22.01.2012 von Eva Schweitzer
Gerade komme ich aus dem Berliner Ensemble; Bundespräsident Christian Wulff wurde von ZEIT-Herausgeber Josef Joffe interviewt, auf der Bühne; und der Standard an Sicherheitsvorkehrungen, das fällt uns Amerikanern als erstes auf, war auf dem Niveau des Bezirksbürgermeisters von Brooklyn. Keine Scanner wie auf dem Flughafen, keine Taschenkontrolle, keine zwei Ausweise, die man dabeihaben muss, keine Fingerabdrücke. Es war wie bei Abraham Lincoln im Ford’s Theater 1865, bloß ohne John Wilkes Booth. Ich hätte auch gedacht, Joffe hätte wenigstens eine mittlere Sicherheitsstufe, aber was solls, ich bin ja nicht der Berliner Polizeipräsident.
Es ging darum, was typisch deutsch sei. Typisch deutsch ist, mitten in der Nacht auf eine rote Ampel zu achten, meinte Joffe. Wo lebt der Mann? Ich kann nicht mitten am Tag auf den Bürgersteig treten, ohne von einem Rüpelradler überfahren zu werden, der gerade eine rote Ampel missachtet hat, und die Autofahrer sind auch nicht viel besser; naja,… weiter lesen
13.01.2012 von Eva Schweitzer
Am Montag, dem 16. Januar, lese ich aus meinem Buch Tea Party – Die Weiße Wut, und zwar in Freiburg. Freiburg im Breisgau! Das letzte Mal, als ich in Freiburg war, kam ich per Anhalter aus Frankreich (aus Taizé), übernachtete bei einer sehr netten Frau, die ich in Taizé kennengelernt habe (glaube ich), es gab dort wunderbaren Schinken, und insgesamt sah alles sehr bezaubernd aus, vor allem verglichen mit Kreuzberg. Das ist viele, viele Jahre her, und ich bin mal gespannt, wie Freiburg heute ist.
Die Lesung ist im Carl-Schurz-Haus, im Deutsch-Amerikanischen Institut, in der Eisenbahnstr. 58-62 und zwar um 20.15, mit anschließender Fragerunde. Mal sehen, was die Kandidatur von Stephen Colbert bis dahin macht — wird er die Tea Party unterstützen? Das fehlt irgendwie noch.
Eva C. Schweitzer: Tea Party, Die Weiße Wut. Was Amerikas Neue Rechte so gefährlich macht. dtv; Januar 2012. 14,90 €
10.01.2012 von Eva Schweitzer
Heute denken wir darüber nach, wer Christian Wulff nachfolgen könnte. Wie wäre es damit?
Ernst August von Hannover: Für ein repräsentatives Amt bringt Ernst August alle Voraussetzungen mit: Er ist adlig, Urenkel des letzten deutschen Kaiser sogar, und er hat es garantiert nicht nötig, sich Häuser schenken zu lassen. Und er ist verheiratet mit der bezaubernden Prinzessin Caroline von Monaco. Keine First Lady weit und breit wäre besser. Pro: Von Kai Diekmann lässt er sich garantiert nicht einschüchtern. Contra: Was passiert eigentlich, wenn er in die Verlegenheit kommt, die britische Thronnachfolge antreten zu müssen? Gäbe es da einen Ersatz?
Thomas Gottschalk: Thommy ist beliebt, überparteilich, beredt, sympathisch, bekannt, und im richtigen Alter, und er könnte das Amt jederzeit übernehmen. Contra: er müsste sich die Haare schneiden lassen und einen Anzug kaufen, in dem er nicht aussieht wie ein entflogener Kakadu. Aber das ist ja machbar.
Vicco von Bülow alias Loriot:… weiter lesen
06.01.2012 von Eva Schweitzer
Heute war ich in Deutschlandradio Kultur, bei “Wortwechsel” und diskutierte mit drei Kolleginnen über die Wahlen in Amerika, darunter eine Amerikanerin. Der beruhigende Teil: Niemand glaubt, dass Rick Santorum ernsthaft Präsident werden könnte.
