06.05.2013 von Eva Schweitzer
Meine Täublein sind tot. Vor ein paar Tagen bekam ich eine Nachricht nach New York, dass die Taubenbabies auf meinen Balkon praktisch unmittelbar nach dem Schlüpfen gefressen wurden. Und zwar von gierigen Krähen. Und Elstern. Mein Ober-Mieter sah die zerschmetterten Reste im Hof, es gibt also ein paar Tauben weniger, und die Tauben sind näher am Aussterben. Es ist nicht einfach, einen Haushalt aus der Ferne in Schuss zu halten.
Auch in Manhattan sterben die Tauben aus. Das liegt daran, dass die von Falken gefressen werden. Die Tauben und die Eichhörnchen. Für einen Großstadtfalken ist das so, als ob gebratene Hähnchen herumliegen würden. Mein Freund Kurt erzählte mir, dass die Stadt trainierte Falken einsetzt, die im Bryant Park Ratten gejagt haben. Das gab aber Ärger mit Passanten, weil die auch kleine Hunde gejagt haben, die wie Ratten aussehen. Die Falken wurden dann wieder abgezogen. Aber Tauben haben offenbar keine Lobby.… weiter lesen
19.04.2013 von Eva Schweitzer
Seit neuestem brütet eine Taube direkt neben meinem Berliner Balkon. Die Taube war auch schon letztes Jahr da; damals wuchs eine dichte grüne Ranke am Balkon entlang. Dort war das Nest. Nun haben wir ewigen Winter, die Ranke ist kahl, die Taube aber erinnerte sich und brütet trotzdem. Im kahlen Gestrüpp. Wo auch sonst, ganz Berlin ist kahl.
Unser Berliner Haus ist eine Art Ökodiktatur; das heißt aber nicht, dass Tauben besonders geschützt würden, ganz im Gegenteil, man erwartet von mir, dass ich die drei frischgelegen Eier im Hof zerschmetterte. Das geht natürlich gar nicht. Jedes Mal, wenn ich aus dem Balkon gucke, guckt mich die brütende Taube an, ein bisschen besorgt, aber doch voll Hoffnung, dass ich ihr nichts tue. Und wirklich, drei angebrütete Eier zu zerschmettern, dafür bin ich zu sehr Weichei.
Pilatusgleich habe ich dem Haus angeboten, es möge doch wer anders die Eier zerschmettern, aber da… weiter lesen
03.03.2013 von Eva Schweitzer
Journalisten glauben insgeheim, sie sind was Besseres als andere Menschen, und um sie dafür zu bestrafen, hat der Liebe Gott die PR-Industrie erfunden. Und weil das nicht ausreichte, hat er sie privatisiert.
Früher war es so, dass Behörden oder Firmen Presseabteilungen hatten, die waren klein und übersichtlich, und mehr oder weniger funktionsfähig. Journalisten, die in einem bestimmten Bereich arbeiteten, kannten die sechs bis acht Pressesprecher, mit denen man Kontakt hielt, man wusste, wer was von seinem Fach verstand und wen man bloß kurz vor Redaktionsschluss anrief, um seinen Hintern zu bedecken, wie die Amerikaner sagen, und das war es.
Heute gibt es tausende von PR-Firmen und freiberufliche PR-Fritzen, die sich zwischen die Journalisten und die, nennen sie wir mal Nachrichtenerzeuger drängeln. Letzteren versprechen sie, Neuigkeiten in die Medien zu bringen (oder Probleme unauffällig zu vertuschen), sei es ein neues Potenzmittel, ein nicht öffnender Flughafen oder eine überarbeitete Zweckentfremdungsverbotsverordnung, und den… weiter lesen
05.02.2013 von Eva Schweitzer
Heute ist der letzte Tag, an dem sich New York von Ed Koch verabschiedet. Koch war 88 Jahre alt, schon lange nicht mehr Bürgermeister, aber immer noch bekannt wie ein bunter Hund. Gestern, zur Beerdigungsfeier im Tempel Emanu El an der Upper East Side, kamen Tausende; Bill Clinton hielt eine Rede, auch Michael Bloomberg und der Botschafter von Israel sprachen. Es war ein echtes Veteranentreffen; Henry Stern war da, Ray Kelly, Peter Vallone, Al D’Amato, Chuck Schumer, Andrew und Mario Cuomo, Eliot Spitzer, Rudy Giuliani und David Dinkins. Nur Donald Trump fehlte. Koch hätte es gefallen.
