Paging Rudy Giuliani

Ein bisschen ist es ja her, dass Rudy Giuliani unser Bürgermeister war, aber er hat offenbar nachhaltig Eindruck gemacht, bis nach Deutschland. Georg Diez schlägt auf Spiegel Online vor, Berlin brauche einen Rudy Giuliani. Da ist was dran, ob man nun die Nachrichten verfolgt, wonach mal wieder ein armer Tropf in der U-Bahn überfallen  oder vor ein Auto getrieben wurde, oder ob man sich höchstselbst auf den Berliner Bürgersteigen zwischen Rüpelradlern und Hundehinterlassenschaften vorankämpft. Und dann ist noch der Flughafen, und Hertha…

Nun scheint Georg Diez der Ansicht zu sein, Giuliani habe vornehmlich die Infrastruktur von New York auf Vordermann gebracht — weit gefehlt, La Guardia ist immer noch ein Dritte-Welt-Flughafen, und der Broadway hat mehr Schlaglöcher als Berlin Parteien, mit denen Wowereit schon mal koaliert hat.  Wofür Giuliani berühmt war, war sein harter Durchgriff gegen Kriminelle, Schwarzfahrer, Obdachlose und Sozialhilfeempfänger. Giuliani hat das “Racial Profiling”, wenn nicht eingeführt, dann doch zur vollen Blüte gebracht, also die Praxis, dass junge Männer auf der Straße von der Polizei angehalten und durchsucht werden, weil sie schwarz oder hispanisch sind (auch bekannt als “walking while black”). Unter seiner Ädige hat die Polizei mehr schwarze Männer umgebracht als sämtliche Neonazis in ganz Deutschland seit 1945 — wir erinnern uns an Amadou Diallo —, kein einziger Polizist wurde dafür jemals verurteilt, mit de Ausnahme von Abner Louima, der auf einer Polizeistation gefoltert wurde. Giuliani hat anschließend gerne die Mütter der Opfer beschimpft.

Obdachlose wurden aufs Land gefahren und ausgesetzt. Zuletzt legte Giuliani ein Programm auf, chronisch kranke Mütter von Kleinkindern in Arbeitsprogramme zum Mindestlohn zwingen, mit der Drohung, ihnen sonst die Sozialhilfe zu streichen (hier darf der Leser kurz raten, welche Hautfarbe diese Frauen hatten). Nebenbei versuchte er, unanständige Bilder in Museen zu verbieten und die Vereinten Nationen aus der Stadt zu ekeln. Heute verdient er sein Geld mit “Sicherheit“. Immerhin besser als Bernie Kerik, sein Polizeichef, der im Knast landete.

Ein Berliner Rudy Giuliani würde jeden sich in der U-Bahn prügelnden Jungmann mit türkischen oder arabischen Migrationshintergrund  für zehn bis 20 Jahre einbuchten und gegebenfalls auch mit der ganzen Familie abschieben, seine Polizei erst schießen, dann fragen lassen, katholische Privatschulen fördern, und sämtliche Sozialhilfeempfänger in die Zwangsarbeit verfrachten. Dass ich den Tag noch erlebe, dass deutsche Linke das prima finden, hätte ich nie gedacht.

 

Eva C. Schweitzer: Tea Party, Die Weiße Wut. Was Amerikas Neue Rechte so gefährlich macht. dtv; Januar 2012. 14,90 €

 

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

CAPTCHA-Bild

*