Mission Accomplished

Wer hätte gedacht, dass in meinen Lebzeiten die Gräben zwischen dem rechten Flügel der Republikaner und dem linken Flügel der Demokraten nochmal zugeschüttet werden, aber so ist es: Beide Flügel sind begeistert über Romneys Entscheidung für Paul Ryan als sein Vize. Die Rechten, weil sie glauben, Ryan sei ein 150-Prozentiger, die Linken, weil sie denken, mit dem verliert Romney garantiert. Und ich selber habe auch das Gefühl, innerlich eine offizielle Zusammenkunft der politischen Vertreter der stärksten Partei im Deutschland der Jahre 1933 bis 1945 zu feiern, um das mal politisch korrekt zu formulieren.

Ob das Verlieren garantiert ist, bin ich mir zwar nicht so sicher (andererseits, ein Mormone und ein Katholik, really?), aber ein Risiko ist Romney durchaus eingegangen. Parteiintern mag das schlau gewesen sei, denn die Tea Party, der Ryan erstaunlicherweise zugerechnet wird, obwohl er für TARP gestimmt hat, hat das Gefühl, vom Establishment der Partei vernachlässigt zu werden. Schwarze Wähler und Hundeliebhaber haben die Republikaner eh aufgegeben, bei den konservativen Frauen denken sie, dass die sowieso lieber einen Mann wählen, und was die regionale Politik angeht, die potentiellen Vizes aus den Swing States waren einfach alle zu langweilig. Bliebe Mark Rubio; mit dem hätte Romney allerdings in Florida zulegen können, der wichtigste Swing State, als auch bei den Hispanics. Aber Romney hat sich anders entschieden.

Das Problem ist bloß, dass zwar die Tea-Party-Häuptlinge predigen, dass es das wichtigste sei, den Staatshaushalt zu sanieren, solange das Pentagon nicht angetastet wird. Die Indianer allerdings wollen weder die Rente noch Medicare verlieren, und letztlich sind es die Indianer, die wählen. Und Rentner gibt es in Florida viele. Man kann Amerikanern viel erzählen, aber man kann amerikanischen Rentner nicht erzählen, dass man ihnen die Rente kürzen will, und es macht nix.

Newt Gingrich warf sich auf CNN für Ryan in die Bresche, in seiner üblichen hinterhältigen Art, und versicherte, die Rentner müssten sich nicht beunruhigen, denn niemand über 55 sei betroffen. Wenn das eine Beruhigung sein soll, was bedeutet es dann für die unter 55?

Übrigens: Romney kündigte das ganze auf einem Schlachtschiff an, der U.S.S. Wisconsin. Warum muss ich nur immer an George W. Bush denken? Apropos Schiff, am Montag, dem 20. August, um 19.00 Uhr, lese ich in Hamburg, in Culturhaus SternChance, Schröderstiftstr. 7.  Und am Dienstag, dem 21. August, ebenfalls um 19.00 in Simmern, im Pro-Winzkino, in der  Marktstraße 3. Aus meinem Buch “Tea Party – die Weiße Wut”. Was das Timing angeht, danke, Mitt!

Eva C. Schweitzer: Tea Party, Die Weiße Wut. Was Amerikas Neue Rechte so gefährlich macht. dtv; Januar 2012. 14,90 €

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