vonEva C. Schweitzer 23.12.2019

Manhattan Media

Eva C. Schweitzer, Buchautorin, Journalistin und Verlegerin, über Amerika und über die Leute, die über Amerika schreiben.

Mehr über diesen Blog

Unser West-Berlin! Das Buch zur Insel, lange in der Planung, ist nun endlich, tatsächlich fertig; nicht nur fertig, wir haben es drucken lassen, ausgeliefert, es liegt in Buchhandlungen, und wir hatten eine wunderbare Vorstellung im Buchhändlerkeller in Charlottenburg, in der Carmerstraße. Von den 21 Autorinnen waren die Hälfte da und es war so voll, dass es ein paar meiner Freunde nicht mehr hineingeschafft haben (sorry, Wulf). Davor, danach und dazwischen gab es Wein, und ich muss sagen, die Gläser wurden sehr großzügig gefüllt!

Hier noch mal ein kurzer Überblick: Gelesen haben Kerstin Schilling („Weihnachten in West-Berlin“), Paul F. Duwe („Die schöne Sigi“), Tanja Dückers („Transit nach Wessiland“), Ulli Kulke („Die Drückeberger-Kolonne“), Andreas Austilat („Abenteuer im Plänterwald“), der eigens aus Köln angereist Ingo Lamberty („Fickzimmer und Badewanne“), Michael Sontheimer („Otto Schwanz und der Bausumpf“), Martina Schrey („Kubat im Niemandsland“), Uwe Rada („Inselzeit“). Zum Schluss hat meine Wenigkeit aus einem Text von Thomas Rogalla vorgelesen; dem viel zu früh verstorbenen Lokalchef der taz, es ging um eine Prognos-Studie aus dem Jahr 1988, die das Leben in der Mauerstadt im Jahr 2000 prognostozierte; na, lasst uns sagen, Voraussagen sind immer schwer zu machen, wenn sie die Zukunft betreffen.

Als Überraschungsgast gab der legendäre Gerhard Seyfried, der Zeichner des Covers, Autogramme. Und hier noch ein Stückchen aus Kerstin Schillings Weihnachtsgeschichte:

„Die Geschenke der westdeutschen Eltern trafen allerdings nicht immer auf die gewünschte Resonanz. Dies lag vor allem daran, dass der Bezug zur Mauerstadt bei dieser Generation in Westdeutschland verloren war. Für sie lag West-Berlin kurz vor der Sowjetunion, ihre Vorstellungen waren geprägt von der Luftbrücke, den Subventionen und den Berichten der Springer-Presse. Es war aus ihrer Perspektive nicht einzusehen, dass dieser Moloch begünstigt wurde. Diese Eltern waren keineswegs glücklich, dass ihre Kinder sich nach West-Berlin in unsichere Gefilde begeben hatten, deren Auswirkungen (Studentenstreiks! Besetzte Häuser! Punks! Russen direkt vor der Tür!) sie vor allem aus den Zeitungen und dem Fernsehen kannten. Wenn die Kinder zurück in die westdeutsche Idylle kamen, wurde versucht, ihnen „behilflich“ zu sein.

Ich erinnere mich an eine Freundin, deren Eltern ein Auto in irgendeiner Lotterie gewonnen hatten (ja, so etwas gab es zu diesen Zeiten). Überglücklich nahmen sie dies zum Anlass für ein außergewöhnliches Weihnachtsgeschenk, denn — so gaben sie auch öffentlich bekannt — ihre Tochter in der Mauerstadt besaß keinen PKW. Zu diesen Zeiten war das, auf dem Land und in der Stadt, komplett unverständlich. Der Wagen traf also, vermutlich auf verschlungenen Wegen, in West-Berlin ein.

Allerdings war die Tochter Profimusikerin und damals erfolgreich damit beschäftigt, alternative Frauenbands aufzubauen. Sie verkaufte das Auto stante pede und erwarb dafür ein hochwertiges Saxophon, womit sie ihre Entwicklung als Musikerin beförderte. Zu Gigs und zu Proben fuhr sie mit dem neuen Instrument weiterhin mit der BVG oder auf dem Fahrrad. Die Eltern zogen sich schockiert zurück. Ich musizierte noch einige Jahre mit ihr und dem neuen Saxophon, bis sich unsere Wege trennten. Sicher hat das Instrument aber länger gehalten als das Auto.“

Der RBB war auf der Veranstaltung und hat sie rezensiert. Das Buch gibt es überall, wo es Bücher gibt (yes, I’m looking at you, KaDeWe). Wer es in im Laden sieht und mir ein Foto schickt, bekommt das auf der Verlagswebseite von Facebook gepostet, und ein Sternchen.

Unser West-Berlin. Lesebuch von der Insel
Hardcover, 224 Seiten
Format: 148 x 22,4 cm
ISBN 1-978-3-96026-012-7
Ladenpreis 20,- € / $20.

Für Buchhändler: Bei der GVA, Libri und KNV

 

Bücher von Eva C. Schweitzer auf Amazon

Berlinica Blog

Eva C. Schweitzer auf Facebook

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/newyorkblog/2019/12/23/unser-west-berlin/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.