30.11.2009 von Eva Schweitzer
Hier ist das interessanteste an der Debatte um das Schweizer Minarett-Verbot: Die Zeitungskommentatoren sind sich quer durch die westliche Welt fast einig, dass dies falsch war, intolerant und schädlich (und machen sich Sorgen, dass die saudischen Fundis nun ihre Petrodollars abziehen könnten). Die Leser sind mehrheitlich entgegengesetzter Meinung, ob das nun die New York Times ist oder die Times of London.
http://community.nytimes.com/comments/www.nytimes.com/2009/11/30/world/europe/30swiss.html?sort=newest
http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/europe/article6937486.ece
http://features.csmonitor.com/globalnews/2009/11/30/outrage-on-swiss-minaret-vote-but-how-do-muslim-states-handle-churches/
http://www.huffingtonpost.com/2009/11/29/swiss-ban-minarets-in-sur_n_373172.html
http://www.guardian.co.uk/commentisfree/belief/2009/dec/01/swiss-minaret-vote-islam
Ein ähnliches Phänomen war beim Fall Polanski zu beobachten. Nun aber zum nächsten Thema: Das Verbot der Burka, über das nun wieder diskutiert wird. Dafür spricht, dass Mädchen, die gezwungen werden, eine Burka zu tragen, ihre Ruhe hätten. Was aber ist mit den Frauen, die gerne freiwillig die Burka tragen? Ich finde, das ist nicht das größte Problem: Was ist mit Männern, die gerne und freiwillig die Burka tragen? Um deren Interessen kümmert sich niemand, wie überhaupt die Transvestiten in der islamischen Welt keine… weiter lesen
28.11.2009 von Eva Schweitzer
Ich habe heute nicht so richtig viel Zeit, weil ich Glenn Beck gucken muss, für einen geplanten Artikel, und auf eine Stunde Glenn Beck kommen drei Stunden nachtraumatische Stressorderbetreuung, das ist also zeitraubend. Noch traumatischer ist nur die Werbung dazwischen: für den Weekly Standard, Erwachsenenwindeln, oder dass man Gold horten muss, bevor die, äh, Internationalisten an der Wall Street uns alles wegnehmen. Wobei, nach zwei Stunden Dauerberieselung durch Glenn Beck fange ich an zu denken, vielleicht hat der Mann recht, die US-Regierung ist tatsächlich die Inkarnation des Großen Satan.
Wie auch immer, hier sind zwei links, zu einer Geschichte aus dem New Yorker über den Einsatz von Drohnen in Afghanistan durch die U.S.-Army, und zu einer aus der Nation über die Finanzierung der Taliban durch Washington. Ich weiß, hartes Brot, aber wenn es nach Glenn Beck geht, essen wir alle demnächst nur noch Armeerationen.… weiter lesen
26.11.2009 von Eva Schweitzer
Neulich saß ich mit ein paar Freunden in einem Café im West Village und wir diskutierten die Schweinegrippe, oder, genauer, die Gretchenfrage der Schweinegrippe: Lasst Ihr euch impfen?
Das letzte Mal, als ich über die Schweinegrippe diskutierte, das war in Berlin, im Sommer, mit einem Freund, der gerade einem Vortrag eines hochrangigen Wissenschaftlers gelauscht hatte; der wiederum hatte in den farbigsten Farben geschildert, wie die Schweinegrippe demnächst Zehntausende hinraffen werde wie die Pest im Mittelalter oder die Kalifornier in 2012. Das Virus müsse nur noch ein wenig mutieren. Mein Freund, schwer beeindruckt, beschloss, sich impfen zu lassen.
Ich bin noch in der Beobachtungsphase, und habe beobachtet, dass es in Deutschland zwei Impfstoffe gibt, einen für das gewöhnliche Volk, der mit, ich weiß nicht, Quecksilber gestreckt ist, und einen besseren für die Regierung, der aber bisher nur an etwa 62 Personen getestet wurde. Nun bin ich wieder in New York und… weiter lesen
24.11.2009 von Eva Schweitzer
Bin ich eigentlich die einzige, der die Sache mit Khalid Sheikh Muhammed komisch vorkommt? Nein, ich glaube nicht. Mohammed soll der Drahtzieher des Anschlags auf das World Trade Center sein, das hat er gestanden nach 183 Mal Waterboarding, dazu noch den Mord an Daniel Pearl, Lee Harvey Oswald und Laura Palmer.
Was mich wundert, und ich bin da nicht die einzige, ist folgendes: Wie sieht dieser Khalid Sheikh Muhammed eigentlich aus? Wir bekommen hier fortlaufend zwei Bilder von ihm präsentiert, und zwar dieses, und dieses. Ist das der gleiche Mann? Und wo ich gerade dabei bin, was ist eigentlich aus Osama Bin Laden geworden? Ich kann mich noch gut erinnern, als der noch der Drahtzieher des Anschlags auf das World Trade Center war. Es ist wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit, bis wir erfahren, dass er in Wirklichkeit Iraner ist.
Übrigens, es gibt eine neues… weiter lesen
19.11.2009 von Eva Schweitzer
Neulich war ich in einem Film, der New York, I Love You hieß, so ungefähr das schrägste, was ich in den letzten Monaten gesehen habe. Er spielte in New York und war auch an Originalschauplätzen gedreht, wirkte aber wie aus einen Paralleluniversum. Es ging um ein knappes Dutzen Liebesgeschichten, manche mehr, manche weniger unterhaltend, aber allesamt schienen sie in einer Art nachgemachten Paris zu spielen. Alle Beteiligten rauchten und trafen sich vorzugsweise auf der Straße zum Rauchen. Ich weiß nicht, wann ich hier das letzte Mal einen Raucher gesehen habe, aber das muss ein paar Jahre her sein.
