Are You Talking to Me?

Neulich war ich in einem Film, der New York, I Love You hieß, so ungefähr das schrägste, was ich in den letzten Monaten gesehen habe. Er spielte in New York und war auch an Originalschauplätzen gedreht, wirkte aber wie aus einen Paralleluniversum. Es ging um ein knappes Dutzen Liebesgeschichten, manche mehr, manche weniger unterhaltend, aber allesamt schienen sie in einer Art nachgemachten Paris zu spielen. Alle Beteiligten rauchten und trafen sich vorzugsweise auf der Straße zum Rauchen. Ich weiß nicht, wann ich hier das letzte Mal einen Raucher gesehen habe, aber das muss ein paar Jahre her sein.

Alle sprachen mit diesen dunkelsamtigen Stimmen und sagten Sachen wie: “Ich bin eine Prostituierte, hier ist meine Visitenkarte” (würde hier niemand sagen, geschweige denn auf eine Karte drucken, weil, Prostitution ist in New York verboten). Niemand hatte es eilig, oder hatte überhaupt irgendetwas vor. Und (fast) niemand schaffte es, Downtown Manhattan zu verlassen. Es war wie eine frühe Version von Sex and the City, die von französischen Filmstudenten gedreht wurde.

Apropos fake, ich stelle gerade fest, Jakob Augstein erregt sich darüber, ich hätte einen Fauxpax begangen, indem ich Leute, die meine Texte klauen, zur Kasse bitte, offenbar in der irrigen Ansicht, ich hätte meine Meinung darüber geändert. Jakob Augstein ist der Sohn und Erbe von Rudolf Augstein, dem verstorbenen Spiegel-Herausgeber, der seinerseits den Freitag herausgibt, dessen Onlineautoren entweder gar nicht oder furchtbar schlecht bezahlt werden — Augstein sagte zum Netzwerk Recherche: “„Unsere Autoren müssen sich ihr Geld woanders verdienen”. Er ist also ein Millionärssöhnchen, das sein Ego damit aufbürstet, dass es Autoren ausbeutet, und nun möchte, dass es zum Standard wird, sich kostenlos zu bedienen. Also, ich würde mal sagen, herunter vom hohen Ross. Ein Esel tut es auch.

Augstein lässt sich außerdem noch bewundernd über Arianna Huffington aus, Gründerin der Huffington Post, die “jetzt 80 Leute beschäftigt, über ihre Geld-Zahlen will sie aber lieber nicht reden.” Huffington, die Exfrau eines Ölmillionärs, ist eine frühere Unterstützerin des republikanischen Rechtsaußen Newt Gingrich, schwenkte dann um zu links von Bush, weil das eine kluge Karrierestrategie war und bezahlt ihre Blogger nur dann, wenn es sich um Promis handelt. Damit schaffte sie es immerhin, 25 Millionen Dollar von Oak Investment einzuwerben, eine kalifornische Finanzfirma aus dem Silicon Valley. Wahrlich ein moralischer Leuchtturm.

Und hier habe ich noch einen Cartoon.

http://dilbert.com/2009-11-17/

Eva C. Schweitzer, Manhattan  Moments. Geschichten aus New York, erschienen bei Droemer-Knaur, Juni 2009, Taschenbuch, 9,95 €

Kommentare (9)

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

CAPTCHA-Bild

*

  1. Nein, Frau Schweitzer, meine Analogie ist deutlich näher dran, da ich in ihrem Beispiel keine Lederjacke mehr habe, ihre Stele in meinem Beispiel aber sehr wohl noch an ihrem Platz steht. Ebenso wie ihr Artikel noch an Orginalstelle steht.
    Das ist ja das Problem mit diesen “Echtwelt”-Vergleichen: Das “entwenden” im Sinne davon, dass es der Urheber nicht mehr besitzt, findet nicht statt. Ebenso wenig wie ein Photo von Michelangelos David diesen von seinem Sockel entfernt. Ohne “Reproduktion” in der Analogie, sondern “Diebstahl” stattdessen geht Sie einfach völlig daneben. Und genau wegen dieser “Verständnislücke” werden Sie so heftig angegangen, z.Dt. geflamed…. ;)

    —-

    Sie haben noch eine Lederjacke. Ich leihe die ja nur aus.

