vonEva C. Schweitzer 17.10.2019

Manhattan Media

Eva C. Schweitzer, Buchautorin, Journalistin und Verlegerin, über Amerika und über die Leute, die über Amerika schreiben.

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Die Frankfurter Buchmesse ist, anders als die Leipziger, eine Industriemesse, wo sich Verleger und Agenten treffen, aber gelesen wird trotzdem, vor allen aus den „großen“ Büchern, den potentiellen Bestsellern. Eine Handvoll bekannte und sehr bekannte Autoren treten ein paarmal, über die Tage verteilt, auf und werden vor Publikum interviewt, meistens von ebenso bekannten Journalisten.

Zufällig kam ich am Stand der Süddeutschen vorbei, wo der frühere Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert von Franziska Augstein interviewt wurde. Es ging um sein neues Buch Identiziert Euch. Warum wir ein neues Heimatgefühl brauchen, das bei Piper erschienen ist. Wickert trug einiges aus dem Buch vor, das klang alles sehr interessant, vor allem, wie er das Heimatgefühl der Deutschen mit dem der Franzosen verglich. Was mir aber auffiel war, wie unfassbar dämlich die Fragen von Augstein waren. Sie klang wie eine 15-jährige, die noch nie von zuhause weggewesen war. Ja, keine Ahnung, was es ist, Deutsche zu sein, bin ich nicht irgendwie erstmal Bochumerin, dann Fussballfan, und dann, ich weiß nicht, Spaghettikocherin? Klar, man muss nicht unbedingt darüber nachgedacht haben, was deutsche Identität ist, aber dann moderiere ich halt nicht so eine Veranstaltung.

Ich vermute mal, sie hält sich selber für nachdenklich und differenziert. Dabei repräsentiert Augstein die Generation der globalisierten Deutschen, die keine Ahnung haben, wer sie sind und woher sie kommen, den Rest der Welt aber belehren will, wo es langgeht. Ich war mir nicht nicht einmal sicher, ist die wirklich so oder stellt sie sich dumm, um den mutmaßlichen Erwartungen ihres Publikums gerecht zu werden? Das Publikum, jedenfalls, nickte bei Wickerts Antworten und nicht bei ihren Fragen, das beruhigte mich ein bisschen. Jedenfalls, um die Frage zu beantworten, was ist typisch deutsch: Du, Franziska.

Heute geht es weiter; am Abend trifft sich eine internationale Frauenrunde, die über das Klima diskutiert und die einzufliegen vermutlich einen CO2-Abdruck hinterlassen hat, in dem zehn Eisbären ertrinken können. Aber Hauptsache, wir haben darüber geredet.

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