vonEva C. Schweitzer 17.07.2019

Manhattan Media

Eva C. Schweitzer, Buchautorin, Journalistin und Verlegerin, über Amerika und über die Leute, die über Amerika schreiben.

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Die Tucholsky-Forschung in Marbach lässt sich gut an, aber am Wochenende ist das Archiv geschlossen, und so war ich in Stuttgart. Mit der S-Bahn, die hier nicht nur funktioniert, sondern sogar funktionierendes WLan hat. Stuttgart, für die, die es nicht kennen, ist die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg; es hat viele Kunst- und Kulturgebäude, das bemerkenswerteste aber ist ein gewaltiger Krater direkt vor dem Hauptbahnhof, von einer Größe, als sei dort ein Raumschiff abgestürzt. Die Stuttgarter haben den Krater mit einem breiten provisorischen Laufweg aus Holzlatten überbrückt, so dass die Reisende von den Bahngleisen zu den S-Bahngleisen kommt, und das dauert auch nur eine Viertelstunde, aber trotzdem. Ich war in diesem Jahr schon dreimal am Stuttgarter Hauptbahnhof, niemals sieht man jemanden arbeiten, aber vielleicht sind die auch noch damit beschäftigt, die Außerirdischen zu bergen.

In Stuttgart war ich im Literaturhaus, da war der „Sommermarkt der Unabhängigen Verlage“, also viele kleine und mittlere Verlage („unabhängige Verlage“ bedeutet, unabhängig von Bertelsmann und Holtzbrinck). Darunter war auch der Elfenbein-Verlag des verehrten, einst aus dem Ländle geflüchteten Kollegen Ingo Držečnik. Sein Autor Tobias Schwartz las aus seinem Roman Nordwestwärts, eine Flüchtlingsgeschichte um seine Familie. Ich knipste auftragsgemäß ein Foto und zog dann weiter nach Schorndorf. Dazu später mehr.

Zurück in Marbach, ist das Projekt, „Wie bekomme ich das Cafe dazu, Hanuta nach 13.30 Uhr zu verkaufen“, auf gutem Wege; in einer unrepräsentativen Umfrage habe ich zunächst einmal festgestellt, dass dies eine breite Unterstützung in der Studentenschaft hat. Auch Schiller wäre sicher dafür. Zu meinen Mitstudenten zählen übrigens viele Amerikaner, nicht wirklich Studenten natürlich, sondern meistenteils Professoren; Marbach ist ja für Fortgeschrittene. Es gibt sogar einen Freundeskreis für Marbach in Amerika. Morgen höre ich einen Vortrag von einem Germanistikprofessor aus Carbondale, Illinois, eine Stadt, wo ich einmal mitten in der Nacht auf dem Bahnhof umgestiegen bin, auf dem Weg von Memphis nach St. Louis. Oder wurde nur der Wagen umgekoppelt? Jedenfalls, einen Krater vor dem Bahnhof haben die in Carbondale nicht.

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