Noch’n Gedicht

von Eva Schweitzer

Und da dachte ich, ich weiß alles über das Reisen in Amerika, weit gefehlt. Dieses Wochenende war ich in Boston, um einen Komponisten zu interviewen. Eigentlich wollte ich nur den Samstag bleiben, aber es stellt sich heraus, der Komponist gab am Sonntag ein Konzert, und das wollte ich mir anhören. Haydn und Schoenberg. In der protestantischen Kirche Emmanuel, die ein Joint Venture mit dem Boston Jewish Spirit hat.

Ich musste mich also in ein Hotel einquartieren, und merkte erst dann, ich hatte ja gar nichts dabei. Weil ich nicht in dem gleichen T-Shirt schlafen und zwei Tage hintereinander interviewen wollte, bummelte ich die Beacon Street hinunter, im Bostoner Stadtteil Brookline, wo übrigens unser geliebter Bürgermeister Michael Bloomberg aufgewachsen ist. Beinahe alles hatte zu, es war ja bereits sieben Uhr. In Boston.

Ein Drogeriemarkt hatte noch auf, mit Halloweenkostümen, aber die waren nicht aus Baumwolle. Und sie hatten Red Sox T-Shirts. Die Red Sox sind der Baseballverein von Boston, und bevor ich ein Red Sox T-Shirt, trage ich eher Pelz. Selbst alleine in Boston in der Nacht. Ich fand dann noch einen GAP, der aufhatte. Als ich am nächsten Tag wieder nach New York zurückfuhr, stellte sich heraus, dass Amtrak die Bahnpreise über Nacht verdoppelt hat. Der Zug am Sonntag abend sei besonders teuer, erklärte mir der Amtrak-Angestellte, denn da wollten alle nach New York zurück. Das kann ich mir vorstellen.

In New York hatten derweil die Yankees gewonnen. Und ich fand ein Gedicht in der Nation über Roman Polanski, von dem deadline poet Calvin Trillin, das möchte ich keinem vorenthalten. Es hat den Titel What Whoopi Goldberg (‘Not a Rape-Rape’), Harvey Weinstein (‘So-Called Crime’) et al. Are Saying in Their Outrage Over the Arrest of Roman Polanski. Alles in allem war es ein sehr kulturelles Wochenende.

Eva C. Schweitzer, Manhattan  Moments. Geschichten aus New York, erschienen bei Droemer-Knaur, Juni 2009, Taschenbuch, 9,95 €


3 Kommentare zu "Noch’n Gedicht"

  1. …bemerkte erst dann, ich hatte ja gar nichts dabei… na, ja, war nie im Militaer und nie im Omnibus durch das Hinterland in Lateinamerika! Ein richtiger “trooper” hat immer das Notwendige dabei – never leave home without it! –Es sah aus wie eine Rauchwolke, da unten. Das Flugzeug flog zwischen den zwei Bergketten in einen kleinen Kreis herum. Der Kapitaen versprach er wuerde “versuchen unter der Wolkendecke hinunter zu kommen, ansonsten muessen wird zum Ausweichhafen!” Aber dann hatte er nicht genug Brennstoff – also erst rauf von Costa Rica nach Nicaragua zum auftanken – dann wieder zurueck nach Costa Rica – und weiter runter zum Ausweichhafen in Panama. 2 Uhr Mitternacht, sofort standen 6 Omnibuse da zum Hotel – 2:30 hatten alle 200 ihre eigenes Zimmer – dann Fruehstueck 3:00. Die Koffer verblieben im Flugzeug. Aber der Erfahrene schleppt alles Notwendige mit sich fuer den Notfall. Mit Omnibusen nahm ich vorsorglich extra Verpflegung und Wasser – denn eine schoene Nacht im Urwald macht trotzdem hungrig – waehrend man wartet das nach Sonnenaufgang eine Mechaniker oder Abschlepper den Omnibus wieder ins rollen bringt. Rauf in die Anden in der Nacht, brauchte der Fahrer eine Zeitung – die brennende Zeitung wurde ueber das Fenster gewischt zum Enteisen waehrend der Omnibus weiter hochwackelte. Eingeschlossen in ein Schulzimmer waehrend eines Hurricane in der Karibik – wurde es nachts sehr kalt – aber da hatte ich eine grosse schwarze Plastiktuete als Decke. Also immer nur mit dem Notwendigsten nach “unterwegs”…

