vonEva C. Schweitzer 15.07.2019

Manhattan Media

Eva C. Schweitzer, Buchautorin, Journalistin und Verlegerin, über Amerika und über die Leute, die über Amerika schreiben.

Mehr über diesen Blog

Ich bin inzwischen in Marbach bestens integriert; ich habe ein Rabattmarkenheft von Rewe, wo ich alle zwei Tage Maultaschen oder Weißwürste kaufe, habe einen Stammfriseur und eine Stammdrogerie (es gibt hier nur eine), bei der ich mich mit Putzmitteln eingedeckt habe, eine ungefähre Ahnung, wie das Recycling funktioniert (der Müll wird nach „flach“ und „rund“ sortiert), und sage freundlich „Grüß Gott“ zu allen, die ich auf der Straße sehe. Mit etwas Glück werden meine Bücher — also die von Berlinica — demnächst auch in Marbach käuflich zu erwerben sein, und zwar in der Buchhandlung Taube am oberen Tor-Turm, gleich neben dem Haus, in dem Schillers Urgroßeltern (oder waren es seine Ur-Ur-Großeltern?) gelebt haben. Es gibt auch eine Weinstube, die Schillers Mutter gehörte. Die Schilleria, übrigens, da muss ich mich gleich korrigieren, ist keine Eisdiele, sondern ein Möbelladen, der Bücher verkauft.

Am Wochenende fing der Marbach Beach an; Sand wurde an der Stadtmauer aufgeschüttet und es gab Caipirinhas. Eigentlich soll der Marbach Beach ein paar Wochen dauern, aber heute war zu. Aber keine Sorge, hier gibt es auch so genug Unterhaltung. Im Literaturmuseum der Moderne geben sich Autoren aus Berlin die Klinke in die Hand. Vor ein paar Tagen war Thomas Kapielski da, früher taz, heute freier Autor. Da man vom Schreiben aber nicht leben könne (wem sagst du das, lieber Thomas!), hat sich Kapielski nebenbei der Modernen Kunst verschrieben, und brachte es zu dermaßenem Erfolg, dass er seinen eigenen Kühlschrank in einer Londoner Galerie ausstellen konnte und zwar mit einem Innenlicht versehen, das anging, wenn man den Kühlschrank zumachte. Ich vermute mal, er war auch innen größer als außen.

Ich selber habe ein paar interessante Endeckungen im Literaturarchiv gemacht und bin gerade dabei, einen kleinen Tucholsky-Stammbaum aufzubauen. Vorher war ich zur Recherche in Harvard; also, hier ist alles ein bisschen relaxter, in Harvard hat mir der Archivar verboten, den Finger anzulecken, bevor ich Papiere umdrehe. Allerdings wohl mit Recht. Morgen werde ich versuchen, einen Weg zum Neckar zu finden, aber erst, nachdem das Archiv geschlossen hat. Ich bin schließlich nicht zum Spaß hier.

Bücher von Eva C. Schweitzer auf Amazon

Berlinica Blog

Eva C. Schweitzer auf Facebook

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/newyorkblog/2019/07/15/stille-tage-in-marbach-ii/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.