A New Hope

Ja, manchmal kommt es anders, als man denkt. Da wollte ich schon Philipp vom Haken lassen, und jetzt schreiben mir seine Freunde dauernd emails. Nachdem ich aber unmöglich dem Druck eine Horde wutschnaubender Möchtegernpiraten nachgeben kann, die ihre Nächte im Schlafanzug vom dem Computer verbringen, habe ich mir nun ein neues Angebot überlegt: Ich lasse die ursprüngliche Forderung fallen, aber Philipp zahlt für jedes email, das ich bearbeiten muss, zehn Euro. Und zwar an eine gemeinnützige Organisation meiner Wahl. Noch kommt er damit billiger weg.

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Nachtrag: Ich sehe gerade, dass Johnny seine Kommentarfunktion zugemacht hat und in seinen sicherlich wohlverdienten Feierabend enschwunden ist. Daher poste ich hier meinen Antwortbrief an ihn:

Lieber Herr Häusler,

Vielen Dank für Ihre schnelle Antwort. Ich erkläre es Ihnen aber nochmal: Wenn Sie über jemanden etwas schreiben, insbesondere, wenn es etwas Kritisches ist, müssen Sie sich mit der Person vorher in Verbindung setzen. Dass Sie irgendwie dazu keinen Bock hatten, interessiert niemanden, wenn Sie sich deshalb juristisch in die Nesseln setzen.

Und ich kann mir unmöglich vorstellen, dass jemand nicht in der Lage ist, innerhalb einer Woche meine emailadresse herauszufinden. Wenn das die Recherchefähigkeiten der Bloggosphere sind, dann gute Nacht.

Eigentlich wollte ich ja Philipp vom Haken lassen, aber nach dem Theater habe ich keine Lust mehr. Was halten Sie von dem Vorschlag: Ich lasse die ursprüngliche Forderung fallen, Philipp zahlt aber zehn Euro pro email, das ich bearbeiten muss, an eine gemeinnützige Organisation meiner Wahl? Dann ist beiden Seiten gedient.

mfg, Eva Schweitzer

Zögern Sie nicht, auch das wieder zu posten.

Eva C. Schweitzer, Manhattan  Moments. Geschichten aus New York, erschienen bei Droemer-Knaur, Juni 2009, Taschenbuch, 9,95 €

Kommentare (164)

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  1. Ciao that is my first post :)

  2. Die Behauptung, dass ein Autor sich an den Beschriebenen wenden muss, sobald er – Gott bewahre! – Kritisches schreibt, um den brav um Erlaubnis zu fragen, entspricht vielleicht einer persönlichen Vorstellung von Anstand, hat aber mit Presserecht nichts zu tun. Welcher Journalist fragt in der griechischen Botschaft an, bevor er die Geschichte des Landes als Kette von Pleiten beschreibt? Keiner? Haben die Griechen ihn schon verklagt? Wann ist der Prozesstermin?
    Zurück zu Ihnen: nach Lektüre des von ihnen so großzügig verteilten Links muss man zu dem Schluss kommen, dass dort auch nicht mehr steht, als man sich im Grunde schon vorher gedacht hat. Es steht jedem frei, die Rechtslage so zu schildern, wie es ihm gefällt, aber ein Informationsanspruch der Person, die Gegenstand der Berichterstattung wird, lässt sich daraus nicht herleiten – falls es ihnen doch gelungen ist, bitte ich um den relevanten Paragraphen, ihre Auslegung und falls möglich einen Präzedenzfall. Ihre persönliche Ehre wurde im Spreeblick jedenfalls deutlich weniger geschmäht als in einem durchschnittlichen SPIEGEL-Artikel, um nicht zu sagen: überhaupt nicht.

