Berliner Medientollhaus

In Berlin läuft gerade ein  Stück aus dem Medientollhaus: Der Tagesspiegel hat einen Volontär namens Mohamed Amjahid eingestellt, der aus Marokko kommt und in Deutschland studiert hat, Politikwissenschaften. Das Studium hat er abgeschlossen, nicht nur das, er spricht sogar sechs Sprachen. Nun würde er gerne in Deutschland bleiben. Als Journalist. Das geht aber nicht, weil er dafür einen Job braucht, und zwar einen, wo er mindestens 47.000 Euro verdient. Im Jahr. Brutto.

Als Volontär verdient man natürlich viel weniger, weshalb sich der Mann nun mit der Ausländerbehörde herumschlägt. Die wendet ein, er hätte mal lieber Ingenieur werden sollen, studierte Journalisten gebe es in Deutschland wie Sand am Meer. Das ist auch tatsächlich richtig, aber wahrscheinlich wollte er gerne Journalist werden und der Tagesspiegel wollte gerade diesen Volontär haben, wegen seines kulturellen Hintergrunds, seiner Fremdsprachenkenntnisse, was auch immer. Bei kreativen Berufen spielt so etwas eine Rolle.

Das sieht die Ausländerbehörde anders. Nach einigen Hin und Her, begleitet von klassischer Berliner Unfreundlichkeit, gab sie ihm aber eine Aufenthaltsgenehmigung von 18 Monaten, mit der Anweisung, danach einen 47.000-Job zu finden. Der Tagesspiegel – der generell für eine lockere Einwanderungspolitik eintritt – ist schwer empört, bietet Mohamed Amjahid Platz in seinen Spalten, um seinen Fall darzustellen, und steht auch sonst hinter ihm.

Juristisch ist die Behörde im Recht, aber in der Praxis macht das Ganze natürlich wenig Sinn; der Mann ist qualifiziert, und wenn der Tagesspiegel ihn unbedingt haben will, warum nicht? Aber hier ist eine Lösung für das Problem: Wie wäre es, wenn der Tagesspiegel den Mann ganz einfach, nach einem verkürzten Volontariat von 18 Monaten, EINSTELLT? Und zwar für 47.000 Eier im Jahr?

Die Idee ist so abwegig und verrückt, das noch niemand draufgekommen ist, aber ziemlich genau so würden solche Probleme im vielgelobten Silicon Valley gelöst: Mit Geld. Und zwar dem eigenen. In Deutschland hingegen beschwert sich der Arbeitgeber öffentlich, dass er keine Gesetze biegen darf, um Lohndumping zu betreiben, und steht auch noch als der „good guy“ dar.

Übrigens, das Tarifgehalt im ersten Berufsjahr liegt bei 41.955,- €, es ist also nicht so, dass der Tagesspiegel sich daran kolossal übernimmt, insbesondere verglichen damit, was dort sonst so für außertariflich bezahlte Berater ausgegeben wird (fragt mich gerne nach Details). Und man muss auch nicht die Leser behelligen.

 

 

 

1 Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

  1. Habe selber in den letzten Jahren nur gute Erfahrungen mit Ämtern gemacht hier in Kiel.

    Liegt das jetzt an der Stadt oder meinem deutschen Personalausweis?