And That’s The Word
von Eva SchweitzerWo ist Philipp? Vor einer Woche habe ich mit Philipp, dem Fernsehblogger telefoniert, danach schickte ich ihm einen Vorschlag zur Güte, bloß, Philipp ist seitdem verschollen. Nun sitze ich hier wie der Regisseur von Days of our Lives, dem der Serienstar Joey Tribbiani alias Doctor Drake Ramoray in den Fahrstuhlschacht gefallen ist.
Also, hier ist das offer he can’t refuse: Philipp und seine beiden Mitblogger (die übrigens links zu solchen Seiten haben, also, so unkommerziell kann das wohl nicht sein) zahlen einen überschaubaren Betrag an eine gemeinützige Organisation, sagen wir hundert Euro. Mein Vorschlag wäre Amnesty International. Denn die promoten gerade zusammen mit dem Culture Project den Dokumentarfilm The Response über die Verhöre in Guantanamo Bay, mit Kate Mulgrew vom Raumschiff Voyager als bad guy - das passt also auch. Damit wäre, vorbehaltlich des Honorars meines Anwalts natürlich, die Sache erledigt. No hard feelings. Und wir haben alle zusammen einen guten Zweck unterstützt.
Gut, damit wäre die Daily Soap am Saisonende. Jetzt wäre es noch nett, wenn sich nicht jeder einzelne spätpubertäre schreibende Adabei noch mal kurz an meinen Rockzipfeln festhalten müsste. Aber, Jungs, ich will nicht so sein, ihr könnt statt dessen das hier angucken:
Nun zu etwas vollkommen anderen: Was mache ich jetzt mit all den neugewonnenen Lesern? Das ist nämlich gar kein Blog über die Befindlichkeiten der deutschen Bloggosphäre, die Idee war, mein Buch mit kleinen Manhattan-Geschichten zu bewerben, und ab und zu Tom Friedman abzuwatschen. Oder Ann Coulter. Was interessiert euch eigentlich, die Eröffnung des fünften Apple Store, an der Upper West Side? Carrie Fisher am Broadway? Gut, ihr dürft bleiben, aber hier sind die Regeln: Keine Kommentare über Rechtschreibung, Kommasetzung oder Grammatik! Wollte ich meine kostbare Lebenszeit mit sowas verbringen, wäre ich Grundschullehrerin in Villingen-Schwenningen geworden. Eine Onlineakademie für angehende Journalisten ist das auch nicht. Und Betroffenheit bitte nur in vertretbaren Dosen.
Was die Manhattan-Geschichten angeht, letzte Woche war ich bei einer Veranstaltung mit den Autoren des Colbert Report, ein dutzend weiße Männer, eine Frau. Die Interviews, so viel dazu, sind nicht gescripted, nein, die Studiogäste müssen sich ihren Text selber ausdenken. Nur Stephen bekommt die Fragen geliefert. Übrigens sponsort der Report die US-Mannschaft im Eisschnelllauf, die offenbar gerade in Berlin wettkämpft - wäre es nicht auch eine Idee, unsere Eisschnelläufer zu unterstützen? Na, das hebe ich mir für den nächsten Blogger auf.
Danach ging ich zu den trinkenden Liberalen bei Rudy’s in der Ninth Avenue, die einander den ganzen Abend Vorwürfe machten, weil ihr Bürgermeisterkandidat die Wahl gegen Mike Bloomberg verloren hat, und zwar so knapp, dass er sie hätte gewinnen können. Als ich auftauchte, wurde irgendwie rasch klar, dass das meine Schuld war.





Kommentar schreiben
…and that’s the word ? Das “Wort” von heute - noch nicht in taz oder Manhattan Dragon - aber schon in China Daily, Beijing: “Brazil student expelled after wearing mini dress” - das ist World News gross geschrieben! Kurz vorher hatte ich das auch in einem blogger in Brasil gelesen - der hatte schon 254 Kommentare von brasilianischen Lesern - denn das ist doch eine nationale Entscheidungsfrage: In Brasil “Haut is immer in Mode”…
Colbert Report! Bzw. Colber Repor. Ein Klingeln in meinem Gehörgang. Wenn man hierzulande an politische Latenight denkt, und die tollen Versprechungen von Fred Kogel aus Harald Schmidt den neuen Jon Stewart zu machen, könnte einem das heulen kommen. Richtig zu fließen beginnen die Tränen, wenn man sieht, das Viacom in Deutschland zwar drei Sender füllt, es aber nicht gebacken bekommt, eine unübersetzte Version um einen Tag verzögert ins Nachtprogramm zu hieven. Statt der Doppeldosis Colbert und Stewart die Daily Show Global Edition, die bei CNN zu verlässlicheren Sendezeiten zu laufen scheint.
Dank Internet kann man’s ja trotzdem gucken. Sogar Vera Lengsfeld (Oder, um es mit Colbert zu sagen: “Vära Längschfältt”) hat es in den Report geschafft, im Gegensatz zum späteren Wahlergebnis. Seine Aussprache von ihrem Wahlbezirk “Kreuzberg-Friedrichshain” hat mir im Alleingang den Tag versüßt.
(die übrigens links zu solchen Seiten haben, also, so unkommerziell kann das wohl nicht sein)
ROFL!
Als Bewohner der UES wuerde mir ja ein vernuenftiges deutsches Blog ueber New York (vor allem in der taz) durchaus gefallen. Vielleicht koennte ich da ueber den Highling Walk was lernen, darueber, dass es im “Le Parker Meridien” - ja genau dort, wo das Hummer-Kavier Omlett USD 1000.00 kostet - sehr gute und guenstige Burger in dem in der Lobby versteckten Burger Joint gibt. Von daher bin ich ja ach so dankbar, dass ich hier bleiben darf.
Allerdings muss dann auch der Inhalt kommen: Das mit den Yankees war nen schwacher Auftakt: Denn dass die gewonnen haben ist eines, was dann nach Mitternacht im spiessigen UES (Blogwart hoert hoert!) die Menschen auf der Strasse gefeiert haben und dass die Polizei und Feuerwehr vor Freude mit Sirenen die Strasse rauf- und runtergefahren sind, dass die Kneipen voll ueberschwaenglicher Menschen waren, dass wuerde die Situation zwar besser beschreiben aber immer noch weit von dem weg sein, was wirklich los war.
——
Über sowas, lieber Sebastian, schreibe ich in der Holzpresse, denn dafür werde ich bezahlt (übrigens nicht nur ich, ich glaube kaum, dass es einen Mangel an New York Artikeln in Zeitungen gibt).
Wenn du billige Burger oder sonstige Restaurant-Geheimtips suchst, versuche es mit Time Out New York oder New York Magazine. Die haben mindestens einmal im Jahr ein Best of Special.
Wen interessiert denn hierzulande die Ghettostadt mit der exorbitanten Kriminalitätsquote? Geschweige denn deren Lokalpolitiker oder B-Proms, *yaaaaaaawnnnnnnn*.
—
Ja, und nicht zu vergessen, voll mit unanständiger Negermusik, jüdischen Asphaltjournalisten, mafiotischen Spaghettifressern, und Schlitzaugen, in deren Restaurants Hunde gekocht werden.