Der große böse Facebook-Wolf

In Deutschland steht der große böse Wolf in Form der AfD vor der Tür. Jetzt schwärmen ein paar Leute auf Facebook aus, um zu überprüfen, ob einer ihrer Freunde nicht vielleicht die AfD oder eine ihr nahestehende Publikation gelikt hat. Es scheint sich hier um ein klassisches deutsches Missverständnis zu handeln; „Liken“ ist nicht mögen; damit steuert man vielmehr den FB-Algorhythmus,  der einem Infos präsentiert. Das ist genauso, wenn der Kellner in einem amerikanischen Restaurant fragt, „how are you?“. Der will auch nicht wissen, ob man Streit mit der Schwiegermutter hatte und ob das Bein wehtut, sondern ein Glas Wein verkaufen. Aber das nur am Rande.

Ich selber interessiere mich begrenzt für deutsche Politik, aber ich habe ein paar Trump-Websites gelikt, die New York Post, 911-Verschwörer, Likud-Eiferer und Bernistas, ich habe FB-Freunde, die Trump klasse finden und vermutlich auch welche, die AfD wählen. Neulich habe ich eine dieser Antideutschen-Seiten gelikt. Würde ich Popcorn kauend zugucken, wenn die U.S. Airforce aus Versehen deren Hauptquartier in der realen Welt plättet? Natürlich, aber trotzdem kann ich deren FB-Seite liken, weil das mein Medium ist, Kontakt zur weiten Welt zu halten und weil ich überblicken möchte, was in der Welt so vor sich geht. Deshalb geht mir diese Gesinnungsschnüffelei a la Stasi 2.0 schwer auf den Keks.

Meine Informationsbeschaffung geht deutsche Schrebergartenpfleger — und das machen wirklich nur Deutsche, keine Amerikaner — einen feuchten Kehricht an. Ich würde mir nicht einmal von guten Freunden vorschreiben lassen, was ich im Internet treibe. Wenn mir Leute, die ich im echten Leben allenfalls bei Großveranstaltungen von weiten sehe, erzählen möchten, wen ich auf FB liken darf und wen nicht, fuggedaboudid. Wenn ich meine Putzfrau bitte, im Urlaub die Post aus dem Kasten zu holen, höre ich mir ja auch kein Gemecker an, welche Zeitungen ich abonniert habe. Und neue FB-Freunde sind sehr viel einfacher zu finden als gute Putzfrauen.

Was die AfD angeht, keine Sorge, verglichen mit Trump sind die ziemlich harmlos. Macht euch lieber mal Gedanken, ob 16 Jahre der gleiche Kanzler so gesund für die Demokratie ist.

 

Demnächst im Buchladen:

Europa im Visier der USA. Das Ende der transatlantischen Freundschaft? Eva C. Schweitzer. Berolina, 192 Seiten, 14.99 €. Erscheint am 4. Oktober 2017.

https://www.buchredaktion.de/produkt/europa-im-visier-der-usa-1936841

Trump Party. Der weiße Wahn. Wie Amerikas Neue Rechte nach der Macht greift. Eva C. Schweitzer. Manahatta, 288 Seiten, 12.00 €.

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