Piraten: Die unendliche Gelabergeschichte

Die Berliner Piraten stehen kurz vor dem Durchbruch durch die 5-Prozent-Hürde, da möchte man doch mal nachgucken, was die Jungs eigentlich so wollen. Frauen scheinen die ja nicht zu haben, aber eine Website. Und was für eine! Auf den ersten Blick sieht sie aus, als sei sie mit Atari programmiert worden. Naja, das ist wahrscheinlich dieser Retroschick, über den man immer so viel liest.

Auf der Seite mit dem Berliner Programm guckt mir ein junger Mann entgegen, ist das ein Pirat? Ein Wähler? Ein bezahltes Model? Gleichviel, wir lernen hier, was die Piraten wollen, nämlich: Mehr Demokratie wagen. Wahnsinn! Warum kommt mir das so bekannt vor? Richtig, von meiner Oma, die hat Willy Brandt gewählt.

Und wie wagen wir mehr Demokratie? Dazu mehr bei den Piraten: „Die Möglichkeiten für den Bürger, auf die Gestaltung der Politik Einfluss zu nehmen, sind in Berlin weiterhin viel zu gering. Das betrifft sowohl den Einfluss auf die personelle Zusammensetzung der Vertretungs-körperschaften als auch die bestehenden gesetzlichen Einschränkungen …“

Pünktchen, Pünktchen, Pünkchen? Wo gehts denn da weiter? Ich könnte jetzt was downloaden, aber Leute, die keine benutzerfreundliche Website designen können, haben wahrscheinlich auch Viren. Statt dessen klicke auf diverse Pfeile, nichts. Nach einiger Zeit (mehr Zeit, offengestanden, als ich verbringen wollte, ich gehöre der Generation Instant Gratification an), merke ich, dass mein Lautsprecher ausgeschaltet ist. Ich schalte ihn ein, nun liest mir eine Männerstimme das gleiche nochmal vor. Gaaaanz langsam.

Nachdem ich mir keine Soziologievorlesung von einer Computerstimme anhören wollte, gucke ich weiter. Thema Asyl: „Berlin ist eine Stadt, die von der Vielfalt der verschiedenen Kulturen, Weltanschauungen, Religionen und Lebensmodelle lebt.“ Mach Sachen. Nicht zu vergessen der Funkturm und die Weltzeituhr am Alexanderplatz. Und? Nun was? Und hier ist der Anreißer zur Drogenpolitik: „Konsumentenjagd beenden, konsequente Vorsorgepolitik starten Die sozialen und kulturellen Besonderheiten der Großstadt Berlin ermöglichen es, gesellschaftliche Probleme quasi unter der Lupe zu betrachten.“

Was heißt das? Kostenlose Abgabe von Champagner? Und wie groß muss eine Stadt sein, damit sie unter der Lupe betrachtet werden kann, ist das bei einer Kleinstadt nicht einfacher? Oder bei einem Modelldorf?

Oder, Engagement: „Bürgerschaftliches Engagement zeichnet sich durch Freiwilligkeit aus. Als Anreiz dient der Idealismus des Einzelnen und die Fähigkeit andere für eine Mitarbeit zu begeistern. Jedes System, welches bürgerschaftliches Engagement untereinander vergleicht, widerspricht dem Prinzip, dass jeder Anerkennung verdient, der etwas Sinnvolles …“

Ich bin jetzt seit zehn Minuten auf der Website und habe nicht die leisteste Ahnung, was diese Piraten wollen. Berliner zwangsverpflichten, zwei Semester Soziologie zu belegen?  Immerhin, kein Flash. Oder, vielleicht finde ich es bloß nicht, weil man dazu Linux braucht. Oder es ist in der falschen Stelle beim Quellcode eingebaut. Ruft mich an, Jungs, ich kann euch zumindest erklären, wie ihr das Kotzgrün da rauskriegt. Das Leben besteht aus ersten Schritten.

Eva C. Schweitzer, Manhattan  Moments. Geschichten aus New York, erschienen bei Droemer-Knaur, Juni 2009, Taschenbuch, 9,95 €

Kommentare (4)

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  1. Die Autorin hätte wohl einfach das Parteiprogramm der Piraten herunterladen können … ich hatte das nach ein paar Sekunden gefunden. Meinem Eindruck nach hatte das auch mehr Substanz als dieser Blogeintrag – das war natürlich nicht schwer.

    Na, und du hast ein Jahr gebraucht, um diesen Blogeintrag zu finden. Für jemanden, der so supi-supi-schnell sein will, finde ich das irgendwie nicht so richtig beeindruckend.

  2. Gebt Berlin den Polen mitsamt den Wowibären und den Piraten und all den anderen Albernheiten die nur gutes Westdeutsches Geld kosten.

  3. Wer sich mit „Berlin“ befasst ist selber Schuld!

  4. genug redundanz findest du auch bei den anderen parteien und die reicheren parteien können sich natürlich auch bessere autoren und redakteure leisten.
    wäre ich politischer, hätte ich mich zum beispiel auch richtig über die kuschliugen Wowi-bären aufgeregt, die der regierende bürgermeister am ende seiner kundgebungen tatsächlich verteilt. (am mehringplatz letzten freitag hatten die drei säcke mit wowibärchen dabei! als gutgelaunter kiezmitbewohner fand ich das aber lustig und toll.)
    ich überlege trotzdem, die Piratenpartei zu wählen.