Heute trifft sich die Familie zur Shiva, der jüdischen Trauerfeier, in der Bürgermeistervilla Gracie Mansion, vor der Schaulustige stehen. Der Grabstein hat Koch schon gekauft, auf dem Trinity-Friedhof am Broadway und 155th Street. Und er hat die letzten Worte von Daniel Pearl auf den Stein setzen lassen, der, ein seltsamer Zufall, ebenfalls am 2. Februar… weiter lesen
01.02.2013 von Eva Schweitzer
Jedes Mal, wenn ich ein paar Wochen nicht an der Ninth Avenue war, hat sich etwas verändert, meist nicht zum Besseren. Diesmal kam ich an mit dem Bus von Newark, der aus dem Lincoln Tunnel auftauchte und die West 42nd Street entlangfuhr. Der Block an der Südseite der Ninth Avenue sah schon ein bisschen bedenklich aus; alle Fenster zugenagelt und auf der Straße die Minitrucks der Stadtverwaltung, die sonst kommen, um Bedbugs zu beseitigen, Bettwanzen.
Am nächsten Tag stellte ich fest; der Block war nicht mit Bedbugs verpestet, sondern mit Asbest, gleichviel; alles war dicht gemacht worden. Auch der Big Apple Supermarket, was recht schade ist, weil das der allerletzte preiswerte Supermarkt an der Ninth Avenue war. Der Einschlag hat den Block traumatisiert hinterlassen. Den Farmers Market daneben gibt es zwar noch, aber überall hängen dort nun trotzige Schilder: Wir bleiben! Wir gehen nirgendwo hin! Garantiert!
Wollen wir es mal… weiter lesen
31.12.2012 von Eva Schweitzer
Grad lese ich im SPIEGEL, dass Tuvia Tenenbom sein neues Buch über Deutschland veröffentlicht hat, I Slept in Hitler’s Room. dass es mit der Publicity aber nicht so richtig klappt. Das ist erstaunlich, nicht nur hat das Buch alle verkaufsfördernden Elemente — Hitler! Nazis! Juden! KZs! Celebrities! Hitlernazis! Gasometer! Autobahn!—es hat zudem eine interessante Backstory, wie der Amerikaner sagt, ein fröhliches Hickhack zwischen Anwälten, Kulturbeauftragten und Verlagsrepräsentanten, wie übrigens eigentlich jede Tuvia-Produktion, wo ich gerade darüber nachdenke. Hier ist eine fast gar nicht übertriebene Geschichte über ein Tuvia-Theaterstück in New York, aus meinem Erzählband Manhattan Moments.
Das Triad Theater liegt an der Upper West Side, an der 72nd Street, östlich von einem dreieckigen Platz am Broadway, der Verdi Square heißt. In You´ve Got Mail finden Meg Ryan und Tom Hanks hier zu einander. An diesem Samstagabend aber hat ein weniger hochkarätig besetztes Theaterstück Premiere, nämlich Kaballah, von Tuvia Tenenbom.
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12.11.2012 von Eva Schweitzer
Die Wahl ist vorbei, nun dürfen wir in deutschen Zeitungen lesen, was die Wahl von Obama für die deutsche Seele bedeutet, übrigens vornehmlich von Kollegen, die Amerika eher aus dem Urlaub kennen, wenn überhaupt. Generell ist an in Deutschland niemanden vorbeigegangen, dass a) Obama gewonnen hat, und b) die große Mehrheit der Deutschen das mit Erleichterung, wenn nicht Begeisterung aufgenommen hat. Hier erstmal ein Hinweis: Nicht nur die große Mehrheit der Deutschen, guckt mal in englische, französische oder kenyanische Zeitungen (falls ihr denn englisch oder französisch versteht). Da hat Obama auch eine solide Zustimmung von 75 bis 95 Prozent.
