vonEva C. Schweitzer 26.02.2018

Manhattan Media

Eva C. Schweitzer, Buchautorin, Journalistin und Verlegerin, über Amerika und über die Leute, die über Amerika schreiben.

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Hell’s Kitchen war einmal irisches Gangland, aber das ist lange her. Dort, wo einst sich die irischen Westies Bandenkriege mit der italienischen Mafia lieferten und die Handwerker auf den Großbaustellen um Schutzgelder erpressten, bauen heute chinesische Developer hohe Hochhäuser mit Blick auf die alten Passagierkais, wo noch die Intrepid vor Anker liegt, und, wenn sie aus Southhampton kommt, die Queen Mary 2. In Hell’s Kitchen gibt es aber noch ein irisches Kulturzentrum, nahe der Eleventh Avenue. Dort war ich letzte Woche, zur Vorstellung von zwei neuen CDs mit irischen Musik. Aus Irland. Dublin. Elektronische Musik aus Irland; von dem Label Heresy. A Map of the Kingdom of Ireland und Heresy, die elektronische Oper. Es waren auch mehrere Musiker und Freunde der Musiker aus Dublin gekommen und wir alle hatten eine gute Zeit.

Es war dieser eine Wochentag, am dem es beinahe 20 Grad hatte. Draußen zwitscherten die Vögel, drinnen spielte irische Musik und es gab Wein. Und Whiskey. Und überhaupt viel zu trinken. Und Roastbeef. In Hell’s Kitchen wohnten früher irische Seeleute, die an den Docks arbeiteten und irische Näherinnen, die die Broadwaytheater ausstaffierten. Holy Cross, die katholische Kirche an der 42nd Street erinnert noch daran,  Mr. Biggs, eine Bar an der Tenth Avenue, die einem früheren Gangboss gehörte und Rudy’s Bar an der Ninth Avenue. Es gab mal einen jungen Mann in Hell’s Kitchen, der mit ein Buch über die Gangs geschenkt hat, bevor er New York verließ, aber irgendwie ging das Buch verloren oder vielleicht habe ich auch es in der Wohnung liegengelassen; also, mehr kann ich über die Gangs deshalb leider nicht erzählen.

Jedesmal, wenn ich durch Hell’s Kitchen laufe, ist wieder ein Stück altes New York verschwunden, ein Laden, eine Bar, und irgendwo steht ein neues Hochhaus. Manchmal weiß ich nicht einmal mehr, was hinter dem nun leeren Schaufenster ist. Rudy’s und Mr. Biggs gibt es noch, aber wer weiß, für wie lange. Aber immerhin, es gibt jetzt wieder neue irische Musik von Heresy.

 

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