    —–

    Wenn man über jemanden etwas schreibt, muss man sich alle Seiten des Falls schildern lasen, dazu gehört auch, diese Person anzuhören, und sich ihre Seite schildern lassen. Das heißt noch lange nicht, dass das Eingang in den Artikel findet, aber das macht man einfach. Das ist der Kern von Journalismus, dass man nicht seine Meinung ungetrübt von Fakten frei vor sich hinblubbert, sondern sich rundum erkundigt, was Sache ist. Man nennt das “recherchieren”, im Gegensatz zu: “Im Keller seiner Eltern in Unterhosen sitzen und wild auf die Tastatur hauen, weil man lieber nur mit seinem eigenen Computer redet.” Wer zu dumm. oder zu feige, oder zu kontaktgestört ist, mit jemanden zu reden, sollte sich lieber keine Beschäftigung suchen, die mit Kommunikation zu tun hat.

  3. Eine Journalistin trollt einen ganzen Haufen Blogger und kann dabei sogar noch besser schreiben. Ich bin verblüfft! Haben sie das bei den Spontis gelernt?

  4. >>Auf die süddeutsche Grammatik würde ich nicht viel geben. Da heißt es auch “der Butter”.<<

    Was etymologisch auch richtig ist.
    "Butter" kommt aus dem Altgrichischen: βούτυρος (Kuhquark) ist eindeutig maskulin.

  5. Weitermachen! Unsere WG ist süchtig nach diesen ganzen Schmarrn. Nicht aufhören.

  6. Landbevölkerung?
    Hallo,
    Sie sind in Pfaffenhofen aufgewachsen.
    Da ist ganz in der nähe von Rennertshofen, dort wo ein pärchen ned so lang tsruck während d’a Mess bieslszeigzammsteckt hat.

  7. oh ja der “erwachsenenjournalismus” mit geld und so… i lov it!

    bravo fr. schweitzer, wie sie ihre rechte durchsetzen….

  8. also wenn das thema das wichtigste und grösste problem der welt ist, dann, ja dann…
    dann gehts uns allen eigentlich nicht schlecht :-)

  9. Es ist erschreckend, dass sich eine Person rechtfertigen muss, weil sie über ihr geistiges Eigentum verfügen möchte.

    Würde es all den netten Kritikern passen, wenn ich mir mal kurz ihr Eigentum aneigne? Dass das ganze schließlich so teuer wird liegt leider in der Natur der Sache. Anwälte kosten, Rasterfahndungen nach unauthorisierten Textzitaten auch und schließlich ist nicht der im Unrecht, der sein Recht vertritt.

    Wieso sollte man Diekmann für seinen einseitigen “lettre-Sarazininterview-Ausleihvertrag” kritisieren, hier aber mit einem anderen Maß messen?

  10. Sie fangen an, sich zu rechtfertigen. Aber erst seit 4 Kommentaren. Lassen Sie das doch, vorher war es richtig lustig hier!
    Übrigens gibt es insgesamt nur wenige Kommentatoren, die die Lage richtig erkannt haben, denn dies hier ist ein Titanic-Blog-Satire-Projekt, eine völlig neuartige Kunstform und gleichzeitig ein streng geheimes Regierungsprojekt welches zukünftig plant, intelligenten Schlafanzug-Dauer-Trägern sinnvolle Lebenszeit zu klauen, die sie sonst womöglich in demokratische Aktivitäten, ein Ehrenamt oder Regierungskritik gesteckt hätten.
    Sorry für die Enttarnung, but thx 4 the laughs!