Weil aber der deutsche Selbstgeißelungspublizist unbedingt eine Made im Kuchen finden muss, ist es natürlich ganz, ganz schlecht, wenn Deutsche über Obama froh sind. Erstens ist das antiamerikanisch, der echte Amerikaner ist nämlich weiß und rotnackig und keinesfalls ein schwarzer muslimischer Sozialist aus Kenya… nein, keine Sorge, so offen dämlich… weiter lesen
08.11.2012 von Eva Schweitzer
Gestern nacht, auf der East 42nd Street in der Kälte des herannahenden neuen Sturmes Nor’easter, nach einer Wahlparty der Republikaner, die am Ende nicht mehr so lustig war, traf ich eine Kollegin. Sie wohnt in Brooklyn. Ich selber lebe in Manhattan, Uptown, der sandyfreien Zone, wir haben Licht, Heizung und Elektrizität, wenngleich es gar nicht so einfach war, dorthin zu gelangen, nach Sandy. Brooklyn; nicht so sehr. Die Kollegin hat keine Heizung, keine Elektrizität, es gebe auch kein Benzin mehr für Autos, Taxis weigerten sich, nach Brooklyn zu fahren, und die U-Bahn fährt so lala und das auch erst seit ein paar Tagen. Immerhin, ihre Kinder wissen nun, wie man illegal Benzin aus Autos saugt (ein Freund aus Rockaway erzählte mir, ein Bus habe ihn neulich nachts um elf in der Wildnis drei Meilen vor seinem Haus abgekippt. Er wurde von der Polizei gerettet). Ansonsten sind die Autotunnel noch… weiter lesen
03.11.2012 von Eva Schweitzer
Zurück in New York – hier ist es wie in einem dieser Filme, wo Hollywood Manhattan zerlegt, Cloverfield, oder Godzilla, oder The Day After Tomorrow. Selbstredend wurde mein Flug von Berlin pünktlich zu Sandy gecancelt; Delta, meine Fluggesellschaft schickte mir ein email, dass sie irgendwie nicht mehr für mich verantwortlich seien, und ich möchte mich doch bitte an KLM wenden, ihr europäischer Partner. KLM buchte mich erst mit Kuwait Air über London, und als das auch gecancelt wurde, mit Lufthansa über Frankfurt. Nach Boston, weil, JFK macht erst heute so langsam auf. Ich schlug mich in Boston zum Busbahnhof durch und stieg dann in den einzigen Chinatownbus, der nicht gecancelt war, nach, richtig, Chinatown (Manhattan).
Chinatown war total, total dunkel, keine Straßenlaternen, kein Licht in den Häusern, keine Leuchtreklamen über den Läden, allerdings an jeder Ecke Bullen, und Taxis. Unseres fuhr dann durch die pechschwarze Lower East Side, und als es die magische… weiter lesen
20.09.2012 von Eva Schweitzer
Ja, die Piraten … also, dass Julia Schramm lieber die 100,000 Flocken Vorschuss nimmt, statt hehre Ideale hochzuhalten und ihr Buch zum kostenlosen Download anzubieten, versteh ich vollkommen. Ich habe schon Politprofis für ein Zehntel dieser Sume umknicken sehen. Was aber wirklich komisch ist, sind die Leutchen, die sie verteidigen. Man sollte meinen, ein klarer Fall von erwischten Rollgriff in den Plätzchentopf, aber nein, der Begriff Right or Wrong My People gilt offenbar auch für die Digerati, i. e. die Bewohner des Internets.
- Was hätte die arme Frau denn tun sollen? So stands doch in Ihrem Vertrag!
Den Vertrag hat sie selber unterschrieben. Ich glaube nicht, dass Random House ihr eine Pistole an den Kopf gehalten hat. Alternativ hätte sie das Buch auch als kostenfreies PDF ins Netz stellen können. Da muss sie halt mit den Vorschuss ein bisserl runtergehen.
- Sie muss doch von irgendwas… weiter lesen