Alle sprachen mit diesen dunkelsamtigen Stimmen und sagten Sachen wie: “Ich bin eine Prostituierte, hier ist meine Visitenkarte” (würde hier niemand sagen, geschweige denn auf eine Karte drucken, weil, Prostitution ist in New York verboten). Niemand hatte es eilig, oder hatte überhaupt irgendetwas vor. Und (fast) niemand schaffte es, Downtown Manhattan zu… weiter lesen
14.11.2009 von Eva Schweitzer
Vor ein paar Tagen hat Sree Sreenivasan, Professor an der Columbia J-School, zu einem Abend zur Zukunft des Journalismus eingeladen, es kam eine beachtliche Menge an Studenten, dazu Experten auf dem Podium, darunter Jennifer Preston, die New York Times-Redakteurin für Social Networks, und Experten im Publikum. Der Abend war eine Orgie der neuen Technik, er wurde zeitgleich, oder, um genau zu sein, mit 30 Sekunden Verzögerung übertragen auf Twitter, über eine digitale Columbia-Kamera, und überall sonst, wo sich social networker tummeln. Alles in allem war es ein freundlicher Austausch, Irritationen zwischen Alt- und Neu-Medien gab es nur kurz, als Julia Angwin von Wall Street Journal auf dem Podium gefragt wurde, ob es sinnvoll sei, die Zwischenschritte von Recherchen zeitgleich online zu posten. Wohl nicht.
Zu den Gästen zählten David Cohn von Spot.US, der in Wirklichkeit noch viel jünger aussieht als auf Skype, außerdem der frühere Chef… weiter lesen
09.11.2009 von Eva Schweitzer
Wo ist Philipp? Vor einer Woche habe ich mit Philipp, dem Fernsehblogger telefoniert, danach schickte ich ihm einen Vorschlag zur Güte, bloß, Philipp ist seitdem verschollen. Nun sitze ich hier wie der Regisseur von Days of our Lives, dem der Serienstar Joey Tribbiani alias Doctor Drake Ramoray in den Fahrstuhlschacht gefallen ist.
Also, hier ist das offer he can’t refuse: Philipp und seine beiden Mitblogger (die übrigens links zu solchen Seiten haben, also, so unkommerziell kann das wohl nicht sein) zahlen einen überschaubaren Betrag an eine gemeinützige Organisation, sagen wir hundert Euro. Mein Vorschlag wäre Amnesty International. Denn die promoten gerade zusammen mit dem Culture Project den Dokumentarfilm The Response über die Verhöre in Guantanamo Bay, mit Kate Mulgrew vom Raumschiff Voyager als bad guy – das passt also auch. Damit wäre, vorbehaltlich des Honorars meines Anwalts natürlich, die Sache erledigt. No hard feelings.… weiter lesen
05.11.2009 von Eva Schweitzer
Die Yankees haben die World Series gewonnen, unser geliebter Bürgermeister Mike Bloomberg hätte beinahe die Wahlen verloren, Rudy Giulianis Polizeipräsident Bernie Kerik sitzt nun im Knast und Levi Johnston wird jetzt vielleicht doch nicht nackt auftreten, wg. zu viel Eis. Was das in Deutschland tobende ethnic cleansing zwischen Journalisten und Bloggern angeht, dazu hat Telepolis den denkbarst langweiligen Artikel geschrieben, wo es im wesentlichen darum geht, wer wann warum unter welchen Umständen wie viele Zeilen, Zeichen oder Pixels vom wem abkopieren darf, ohne belangt zu werden.
Naja, Amerikaner bloggen, um die eigenen Gedanken unters Volk zu bringen, und nicht die anderer Leute in verstümmelter Form. Hier ein Tipp: Einfach auch mal ausprobieren. Wer nichts zu sagen hat, findet sicherlich eine andere Freizeitbeschäftigung als ausgerechnet Pixelzählen.
Telepolis hat mich zwar um eine Stellungnahme gefragt, diese aber nicht veröffentlicht, aber ich finde, der email-Austausch sollte dem Leser nicht vorenthalten werden. Es geht… weiter lesen
03.11.2009 von Eva Schweitzer
Inzwischen bin ich auch in Frankreich berühmt – eine französische Touristin hat mich an Halloween fotografiert, als Hexe verkleidet, in der U-Bahn. Neben mir saßen eine winzigkleine Prinzessin Leia und ein vielleicht anderhalb Jahre altes Wildes Ding (dabei meinte unser Blogwart Matthias Bröckers, ich bräuchte gar kein Hexenkostüm, die Nerds würden gerade einen virtuellen Scheiterhaufen für mich errichten, vermutlich dadurch, indem sie ihre Prozessoren überhitzen, auf iTunes Symphatie for the Devil abspielen, und die Flammen durch heftiges Wedeln mit ihren Mousepads anfachen). Später, auf einer Fete, lernte ich eine Halloween-Version des Massenerregers Rush Limbaugh kennen. Er trug ein paar Pillendosen um den Hals, dazu kleine Teufelshörnchen.
Apropos, wie ich gerade von einem Kollegen erfahren habe, erregt sich Stefan Niggemeier in seinem Blog über mich. Niggemeier ist einer der bekannteren deutschen Blogger (obwohl ich ein ganz klein wenig den Verdacht habe, er “piggybacks”, wie Amerikaner sagen, auf meinen Pageviews).… weiter lesen