  11. Hallo, Frau Schweitzer

    Sie schrieben:
    Wenn Sie nicht vorher anrufen, gehen Sie natürlich nicht ins Gefängnis, die Person kann Ihnen aber eine Gegendarstellung schicken und die ist a) für Sie kostenpflichtig

    Das ist so weit ich weiß, nicht richtig. Sie muss bestimmte Kriterien erfüllen und so ein RA eingeschaltet wurde, kann unter Umständen (nicht immer) eine Erstattung der Kosten des RA notwendig sein, aber dass eine GD generell kostenpflichtig ist, wäre mir neu.
    Wären Sie so nett, dies kurz zu belegen?
    (Ich bin nicht zu faul für eine Suchmaschine, aber ich fand diesbezüglich nichts)

    Dankeschoen im Voraus

    —–

    Das ist schon richtig, nicht die Gegendarstellung selbst ist kostenpflichtig, sondern der Rechtsanwalt, der sie verfasst. Diese Kosten können auf die Zeitung umgelegt werden, die die Gegendarstellung abdrucken muss, und das ist nicht billig. Mir hat ein Kollege neulich erzählt, dass seine Zeitung für so etwas 900 Euro zahlen musste.

    Eine Gegendarstellung muss nur dann abgedruckt (und die Kosten für den Rechtsanwalt bezahlt werden), wenn sie bestimmten, engen, formalen Kriterien genügt, das ist ebenfalls richtig. Deswegen beauftragen ja die meisten Gegendarsteller dafür einen Anwalt, weil Anwälte nämlich wissen, wie man so etwas korrekt verfasst, jedenfalls wenn es gute Anwälte sind.

    Sie müssen auch nicht automatisch bezahlen, Sie können gegen eine Gegendarstellung auch rechtlich vorgehen und Einspruch erheben. Wenn das Ganze dann aber vor Gericht landet, und Sie unterliegen, kann es unter Umständen noch viel teurer werden.

    Der Grundgedanke hinter dem Gegendarstellungsrecht ist, es einfachen Leuten ohne Geld zu ermöglichen, gegenüber einer Zeitung ihre Sicht der Dinge durchzusetzen, ohne gleich einen Prozess zu führen. Natürlich profitieren davon auch Konzerne, die gegen kleine linke Blätter vorgehen, aber solche Leute würden sich auch ohne Gegendarstellungsrecht, auf dem ganz normalen Prozessweg durchsetzen.

  12. Mich erstaunt, dass niemand über den Inhalt der Textkopie spricht, die zu der Abmahnung geführt hat. Sollte sich die betroffene Jounalistin nicht darüber freuen, dass ihren Text überhaupt jemand gelesen und auszugsweise kopiert hat, statt hier den Eindruck zu erwecken, dass sie mittels Abmahnanwalt subtile Allmachtsphantasien pflegt?

    ——

    Der Text ist in einer Publikation mit etwa 60 Millionen pageviews im Monat erschienen, und zehn Millionen unique visitors. Ich weiß jetzt nicht, warum ich mich darüber freuen soll, dass jemand den Text, überdies noch ohne meinen Namen, auf seine Seite gestellt hat.

  13. Die erste Frage, die sich mir beim Lesen ihrer Antwort auf mein Kommentar gestellt hat: Woher wissen sie, dass ich vom Land komme? Vielen dank im übrigen für die Belehrung, bei uns wird immer nur über den örtlichen Kaninchenzüchterverband berichtet, ansonsten findet bei uns kein Journalismus statt.

    Aber nun mal im Ernst: Ich weiß, dass man keine Erlaubnis braucht, wenn man (kritisch) über jemanden berichtet bzw. seine Meinung über ihn kund tut, aber ihr Beitrag oben liest sich “leicht” anders. Aber ich weiß auch noch mehr: Eine Gegendarstellung ist nicht unbedingt mit Kosten verbunden, vor allem nicht für ein kostenfreies Blog (es sei denn, die Person, die die Gegendarstellung verlangt schaltet ihren Anwalt oder sonstwas dafür ein, dann bleibt diese Person aber auf diesen Kosten sitzen). Da Johnny auch nichts in seinem Blog geschrieben hat, für das er ein für ihn negatives Gerichtsurteil zu befürchten hätte läuft auch diese Belehrung ins Lehre.

