vonEva C. Schweitzer 12.10.2019

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Eva C. Schweitzer, Buchautorin, Journalistin und Verlegerin, über Amerika und über die Leute, die über Amerika schreiben.

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Paris gilt als die Stadt der Liebe, obwohl, offengestanden, „Stadt der Hektik“ besser passen würde, insbesondere, wenn man aus dem verschlafenen Berlin kommt. Paris hat auch eine Bürgermeisterin, die ein bisschen besser auf Zack ist als Müller in Berlin; jedenfalls lässt sie  — erzählt mir mein Wohni — die überall wild abgestellten grünen Roller einfach einsammeln und verschrotten. Überhaupt sieht es in Paris deutlich ordentlicher aus als in Berlin; okay, kein großes Kunststück, das gilt eigentlich für jede Stadt, wo ich in den letzten Jahren war, außer für New Orleans, natürlich.

Paris ist aber auch die Stadt der großen Prachtbahnhöfe; Gare du Lyon — wo ich mit dem TGV ankomme —  Gare d’Austerlitz, benannt nach Napoleons großem Sieg, Gare Saint-Lazare, in dessen Nähe Kurt Tucholsky gewohnt hat, Gare du Nord, wo der Zug nach Brüssel abfährt und Gare de l’Est, wo die Züge nach Deutschland warten, wo ich eigentlich hin will. Ich habe aber keine Reservierung nach Deutschland, weil es im Computer des Bahnhofs von St. Charles keine gab, jedenfalls nicht für Interrailer.

Weil es aber in Paris regnet, und ich auch nicht in Brüssel übernachten will, marschiere ich einfach zum Gare de l’Est wie Napoleon auf Austerlitz (Austerlitz ist, ich wie eigens für euch nachgeschlagen habe, eine Kleinstadt nahe dem tschechischen Brünn). Tatsächlich gibt es massenhaft Züge gen Osten, darunter ein ICE — ja, auch der ICE fährt zwischen Frankreich und Deutschland, nicht nur der TGV — nach Straßburg. Dort hält der ICE auch das erste Mal, und danach ist er nicht mehr reservierungspflichtig. So denke ich mir, selbst wenn ich keinen Sitzplatz finde, die werden schon nicht mitten auf der Strecke halten und mich in der Pampas absetzen.

Nicht nur finde ich einen Platz, es gibt dutzende von freien Plätzen im Zug. Funktionieren die Computer der SNCF nicht richtig, oder wird für uns proletarische Interrailer nur ein winziges Deputat reserviert? Jedenfalls, ich zahle die Reservierungsgebühr problemlos nach, sogar ohne Aufschlag, und sieben Stunden später bin ich in Berlin.

Nächste Woche: Mit Interrail nach Den Haag und Amsterdam.

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