Digerati vs. Commentariat

Wenn ich nichts zu tun habe – ok, das ist gelogen, wenn ich eine Menge zu tun habe, aber keine Lust, trudele ich auf Facebook herum. Dabei bin ich gestern in einen Flakkrieg zwischen einem “mob of commentariat piranhas” und den Verteidigern von Occupy Wall Street geraten. Es fing an, als Dough Henwood. ein New Yorker Altlinker, Autor des Left Business Observer und Mitarbeiter der Nation (die amerikanische Linke ist im großen und ganzen auf dem Niveau der DKP, bloß kleiner), seine Facebook-Freunde fragte, ob sie eventuell erraten könnten, welcher “sehr junge, anarchistische Pseudo-Prominente” 5000 Dollar plus Spesen für einen Auftritt verlange. Keiner erriet es, es stellte sich heraus, Henwood meinte einen gewissen Malcolm Harris, einer der selbsternannten Sprecher von Occupy Wall Street und Wächter über den wahren Weg vorwärts.

https://groups.google.com/forum/?fromgroups=#!topic/outreach-occupy-redlands/Sy5wpXW6mi4

Ich habe von dem jungen Mann (er soll 22 sein) nie gehört, alle anderen aber offenbar schon; jedenfalls schaukelte sich das zu einem virtuellen Teeren-und-Federn mit fast 200 Kommentaren auf. Ich selber finde sowas in der amerikanischen Celebrity-Kultur nur folgerichtig, aber fürs Image ist das natürlich nicht so hübsch, zumindest, wenn man sich als Robin Hood der “young digerati” inszeniert. Anyway, nun wissen wir, wofür Facebook wirklich da ist: Klatsch und Tratsch. Die Begriffe “young digerati” und “mob of commentariat piranhas” sind natürlich bereits in meinen Wortschatz gewandert, ich bin sicher, ich kann damit in den nächsten Wochen noch den ein oder anderen abwatschen.

Eva C. Schweitzer: Tea Party, Die Weiße Wut. Was Amerikas Neue Rechte so gefährlich macht. dtv; Januar 2012. 14,90 €

 

 

 

 

 

1 Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

CAPTCHA-Bild

*

  1. Ich habe nie Zeit fuer “Nation” aber Moyers interviewed Van Heuvel (?) die editoress – on PBS TV – und ich war wirklich beeindruckt von ihren klaren Denken und nuechterner Orientierung. I usually swing the “commentar” hatchet in “Foreign Policy” – welches ein Gemisch von “superficialities” und gleichzeitig “first line expert insights” bietet. Ich bin gerade dabei einen geopolitischen Feldzug gegen den deutschen geopolitischen und geostrategischen Einfluss in Suedamerika zu ermutigen. Suedamerika hat keine “Verteidigunsstrategie” – sondern – entsprechend uebersetzt: Abscheckungskapazitaet, oder Abweisungskapazitaet. Also – mit Ausnahme der deutschen Wirtschaft – sollte alles “deutsche” – “abgewiesen” werden… Keep South America beautiful!