    Aber gut, dann erkläre ich es Ihnen mal so, dass es auch ein Nerd versteht: Stellen Sie sich vor, Sie leben davon, dass Sie Software schreiben und die auf CDs verkaufen, und zwar in einem kleinen Ladengeschäft in Friedrichshain. Eines Abends vergisst ihr Vermieter, den Hof abzuschließen, über Nacht steigt jemand in Ihren Laden ein, klaut hundert Ihrer CDs und verschenkt die an Freunde und Bekannte, die sich Ihre CDs nicht leisten können oder wollen.

    Sie beauftragen einen Privatdetektiv, der erwischt den Kerl, und der sagt folgendes: Er hätte mit der Aktion kein Geld verdient, weil er die CDs ja verschenkt hat, Ihnen ist kein Schaden entstanden, weil seine Freunde und Bekannte grundsätzlich nicht für Software bezahlen, die CDs seien unbegrenzt reproduzierbar, denn Sie haben die Programme in Ihrem Computer abgespeichert, und den besitzen Sie ja noch. Und das bisschen Plastik, auf das Sie die CDs brennen, ist genausoviel wert wie die kostenfreie Plastiktüte, in die Sie die CDs packen. Darauf kommt es also nicht an (und das tut es tatsächlich nicht, Sie verkaufen ja Programme und keine CD-Rohlinge). Tatsächlich seien Sie es, die die Zeichen der neuen Zeit nicht erkannt hätten, denn heutzutage verkaufe kein Mensch mehr CDs, statt dessen würden Programme im Internet zum Download angeboten, also seien Sie selber Schuld, wenn Sie so einen Aufwand treiben. Und im Gegenteil, Sie sollten dem Dieb noch dankbar sein, denn der habe kostenlos Werbung für Sie gemacht, da auf allen Ihren CDs ein Aufkleber mit Ihrer Ladenadresse klebt. Und dass Sie nun die Kosten für den Privatdetektiv von ihm verlangen, das sei die Höhe und dafür gehörten Sie angeprangert.

    Wenn Sie nun das Gefühl haben, was, der klaut und wird auch noch frech, dann haben Sie mich verstanden.

    Haben Sie aber das Gefühl, nein, der Dieb hat eigentlich recht, dann seien Sie doch so lieb, gehen Sie zum Mediamarkt, klauen eine Windows 7-CD und schenken die mir. Die ist beliebig oft reproduzierbar und Microsoft entsteht dadurch kein Schaden, denn ich hätte die sowieso nicht gekauft. Und außerdem ist es kostenlose Werbung für Microsoft, wenn eine bekennende Apple-Userin deren Programme nutzt. Ich bin sicher, Sie schaffen es mit Ihrer Beharrlichkeit auch, dem Ladendetektiv Ihren Standpunkt zu vermitteln.

  2. Sie wissen aber doch selbst, dass man auch in seinem eigenen Blog nicht alles schreiben darf was man gerne möchte. Es könnte dabei zu ungewünschten Komplikationen kommen.

    Solange bei tv.com “On hiatus” hinter Curb Your Enthusiasm steht, ist die Serie für mich nicht zu Ende;). Bei Knight Rider steht z.B.”Ended 1986″. Sie sehen die Hoffnung stirbt zuletzt und ich wäre höchst erfreut darüber wenn es doch weiter geht.

    Natürlich gibt es annähernd 1 Mio Hits(naja, eigentlich nur 373k)bei Google über Larry David, aber es wäre doch schön einen Artikel oder Blog Beitrag von einer gestandenen Journalistin, wie sie es sind, in einem Massenmedium, wie der/die taz eines ist, zu lesen.

    ——

    Ich fände es auch klasse, wenn Curb weiterläuft, aber ich glaube, nun ist es vorbei. Eine Seinfeld Reunion lässt sich nicht mehr toppen.

  3. Wie kommen Sie denn dazu meine Beiträge hier entweder überhaupt nicht oder wenn dann zensiert zu veröffentlichen?
    Ich verlange die Streichung des veröffentlichen Fetzen meines Machwerks.

    —–

    Weil das mein Blog ist. Und ich versuche gerade, daraus eine Douchebag-freie Zone zu machen. Daher die Streichungen.

    ——

    Was soll eine Saison sein? Es heißt Season.
    Sicher ist das die letzte Season von Curb…wie es schon beim Ende der 4ten, 5ten und 6ten Staffel jeweils die letzte war.

