Thüringer Dramolett geht in die nächste Runde — to Weichei or not to Weichei

Das Dramolett um den Holocaust-Instrumentalisierungskünstler Philipp Ruch geht weiter. Ruch, ein in Dresden geborener Berufsaktionist mt Schweizer Pass, hatte vor dem Haus des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke eine eingedampfte Nachbildung des Berliner Holocaust-Memorials aus Pappmaché aufgebaut. Nun hat er, nach telefonischen Morddrohungen, den Zugang geschlossen und beschwert sich, dass die Polizei ihm nicht hilft.

Mein lieber Scholli, das sind mir schöne antifaschistische Widerstandskämpfer! Als ich jung war, haben wir keinen Polizeischutz gefordert, um das Maul vollnehmen zu dürfen. Irgendwie fühlt man sich an das Lenin-Wort erinnert, dass die Deutschen erst mal eine Bahnsteigkarte kaufen, wenn sie protestieren. Oder aber, vielleicht ist Protest einfach nix für weiße Schweizer Bürgerkinder.

Aber nicht verzagen, hier sind ein paar Ideen, wie man die Pappmache-Putzigerei für weitere Publicity melken könnte. Als erstes könnte das Ding bepinselt werden. Was ist die Farbe von #metoo, rosa? Oder die Regenbogenfarben mit einem Transgenderbalken? Die Puertoricanische Flagge aus Solidarität mit den Opfern der Globalen Erwärmung? Eine gigantische israelische Flagge in den Schweizer Landesfarben? Dann könnte auch Ruch selber vor einer Schweizer Bank auf die Knie fallen und Abbitte leisten, ich glaube, da steht auch noch ein bisserl was aus.

Oder man macht aus der Aktion ein bundesweites Happening mit Gästen. Es ging ja um Immigration; vielleicht könnte man einen prominenten Immigranten bitten, auf die Klötze zu klettern (falls die Pappmaché hält) und eine Rede zu halten. Oder zu singen. Wie wär’s mit Bushido? Al Wei Wei? Maxim Biller? Helene Fischer? Und ich bin sicher, wir aus New York könnten von Occupy Wall Street oder Black Lives Matter noch einen Aktivisten abstellen, wenn das Zentrum für Politische Schönheit den Flug bezahlt. Und das sind nicht solche Weicheier. Und wenn alles nix hilft, schicken wir Eric Trump!

 

Europa im Visier der USA. Das Ende der transatlantischen Freundschaft? Eva C. Schweitzer. Berolina, 192 Seiten, 14.99 €. Erschienen im Oktober 2017.

https://www.buchredaktion.de/produkt/europa-im-visier-der-usa-1936841

Außerdem, frisch aktualisiert:
Trump Party. Der weiße Wahn. Wie Amerikas Neue Rechte nach der Macht greift. Eva C. Schweitzer. Manahatta, 288 Seiten, 12.00 €.

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