß ist das Ergebnis weniger lustig. Hier aber die eigentliche Frage: Warum verkleidet sich Wallraff eigentlich als Schwarzer, und dann noch in dieser peinlichen Onkel-Tom-Aufmachung? Er schreibt ja bekanntermaßen sein Material ohnehin nicht selber, wäre es nicht möglich gewesen, einen, wenigstens einen einzigen schwarzen Deutschen zu finden, der an seiner Stelle durchs Land tingelt?

In Amerika ist Blackface übrigens schwer diskreditiert, und mit Recht, es wird als Verhöhnung der Schwarzen gesehen Wir sind da ohnehin schon viel weiter. Unserem Oberrassisten Rush Limbaugh wurde es gerade verwehrt, ein Footballteam zu kaufen, wegen seiner vielen anti-schwarzen Bemerkungen, wie etwa der:

“I mean, let’s face it, we didn’t have slavery in this country for over 100 years because it was a bad thing. Quite the opposite: slavery built the South. I’m not saying we should bring it back; I’m just saying it had its merits. For one thing, the streets were safer after dark.”

Nun ist Rush beleidigt und sieht sich als Opfer von schwarzem Rassismus. Ja, so ein Pech.

Eva C. Schweitzer, Manhattan  Moments. Geschichten aus New York, erschienen bei Droemer-Knaur, Juni 2009, Taschenbuch, 9,95 €

Kommentare (6)

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  1. Früher war ich mal Punk.

  2. Ich gehöre weder zu den Möchtegern-Piraten noch zu den aufgeplusterten Jungmännchen noch zu den beleidigten Besserwessis noch zur Generation Pisa.

    Ich bin ein Emu.

  3. Generation Pisa?
    Hey, ich bin aus Bayern. Ich war gut in der Schule. Ich würde sogar eine Wette eingehen, dass mein Abiturschnitt besser war als der Ihre.

    Ich bin auch aus Bayern. Ich habe Großes Latinum …

  4. Wer verbirgt sich denn diesmal hinter dem Namen Wallraff? Gremliza wird ja wohl das Drehbuch nicht geschrieben haben. Aber bevor wieder eine Schülergeneration auf dergleichen bombastischmoraline Enthüllungsstories angesetzt wird, sollte diesmal vorab auch die Frage der Urheberschaft geklärt werden. Dass man in jedem Land genug Laiendarsteller findet, die einem nolens volens alle gewünschten Stichworte zu welcher Theorie auch immer liefern, ist wohl jedem klar, der mit einigermaßen offenen Augen spazierenfährt, aber ob das, was dabei am Ende als Film erscheint, wirklich repräsentativ für die Wirklichkeit ist, in der wir leben, oder nur “klammheimlich” bestimmte Vorurteile bedient, sollte doch zumindest ebenso hinterfragt werden dürfen, wie die eigenartige Tatsache, dass hinter vielen Wallraffstories bislang andere Autoren standen, die dem Kollektiv “Wallraff” zwar ihr Knowhow, aber nicht ihren Namen zur Verfügung stellten. Zeitungskommentare werden aus gutem Grund mit vollem Namen gezeichnet. Anonymer Agitprop auf dem Niveau von Räuber und Gendarm ist nicht nur albern, sondern degoutant und wird durch Wiederholung und filmische “Überhöhung” auch nicht erträglicher.

  5. Okay, wer Beiträge kürzt ist für den Dialog eh nicht bereit.

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    Ja, mein Lieber, wenn Sie so blöd sind, zu glauben, ich drucke persönliche Beleidungungen, müssen Sie noch ein bisschen lernen, was Dialog ist.

    Hier noch einmal die Kommentarrichtlinien für alle Möchtegern-Piraten, aufgeplusterte Jungmännchen, beleidigte Besserwessis und die Generation Pisa: Ich veröffentliche keine Kommentare mit Beleidigungen gegen mich oder andere, nichts, wo ich das Gefühl haben, das ist eh nur Gelaber, keine Beiträge mit mehr als drei Rechtschreibfehlern pro Satz, keine Beiträge von Leuten, die selber kein Blog haben und hier ihre Betrachtungen über den Sinn des Lebens, des Universums und allem loswerden wollen, und keine Links mit Schleichwerbung, insbesondere nicht für Pillen, die das männliche Geschlechtsorgan verlängern. Wenn euer Kommentar gekürzt oder gar nicht erscheint, sucht die Schuld bei euch.

  6. Wenn es ein echter Schwarzer gemacht hätte, wäre es halt nur ein dummer Schwarzer gewesen, der sowieso vorher nur provoziert hat und demnach selbst schuld ist. Kennen wir doch alles schon. Ein falscher Schwarzer, der in Wirklichkeit weiß ist, und von Neonazi-Fußballidioten angegangen wird, ist auch für den letzten deutschen Trottel glaubwürdig.

    ——-

    Naja. Ich würde mal sagen, er ist nicht “auch für den letzten deutschen Trottel glaubwürdig”, sondern bloß für den letzten deutschen Trottel. Da wirkt ja Hape Kerkeling in drag noch echter.