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vonEva C. Schweitzer 30.10.2009

Manhattan Media

Eva C. Schweitzer, Buchautorin, Journalistin und Verlegerin, über Amerika und über die Leute, die über Amerika schreiben.

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Ja, manchmal kommt es anders, als man denkt. Da wollte ich schon Philipp vom Haken lassen, und jetzt schreiben mir seine Freunde dauernd emails. Nachdem ich aber unmöglich dem Druck eine Horde wutschnaubender Möchtegernpiraten nachgeben kann, die ihre Nächte im Schlafanzug vom dem Computer verbringen, habe ich mir nun ein neues Angebot überlegt: Ich lasse die ursprüngliche Forderung fallen, aber Philipp zahlt für jedes email, das ich bearbeiten muss, zehn Euro. Und zwar an eine gemeinnützige Organisation meiner Wahl. Noch kommt er damit billiger weg.

—–

Nachtrag: Ich sehe gerade, dass Johnny seine Kommentarfunktion zugemacht hat und in seinen sicherlich wohlverdienten Feierabend enschwunden ist. Daher poste ich hier meinen Antwortbrief an ihn:

Lieber Herr Häusler,

Vielen Dank für Ihre schnelle Antwort. Ich erkläre es Ihnen aber nochmal: Wenn Sie über jemanden etwas schreiben, insbesondere, wenn es etwas Kritisches ist, müssen Sie sich mit der Person vorher in Verbindung setzen. Dass Sie irgendwie dazu keinen Bock hatten, interessiert niemanden, wenn Sie sich deshalb juristisch in die Nesseln setzen.

Und ich kann mir unmöglich vorstellen, dass jemand nicht in der Lage ist, innerhalb einer Woche meine emailadresse herauszufinden. Wenn das die Recherchefähigkeiten der Bloggosphere sind, dann gute Nacht.

Eigentlich wollte ich ja Philipp vom Haken lassen, aber nach dem Theater habe ich keine Lust mehr. Was halten Sie von dem Vorschlag: Ich lasse die ursprüngliche Forderung fallen, Philipp zahlt aber zehn Euro pro email, das ich bearbeiten muss, an eine gemeinnützige Organisation meiner Wahl? Dann ist beiden Seiten gedient.

mfg, Eva Schweitzer

Zögern Sie nicht, auch das wieder zu posten.

Eva C. Schweitzer, Manhattan  Moments. Geschichten aus New York, erschienen bei Droemer-Knaur, Juni 2009, Taschenbuch, 9,95 €

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kommentare

  • Die Behauptung, dass ein Autor sich an den Beschriebenen wenden muss, sobald er – Gott bewahre! – Kritisches schreibt, um den brav um Erlaubnis zu fragen, entspricht vielleicht einer persönlichen Vorstellung von Anstand, hat aber mit Presserecht nichts zu tun. Welcher Journalist fragt in der griechischen Botschaft an, bevor er die Geschichte des Landes als Kette von Pleiten beschreibt? Keiner? Haben die Griechen ihn schon verklagt? Wann ist der Prozesstermin?
    Zurück zu Ihnen: nach Lektüre des von ihnen so großzügig verteilten Links muss man zu dem Schluss kommen, dass dort auch nicht mehr steht, als man sich im Grunde schon vorher gedacht hat. Es steht jedem frei, die Rechtslage so zu schildern, wie es ihm gefällt, aber ein Informationsanspruch der Person, die Gegenstand der Berichterstattung wird, lässt sich daraus nicht herleiten – falls es ihnen doch gelungen ist, bitte ich um den relevanten Paragraphen, ihre Auslegung und falls möglich einen Präzedenzfall. Ihre persönliche Ehre wurde im Spreeblick jedenfalls deutlich weniger geschmäht als in einem durchschnittlichen SPIEGEL-Artikel, um nicht zu sagen: überhaupt nicht.

    —–

    Wenn man über jemanden etwas schreibt, muss man sich alle Seiten des Falls schildern lasen, dazu gehört auch, diese Person anzuhören, und sich ihre Seite schildern lassen. Das heißt noch lange nicht, dass das Eingang in den Artikel findet, aber das macht man einfach. Das ist der Kern von Journalismus, dass man nicht seine Meinung ungetrübt von Fakten frei vor sich hinblubbert, sondern sich rundum erkundigt, was Sache ist. Man nennt das „recherchieren“, im Gegensatz zu: „Im Keller seiner Eltern in Unterhosen sitzen und wild auf die Tastatur hauen, weil man lieber nur mit seinem eigenen Computer redet.“ Wer zu dumm. oder zu feige, oder zu kontaktgestört ist, mit jemanden zu reden, sollte sich lieber keine Beschäftigung suchen, die mit Kommunikation zu tun hat.

  • Eine Journalistin trollt einen ganzen Haufen Blogger und kann dabei sogar noch besser schreiben. Ich bin verblüfft! Haben sie das bei den Spontis gelernt?

  • >>Auf die süddeutsche Grammatik würde ich nicht viel geben. Da heißt es auch “der Butter”.<<

    Was etymologisch auch richtig ist.
    "Butter" kommt aus dem Altgrichischen: βούτυρος (Kuhquark) ist eindeutig maskulin.

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