Der lange Schatten von 9-11

Jedes Jahr wird der amerikanischen Opfer des 11. September gedacht. An Ground Zero werden von den Angehörigen die Namen verlesen; es gibt zwischendurch ein paar Schweigeminuten, und die Veranstaltung wird life im Fernsehen übertragen. Auf sämtlichen terrestrischen Kanälen. Sie ersetzen die Morgennachrichten, was nicht weiter schade ist, denn die sind zu einem Gemisch aus Schönheitstipps, Reklame und Celebritiyreport verkommen. Das Ganze wirkt sehr ritualisiert. Das Ground Zero Gelände wurde inzwischen zu einer glänzenden, funklenden Gedenklandschaft gestaltet, wie eine Filmkulisse, aber an diesem Tag für den falschen Film.

9-11 hat die Weichen für eine Politik gestellt, die zu einer Destabilisierung der halben Welt geführt hat, alles im Namen der beleidigten amerikanischen Seele. Es gibt eine direkte Linie von den Flugzeugen, die in die Twin Towers einschlugen bis zu den Millionen von Flüchtlingen aus Syrien, Irak, Libyen und Afghanistan, die in Deutschland gestrandet sind, und die sich Amerika mit aller Macht vom Hals hält. Der vorläufige Endpunkt ist die Wahl von Donald Trump. Der Präsident, der endlich mal all den bösen Ausländern zeigt, was eine Harke ist.

Die USA sind in alle möglichen Länder im Mittleren Osten entweder einmarschiert oder werfen per Drohne, oder mit Hilfe von Alliierten Bomben ab, wie im Jemen, wo heute tausende von Kindern verhungern, was Amerika nicht interessiert. Viel ist darüber geschrieben worden, über die Bedeutung von Öl, wer vorher was wusste, über PNAC und deren Hoffnung auf ein neues Pearl Harbor, aber der Kern ist, dass der Mittlere Osten sicher für Amerika gemacht werden soll und, nebenbei, sicher für Israel, den unsinkbaren Flugzeugträger der USA. Gelingt das? Steckt überhaupt ein Plan dahinter, oder hat das inzwischen Fliehkräfte entfesselt, die nun die USA zerreißen? Das werden wir erst später wissen. Aber es kann gut sein, dass auch Europa in Mitleidenschaft gezogen wird, absichtlich oder unabsichtlich.

 

Mehr dazu in:

Europa im Visier der USA. Das Ende der transatlantischen Freundschaft? Eva C. Schweitzer. Berolina, 192 Seiten, 14.99 €. Erscheint am 4. Oktober 2017.

https://www.buchredaktion.de/produkt/europa-im-visier-der-usa-1936841

Trump Party. Der weiße Wahn. Wie Amerikas Neue Rechte nach der Macht greift. Eva C. Schweitzer. Manahatta, 288 Seiten, 12.00 €.

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*