Mitt Romney allerdings schon eher. Santorum machte sich einen Namen, als er Sex a la “man on man” mit sex a la “man on dog”, Hund also, verglich. Mittens ist hingegen dafür bekannt, dass er seinen Hund Seamus einmal auf dem Autodach festband und mit ihm nach Kanada fuhr. Wir haben also in jedem Fall Hundejahre vor uns.
Long story short, wer sich dafür interessiert, kann die Debatte bei Deutschlandradio Kultur verfolgen, im Internet oder auf einer dieser Frequenzen. Fängt um 19.00 Uhr an, heute, aber ich glaube, man kann’s hinterher noch abhören. Deutschlandradio Kultur sitzt übrigens im alten RIAS-Gebäude. Ja, das gute, alte West-Berlin….!
Eva C. Schweitzer: Tea Party,… weiter lesen
05.01.2012 von Eva Schweitzer
Kleiner Amerikaner, was nun? Michele Bachmann ist draußen — sie war einfach zu bitchy — Mitt Romney und Rick Santorum gleichauf, Ron Paul knapp dahinter. Paul war gestern bei Piers Morgan zu Gast; wer hätte gedacht, dass der in den Mainstream Media nochmal zu Wort kommt? Und so ausführlich? Danach kam Jon Huntsman, der Lieblingskandidat der Medien, irgendwie auch verständlich, aber er ist immer noch im unteren einstelligen Bereich.
Dann sprach Donald Trump, der ausschließlich darüber redete, was das alles für ihn bedeutete und welchen Kandidaten er mag oder nicht mag, und warum. Ich wünschte mir, er würde kandidieren, außerdem würde ich gerne mit George Clooney ausgehen, beides nicht sonderlich wahrscheinlich. In related news: Gary Johnson, Kandidat und früherer Gouverneur von New Mexico, kandidiert inzwischen für die Libertären (ist schon etwas her, aber man kommt ja zu nichts).
Meine Voraussage ist: Santorum wird früher oder später das Handtuch werfen (eher… weiter lesen
03.01.2012 von Eva Schweitzer
Gerade sehe ich Newt Gingrich bei Piers Morgan, er lächelt wie ein lieber alter Großvater; schwer zu glauben, dass dies der gleiche Newt ist, der möchte, dass neunjährige schwarze Kinder den Schulhof putzen, damit man den Hausmeister entlassen kann, und der seine krebskranke Frau verließ.
Gingrich war Speaker, also eine Art Fraktionschef für die Republikaner in der Clinton-Ära, und er hatte damals einen Auftritt in der TV Serie Murphy Brown, als er selbst, der drohte, das First Amendment werde ausgesetzt und ab jetzt gehe es in Washington anders zu.
Das wird nicht passieren, aber grundsätzlich finde ich es keine schlechte Idee, den US-Präsidenten aus amerikanischen Sitcoms auszusuchen; meine erste Wahl wäre Cosmo Kramer. So viel ich weiß, will Alec Baldwin als Bürgermeister von New York City kandieren, schon mal kein schlechter Start.
Auch ich habe einen Medienauftritt, allerdings im Radio, und in Deutschland; ich spreche über mein neues Buch,… weiter lesen
01.01.2012 von Eva Schweitzer
Der Iowa Caucus steht bevor, und die Kandidaten bekämpfen einander bereits auf das Heftigste. Auch die Medien mischen mit; sie haben sich auf Ron Paul eingeschossen, der, den Umfragen nach, Chancen hat, den Caucus zu gewinnen. Paul ist der einzige Kandidat, der die Werte, die die Tea Party angeblich vertritt, tatsächlich hochhält — weniger Federal Government, mehr Freiheit, insbesondere weniger Polizeikontrollen, und weniger Staatsausgaben, auch bei den Sozialsystemen. Alle anderen sind entweder semi-korrupte Berufspolitiker, die von Lobbyisten finanziert werden, wie Newt Gingrich oder Rick Perry, rechtsreligiöse Verrückte wie Michele Bachmann und Rick Santorum, deren wichtigsten Ziel das Verbot der Schwulenehe ist, oder aalglatte Karrieristen wie Mitt Romney, die ihre Meinung auch mitten im Satz ändern, wenn’s den Umfragewerten dient.