    ——

    Curb Your Enthusiasm hatte am Sonntag die letzte Folge der letzten und siebten Season und ist damit, als Serie, vorbei. Wenn Sie sich generell für Larry David interessieren, schlage ich vor, Sie googeln den Namen. Da kriegen Sie ungefähr eine Million Hits.

  4. Liebe Frau Schweitzer,

    “Und (fast) niemand schaffte es, Downtown Manhattan zu verlassen.” – Ich überlege gerade, wie oft Sie in den letzten “paar Jahre(n)” mal nach Greenpoint, Astoria oder East Williamsburg gefahren sind – da raucht dann jeder dritte auf der Straße.

    Lohnt sich aber – da finden sich die Geschichten, die in Manhattan nicht mehr passieren…

    —–

    Danke, aber ich bin ja keine Lokalreporterin, ich schreibe über Medien, Entertainment und Wall Street, und das ist nun mal alles in Manhattan. Aber ich habe tatsächlich gestern jemanden in der U-Bahn am Columbus Circle gesehen, der rauchte — auf dem Bahnsteig. Hoffen wir mal, dass Glenn Beck das nicht mitbekommt, sonst ist da garantiert Obama dran schuld….

    Haben Sie den Film gesehen?

  5. Tach Frau S.,

    ich verfolge den ganzen Abmahntrubel Ihrerseits ja höchst amüsiert, da ich nicht ganz fassen kann, wie Sie als offensichtlich nicht völlig bescheuerter Mensch im Verständnis der Grundsache so kolossal daneben langen können: Beklaut worden zu sein.
    Um es Ihnen verständlich zu machen, hier eine Echtlebenanalogie für das geschehene: Phillip hat in einem Werbeflyer eine Wegbeschreibung zu einer sich lohnenden Inschrift auf einer Stele in einem öffentlichen Raum veröffentlicht und dabei die Inschrift in ihrem besten (und einem großen) Teil zitiert.

    Das können Sie drehen und wenden wie Sie wollen, da wird kein Diebstahl draus. Und auf Verfehlungen anderer abzuzielen, um von sich selber abzulenken… naja…

    ——

    Phillip hat, ohne zu fragen, einen fast kompletten Artikel von mir aus der ZEIT abgepinnt, um sein Blog damit aufzuhübschen. Das darf man nicht. Ob er damit Traffic auf deren Website lenkt, ist mir ziemlich egal, ich werde pro verkauften Artikel bezahlt. Der Artikel selber ist bereits alle Werbung, die ich brauche, wenn der nochmal in einem Billigheimerumfeld erscheint, das ist eher Antiwerbung.

    Um Ihnen das mal in Echtleben zu erklären, das wäre, als wenn sich jemand, ohne Sie zu fragen, heimlich Ihre Lederjacke aus dem Schrank holt, damit herumläuft mit einem Aufkleber: Das ist Dominics Jacke, mir gefällt sie so gut, dass ich sie trage, und auch ihr könnt sie bei Karstadt im zweiten Stock kaufen. Wenn Sie sich beschweren, sagt er, wieso, die ist doch nur ausgeliehen, dir ist kein Schaden entstanden, im Gegenteil, ich mache für deine Klamotten sogar noch Reklame.

  6. @Hieronimus

    “Von einer Frau welche einen Amerikaner heiratet kann man natuerlich nicht so viel erwarten”

    Oja, man liebt die deutsche Ideologie hierzulande. Ich glaube, Hieronimus, Du verwechselst Deinen Arsch mit Deinem Denkapparat.

  7. Schreiben Sie doch mal einen Artikel über Larry David, den besten Amerikaner aller Zeiten.

    —–

    Mit der Idee sind Sie leider ein bisschen spät dran. Heute ist das Season Finale der siebten und vermutlich letzten Saison von Curb Your Enthusiasm. Immerhin: In zwei Stunden wissen wir, ob Larry und Cheryl sich wieder kriegen. Ich halte Sie auf dem Laufenden.

    Aber wenn ich mich recht entsinne, gab es ein paar Artikel, als die Serie in Deutschland anlief, so vor etwa einem Jahr.

  8. Zumindest hat die Arianne Huffington einen charmanten Aktzent wenn sie Englisch spricht. Von einer Frau welche einen Amerikaner heiratet kann man natuerlich nicht so viel erwarten. Das sie diesen haesslichen Namen mitnahm erklaert den Rest. Ihre Meinung stimmt!

  9. Ja ja, Eva – das Dilbert-Prinzip… genau! :)