11.10.2009 von Eva Schweitzer
Irgendwie muss es in die amerikanische DNA integriert sein, sich zum Preisrichter über alles auf der Welt aufzuschwingen. Ganz Amerika diskutiert darüber, ob Barack Obama wirklich den Friedensnobelpreis hätte bekommen sollen, oder nicht, oder wer sonst. Dass dies ein wenig verfrüht war, ist keine Frage — Guantanamo ist noch offen, es gibt nach wie vor geheime CIA-Foltercamps, Truppen stehen in Afghanistan und Irak, und der Krieg gegen den Iran ist noch nicht vom Tisch — aber diese Besserwisserei vom grünen Tisch wirkt trotzdem komisch.
Die New York Times hat dem Thema heute fast ihre ganze Kommentarseite gewidmet. So druckte sie einen Kommentar ihres mittlerweile verstorbenen Chefredakteurs A.M. Rosenthal nach, wonach es ein Fehler gewesen war, der Friedensnobelpreis 1990 an Michael Gorbatschov zu vergeben. Statt dessen hätte einer der unbekannten Toten aus dem Gulag geehrt werden sollen. Gut, immerhin ein Fortschritt; als Stalin noch am Ruder war, weiter lesen
10.10.2009 von Eva Schweitzer
Herta Müller hat den Literaturnobelpreis gewonnen, und Amerika ist schwer empört. Wobei, es ist nicht das Feuilleton, das empört ist, sondern die Leser, die den Literaturnobelpreis wohl für eine Art Oscar halten, der vornehmlich Amerikanern zusteht. Hauptkritikpunkt. Wir kennen die Frau doch gar nicht. Das ist wenig überraschend, die Zahl der deutschen Romane, die pro Jahr ins amerikanische übersetzt wird, liegt bei fünf bis sechs, das schließt Neuausgaben von Goethe mit ein (ähnlich sieht es bei anderen Sprachen aus).
In der New York Times tobte die Debatte in den Leserforen, wo viele Amerikaner ihren inneren Kanye West ausleben. Warum nicht Kurt Vonnegut, John Updike oder Ernst Hemingway (weil sie tot sind?) Philip Roth? Dan Brown? Danielle Steel? Eine erstaunliche Menge von Leser schrieb: Ich habe noch nie ein Buch von Herta Muller gelesen, ich finde aber …. Wirklich ein relevantes Kriterium.
Ähnlich war übrigens schon bei… weiter lesen
07.10.2009 von Eva Schweitzer
Der Fall Polanski wird immer bizarrer. Wir erinnern uns: Erst stellte sich fast ganz Hollywood hinter den flüchtigen Kindervergewaltiger, eingeschlossen die üblichen Verdächtigen im Feuilleton, wie etwa Patrick Goldstein bei der Los Angeles Times. Er meinte, Polanski sei ein tragischer Fall, der Regisseur sei bereits schrecklich bestraft worden, und das größte Problem sei, dass er den Rest seines Lebens von Leuten verächtlich behandelt werde, die meinten, er sei nicht genug bestraft.
Nun, nach einem Aufschrei von Lesern, macht Goldstein die Rolle rückwärts: Er meint nun, Hollywood habe sich niemals hinter Polanski gestellt. Beweis: Die meisten derer, die für ihn unterschrieben haben, seien Filmemacher aus New York und nicht aus Hollywood. Und: Er selber sei nie gegen eine Strafverfolgung Polanskis gewesen. Offenbar kann er sich an seinen eigenen Kommentar nicht erinnern.
Als Filmkorrespondent der Los Angeles Times sollte er eigentlich wissen, dass mit Hollywood nicht die diesbezügliche… weiter lesen
06.10.2009 von Eva Schweitzer
Ich glaube langsam, Polanski ist erledigt. Bill Maher sagte dieses Wochenende bei Real Time auf HBO, dass er überhaupt nicht begreifen kann, warum all diese Hollywood-Größen für Polanski unterschreiben, und er könne nun verstehen, dass die Moslems den Wunsch verspürten, Amerika in die Luft zu sprengen . “Er gab einem Kind ein Quaalude” — ein illegales Sedativum — und fickte sie in den Arsch.”
Also, wenn Maher, ein libertärer, linker, pro-israelischer Womanizer, der frühere Host von Politically Incorrect Polanski fallen lässt, ich glaube, das wars. Die Süddeutsche titelte heute übrigens, dass Polanski “seinem Opfer 500.000 Dollar zahlen” wollte. Liest man den Artikel, erfährt man, dass Polanski von seinem Opfer auf Schadensersatz verklagt wurde, dass er zu einer Zahlung von 500.000 Dollar verurteilt wurde und dass er nicht bezahlt hat. Wer macht bei der Süddeutschen eigentlich die Überschriften? Vor allem aber bin ich jetzt mal gespannt, ob… weiter lesen
01.10.2009 von Eva Schweitzer
Der Stern hatte gestern dankenswerterweise einen kleinen Englischtest, bei dem der Leser herausfinden darf, ob sein Englisch besser ist als das von Guido Westerwelle. So weit, so gut gemeint, hier noch ein Tipp: Außenminister heißt nicht, wie ihr in eurem Test schreibt: “Foreign Minister”, zumal das englische Minister zu deutsch “Pfarrer” bedeutet. Versucht es mal mit “Secretary of State”. Nix für ungut.