Nun tritt Paul außerdem auch für die Abschaffung der Federal Reserve ein, für eine entschiedene Antikriegspolitik, verbunden mit Mittelkürzungen für das Pentagon und eine Kürzung der Bundesgelder für ausländische Staaten, auch… weiter lesen
31.12.2011 von Eva Schweitzer
Mein neues Buch ist erschienen! Es handelt von, natürlich, der Tea Party und dem Machtkampf in den USA, der nun, mit der Vorwahl, so richtig eingesetzt hat (obwohl ich das Gefühl habe, der läuft schon seit drei Jahren). Ich hatte auch schon mein erstes Radiointerview über das Buch, mit dem NDR, das aber, weil das praktischer ist, nicht in Hamburg, sondern in Berlin aufgenommen wurde, im Hauptstadtstudio am Reichtagsufer.
Ich dackele also in aller Frühe, so gegen elf, ins Hauptstadtstudio, spreche über ein Scifi-artiges Mikro mit der Redakteurin in Hamburg, und rede danach noch ein bisschen mit dem Techniker in Berlin über die Tea Party; wer von denen eine Chance hat, und warum nicht, was ich von Ron Paul halte, wer wen nicht leiden kann, und warum Sarah Palin doch nicht kandidiert (leider!) bis der nächste Gast kommt. Der Techniker fragt den Gast, wie er heißt, und er heißt, wahrhaftig,… weiter lesen
16.12.2011 von Eva Schweitzer
Was ist im US-Wahlkampf los? Herman Cain, der sich zurückgezogen hat, nachdem die fünfte Frau aufgetaucht ist, will Pentagonchef werden. Sagte er zu Barbara Walters. Huh? Der Herman Cain, der nicht weiß, wo Usbeki-beki-beki-beki-stan-stan liegt, der keine Ahnung hat, ob Lybien ein Verbündeter ist und dass Gaddafi tot ist, der nicht in den Iran einmarschieren will, weil dort so viele Berge sind, und der fürchtet, China könne demnächst Atomwaffen erwerben … der Herman Cain?
Kaum holen wir Luft, kommt die nächste Nachricht: Christine O‘Donnell will Mitt Romney unterstützen. Christine ist die Tea Party-Kandidatin, die erst sagte, sie habe sich mal in Zauberei versucht, und dann eine TV-Anzeige schaltete, in der sie versicherte, sie sei keine Hexe. Warum unterstützt sie ihn? Weil Mormonen magische Unterwäsche tragen? Ich bin sicher, Mitt ist über die Unterstützung etwa so begeistert wie über die von Bellatrix Lestrange. Wobei Bellatrix wenigstens richtig hexen kann.… weiter lesen
27.11.2011 von Eva Schweitzer
Es gibt in Berlin einen Radiosender, der heißt Paradiso, und der gehört, glaube ich, der Evangelischen Kirche, oder ist mit ihr assoziiert, oder war es zumindest mal, oder wäre es beinahe gewesen oder so. Und dieses Radio spielt den lieben langen Tag Kuschelrock; Simon & Garfunkel, Phil Collins, Wind Beneath My Wings, My Heart Will Go On und so fort.
Für wen senden die eigentlich? Ich frage das, weil die das dauernd selber darüber nachdenken, die haben nämlich ein Eigenwerbesegment, das geht ungefähr so: “Es gibt Menschen, für die ein Roman kein Buch ist, sondern eine Reise. Und Tee kein Getränk, sondern eine Geisteshaltung. Und die Titanic nicht bloß ein abgesoffener Ozeandampfer, sondern eine Erinnerung an die blauen Augen von Leonardo di Caprio, ein Schaumbad eine Art Kuschelurlaub, ein Regentropfen die Träne einer Fee, und Katzen die liebsten Spielgefährten. Es sind Menschen, die lieber heiße Schokolade aus der Porzellantasse trinken… weiter lesen