Julchen und die böse Contentindustrie

Ja, die Piraten … also, dass Julia Schramm lieber die 100,000 Flocken Vorschuss nimmt, statt hehre Ideale hochzuhalten und ihr Buch zum kostenlosen Download anzubieten, versteh ich vollkommen. Ich habe schon Politprofis für ein Zehntel dieser Sume umknicken sehen. Was aber wirklich komisch ist, sind die Leutchen, die sie verteidigen. Man sollte meinen, ein klarer Fall von erwischten Rollgriff in den Plätzchentopf, aber nein, der Begriff Right or Wrong My People gilt offenbar auch für die Digerati, i. e. die Bewohner des Internets.

- Was hätte die arme Frau denn tun sollen? So stands doch in Ihrem Vertrag!
Den Vertrag hat sie selber unterschrieben. Ich glaube nicht, dass Random House ihr eine Pistole an den Kopf gehalten hat. Alternativ hätte sie das Buch auch als kostenfreies PDF ins Netz stellen können. Da muss sie halt mit den Vorschuss ein bisserl runtergehen.

- Sie muss doch von irgendwas leben. Sie braucht das Geld für Miete und Essen.
Nee, mach Sachen, tut sie das? Gips kein Bafög mehr?  Willkommen in der wirklichen Welt. So geht es übrigens hunderttausenden von Autoren, Lektoren, Musikern, die brauchen auch Geld für Miete und Essen. Deswegen mag das keiner so gerne, wenn seine Sachen geklaut werden.

- Wenn es das BGE gäbe, hätte sie das nicht nötig.
Der Fall ist echt ein Beispiel, das BGE nicht zu wollen. Warum soll ich von meinen Steuergeldern diese Dummtusse finanzieren? Sie kann doch auch T-Shirts mit ihrem Konterfei verkaufen, die gehen bestimmt weg wie warme Semmeln. Übrigens, warum braucht sie das BGE? Wie wäre es, wenn Parteifunktionäre von den Abgeordnetendiäten bezahlt werden, so wie bei den anderen Parteien auch?

- Sie hat gar nicht gesagt, dass sie das “Urheberrecht ekelhaft” findet, sondern bloß, dass sie den Begriff des geistigen Eigentums  ekelhaft findet. Da muss man differenzieren.
Mag sein. Das ist so ähnlich, wenn die Verteidiger von Roman Polanski behaupten, dass er seinen Schwanz in den Hintern des Mädchens gesteckt hat, also ist es keine richtige Vergewaltigung. Oder wenn Günter Grass sagt, er war zwar bei der Waffen SS, hat aber nicht geschossen. Oder wenn Thilo Sarrazin sagt, er hat nichts gegen Türken, er will nur, dass die alle Abitur machen. Oder wenn Gutti Guttenberg sagt, er hat seine Doktorarbeit nicht abgeschrieben, weil, das war er nicht selber, sondern einer seiner Mitarbeiter. Oder wenn Mitt Romney sagt, mit  den 47 Prozent der amerikanischen Sozialschmarotzer habe er die nur ermutigen wollen, mehr Geld zu verdienen. Manchmal ist so viel Differenzierung gar nicht gut.

- Sie hat doch niemanden abgemahnt, und sie hat auch gesagt, sie will nicht, dass Downloader wie Mörder behandelt werden.
Sowas geht in Amerika auch gar nicht (wo die Dropbox steht). Wer behandelt eigentlich Downloader wie Mörder? Ich glaube, niemand. Das fällt in die Rubrik, “einen Popanz aufbauen und abfackeln”.

- Die Piraten wollen nur das Recht auf Privatkopie, nicht das auf eine gewerbliche Kopie.
Ihr Buch war als kostenfreie Privatkopie bei Dropbox erhältlich. Das war nicht gewerblich.

- Sie hat das Buch als Privatperson geschrieben, nicht als Piratin. Da kann sie machen, was sie will.
Und deswegen wird das Buch mit ihrer Funktion bei den Piraten vom Verlag beworben? Glaubt irgendwer im Ernst, eine Privatperson hätte so einen Vertrag bekommen? Außerdem, wenn sich Sarah Wagenknecht als Privatperson ein Hakenkreuz auf den Hintern tätowieren lassen würde, fände das die Partei bestimmt auch nicht so lustig.

- Das Ganze ist eine Intrige von Bertelsmann (denen ihr Verlag gehört), um Propaganda für die Verteidigung des Urheberrechts zu machen.
Na, was denn nun, hat sie nix falsch gemacht, oder ist das eine finster eingefädelte Intrige von hinten durch die Brust ins Auge von der bösen Contentindustrie? Beides geht nicht.

Kommentare (2)

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  1. Persönlich sehe ich ja schon das Autorengehalt als Pro zur Theorie.
    Das es eine geplante Aktion gegen die Piraten war.

    Mal ehrlich 100.000 für eine Daher gelaufene ohne irgendwelche Relevanz?
    Dazu noch nen Ghostwriter.
    Das Geld war so festgelegt das sie nicht nein sagen konnte.

    Und wenn man das mal Logisch betrachtet, waren die Piraten für die Regierung nach ihren Durchschlagenden Erfolg ja doch für die nächste Wahl ein Risiko.
    Denn die Piraten im Bundestag selbst mit nur 6-7% währen schon ein Ordentliches Ärgernis.
    Und wie bekämpft man den “Feind” möglichst unter dem Radar.
    Genau so wie man es bisher gerne gemacht hat über den Leumund.

    Und letztendlich die Schwachstellen sind doch menschlich.
    Geldgier, kleine Gefälligkeiten unter Freunden das findet man nun mal in jeder Menschengruppe.

    Und die Piraten sind über das Seil gestolpert was man ihnen hingehalten hat.
    Die Chance auf den Bundestag sind doch ehrlich gesagt von 40-60% auf NULL gefallen.
    Und wenn ich dann die Rasselbande hier Lokal in Dresden sehe, anstatt sich auf die Wahl vorzubereiten haben sie die letzte Woche vor Weihnachten ihre “Vereinsarbeit” nur zum Geschenke aussuchen benutzt.

    ____

    Das Geld war so festgelegt das sie nicht nein sagen konnte.

    Man kann immer nein sagen. Wenn dir die NPD oder der Ku Klux Klan oder Al Qaeda 100,000 Flocken bieten würde, dies oder das zu schreiben, würdest du wahrscheinlich auch Nein sagen. Oder?

  2. Demagogen wo de stehst und gehst. Kann mal einer sachlich? Niggermeier vielleicht.

    —-
    Niggermeier? Na, na, na, ich lass das mal so stehen, aber eigentlich heißt das African-American-Meier