vonEva C. Schweitzer 04.12.2019

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Eva C. Schweitzer, Buchautorin, Journalistin und Verlegerin, über Amerika und über die Leute, die über Amerika schreiben.

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Es fing damit an, dass Amazon.com Weihnachtsornamente anbot, auf denen das Tor von Auschwitz abgebildet war. Und nicht nur Weihnachtsbaumkugeln; auch Mousepads und Flaschenöffner.  Von einem polnischen Großhändler, der auch das Warschauer Schloss im Angebot hatte. Der Internetriese reagierte erst, als sich das Auschwitz Memorial Museum per Tweet bemerkte und sperrte die Produkte.

Kaum war das vorbei, trat Russland mit dem Eiskunstläufer Anton Shulepov an, der ein Kostüm trug, das halb jüdischer KZ-Insasse und halb Nazi war.  Selbstredend skatete er zu der Musik von Schindlers Liste. Ich entsinne mich an diesen britischen Semi-Adligen, der Sex hatte, indem er sich von einer als KZ-Wärterin verkleideten Dame den nackten Hintern verklopfen ließ (keine Garantie, ob alle Details richtig sind). Dem Mann kann man allerdings zugute halten, dass er dies in der Privatheit seines Schlosses tat (oder war es eine Villa?), und nicht vor Fernsehkameras für ein paar hundert Millionen Menschen.

Dann gab es diesen britischen Extinction-Rebellen, der die Klimakrise für einen neuen Holocaust hält. Aber das kann Deutschland alles locker überbieten. Das Zentrum für Politische Schönheit, geleitet von Dr. Philipp Ruch, ein Deutsch-Schweizer mit der Sensibilität eines Wehrmachtspanzers und der Chuzpa von Jeff Bezos, hat vor dem Reichstag eine 2,5 Meter hohe Gedenk- und Widerstandssäule aus Edelstahl aufgestellt, gefüllt mit Asche und Knochenresten von in KZs Ermordeten (angeblich). Das Ganze ist verbunden mit einer Webseite, wo  T-Shirts, Postkarten, Poster und Bücher von Herrn Ruch beworben werden, damit Spenden fließen.

Es gibt sogar Schwurwürfel, in die ein bisschen Asche eingelassen ist  (angeblich) — da kann die katholische Kirche mit ihren Reliquien nicht mithalten. Nur die naheliegende Frage hat noch niemand gestellt: Hat Ruch schon versucht, die Würfel bei Amazon anzubieten? Am besten in Kombination mit seinen Büchern …. wenn Sie das gekauft haben, dann könnte Sie auch das interessieren….  Übrigens wurde kurz zuvor Hitlers Zylinder für 50.000 Euro versteigert, also, da kann das Zentrum noch was von lernen.

Auch in Amerika hatten wir mal Knochenreste von Indianern in Museen ausgestellt, aber das war im 19. Jahrhundert. Heutzutage werden die entweder zurückgegeben oder unauffällig ins Archiv verschubt. Apropos Amerika, natürlich hat die Nachricht von der Aktion inzwischen auch uns erreicht; das Internationale Auschwitz Committee erregte sich darüber in der New York Times.  Was mich betrifft, wenn mich in New York jemand  darauf anspricht, sag‘ ich, was ich immer sage; Ich bin Österreicher, wir haben mit der ganzen Sache nichts zu tun.

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