  2. NOCH’N KOMPONIST: Er ist der groesste der lebenden Komponisten romatischer Musik der 400 Millionen spanischsprachigen Welt – aber weltweit haben Bekannte seinen Kompositionen auch in anderen Sprachen gesungen: Placido Domingo, Sinatra, Presley und viele. Auch im Madison Square Garden hat er ein Konzert gegeben. Seine “wicki bio” kann man in vielen Sprachen lesen – sogar Katalan, Bahasa Indonesia, Hebraeisch. Aber das Deutsch ist nicht auf der Liste – was bedeutsam ist fuer die Deutschen – nicht fuer den Komponisten. Armando Manzanero ist ein Maya Indianer und diesen bedeutende Komponist: Man sollte ihn den Lesern in Mitteleuropa vorstellen! Einmal hat er sogar in “seiner” Sprache gesungen – das Maya: siehe “placido domingo armando manzanero adoro” – er erklaert seinen Freund Placido Domingo: “Als ich ein Kind war, hat mich meine Grossmutter hier zu dem Tempel Chichen Itza gebracht, und meine Grossmutter und ich sprachen nur in unserer Sprache – das Maya. Und jetzt werde zum Gedenken meine Komposition ‘Verehrung” in Maya singen!” Er wuergt, Placido blickt ihn mit Teilnahme an, dem Publikum erscheinen Traenen, die Philharmoniker setzen an, der naechtliche Tempel Chichen Itza glueht: “Ikkatich tuxkkabi…” Doch schon danach in “placido domingo armando manzanero mia” springt der indianische Humor hoch – am Ende – sollte Placido singen :…du bist immer mein!” Aber der Komponist ruft Placido zu: “Unsere, unser!” Die selbe Komposition ganz anders, siehe: ‘armando manzanero big band jazz mia” – erst spielt er kurz am Klavier, steht dann auf: “Natuerlich ist sie immer mein! Wenn die Zuweisung nicht am fuenfzehten ankommt – dann bekomme ich sofort einen Anruf von ihren Rechtsanwalt! ‘- da spring er vor die Big Band und “mia” rollt in Hochtour – an Ende belohnt er seine puppenhaften Backupsingers mit einen persoenlichen Kuss…

  3. NOCH ‘N GEDICHT: “Mia” die Komposition und Lyrik von Armando Manzanero. Der Text fluechtig uebersetzt von mir: ‘MEIN’ – Auch wenn du andere Wege schreitest – und das Schiksal uns entzweite – vergesse nie du bist ewig die Meine – auch wenn du verweilst mit Anderen die Naechte -und dich der Freude hinergebest – vergesse nie du bleibst ewig die Meine – denn du wirst immer an mich denken – und mich in deinen Schlummern traeumen – bis du selbst meinst du waerest meine – auch wenn andere Arme dich umschlingen – niemand wuesste in deinen Armen zu weinen – vergesse nie du bleibst ewig die Meine. Die Beispiele der Versionen von “Mia” bezeugen was Leute nahe oder ueber siebzig noch auf die “Buehne” erwirken koennen. (Manzanero ist 74 und Domingo 68) – aber auch die “Achziger” koennen richtig losfegen: siehe “Cana dulce cana brava”! (Bei diesem Altherrenchor ist keiner unter achtzig…). Aeltere Damen ? Na ja. villeicht mit der Enkelin zusammen fuer ein Babystaendchen: “Oh ! Des Vatis huebsches kleines Dingchen !” siehe : ” o coisinha tao bonitinha” Beth Carvalho und Enkelin…

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