    Daraus folgt insgesamt: Johnny hätte zwar vorher mit ihnen sprechen können, das er es aber nicht gemacht hat ist aus journalistischer (auch Journalisten sind nicht dazu verpflichtet oder sonst irgendetwas vor Berichterstattung in irgend einer Weise mit der betroffenen Person zu sprechen) und finanzieller Sicht kein Problem.

    ——

    Das ist nicht richtig. Sie können die Kosten für den Rechtsanwalt, der eine Gegendarstellung verfasst, auf die Publikation umlegen, vorausgesetzt, sie genügt den formalen Kriterien, aber davon sollte man bei einem Anwalt eigentlich ausgehen. Wenn Sie glauben, Johnny hätte nichts Gegendarstellungspflichtiges geschrieben, dann kann ich ja mal aus Spaß einen Anwalt mit der Prüfung beauftragen.

  14. “Wenn Sie über jemanden etwas schreiben, insbesondere, wenn es etwas Kritisches ist, müssen Sie sich mit der Person vorher in Verbindung setzen.”

    Entschuldigen sie, aber gerade von einer Journalistin habe ich mehr erwartet. Aber schauen wir erstmal ins Grundgesetz:

    “Artikel 5

    (1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
    (2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.
    […]”

    Da der Beitrag von Johnny keinesfalls ehrverletzend oder sonstiges ist greift Absatz 2 nicht, aber Absatz 1, der ihm einräumt seine Meinung (eben auch über eine Person) völlig frei zu vertreten und zu veröffentlichen (mit der Einschränkung von Absatz 2 der wie gesagt nicht greift). Völlig frei. Also unabhängig davon, ob jetzt die jeweilige Person mit der Berichterstattung einverstanden ist oder nicht.

    Aber nehmen wir mal für einen ganz kurzen Moment an, dass man vor einem kritischem Bericht über eine Person deren Erlaubnis benötigen würde. Das wäre das Ende des kritischen Journalismus. Eben jenen Journalismus, der eigentlich essenziell für eine Demokratie ist (den aber, wenn man die letzte Bundestagswahl näher betrachtet, viele Journalisten mittlerweile verdrängt haben). Es ist immer wieder schön zu sehen, wie Journalisten ihre eigenen Rechte beschränken.

    —–

    Um es noch einmal zum allerletzten Mal für die Landbevölkerung zu erklären, Sie müssen natürlich niemanden um Erlaubnis fragen, bevor Sie über ihn schreiben. Sie sollten aber, wenn Sie über jemanden schreiben – und dabei meine ich keine Pressekonferenz, sondern eine Exklusivgeschichte – sich mit der Person vorher in Verbindung setzen und ihr Gelegenheit geben, ihre Seite darzustellen (während die Person übrigens nicht verpflichtet ist, eine Stellungnahme abzugeben, sie ist aber auch nicht in der rechtlichen Position, durch ein Veto die Geschichte zu stoppen, ebenfalls ein unter Laien recht häufiges Missverständnis). Das ist keine abseitige Idee, das ist der Kern- und Angelpunkt von investigativen Journalismus. Wenn Sie es nicht draufhaben, mit jemanden zu telefonieren und dann zu sagen, sorry, Sie haben mich nicht überzeugt, ist der Beruf für Sie ohnehin nicht das richtige..

    Wenn Sie nicht vorher anrufen, gehen Sie natürlich nicht ins Gefängnis, die Person kann Ihnen aber eine Gegendarstellung schicken und die ist a) für Sie kostenpflichtig und hat b) — aufgepasst, Hobbyjournalisten! — ganz und gar nichts damit zu tun, ob Sie etwas Richtiges oder etwas Falsches geschrieben haben, sondern nur, ob der Gegenstand ihrer Darstellung seine Position äußern durfte. Eine spätere gerichtliche Auseinandersetzung über den eigentlichen Inhalt des Artikels ist davon unberührt, da müssen Sie dann nur noch beweisen können, dass Sie keinen Unsinn geschrieben haben.