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Beiträge getaggt mit ‘Katzen’

22.08.2009

Nora und ich

von Eva Schweitzer

Meine Nachbarsfamilie ist aus dem Urlaub zurückgekehrt, und hat die Wohnung übernommen, und die Katzen. Erstaunlicherweise herrschte keine reine Dankbarkeit mir gegenüber, der Mann der Nachbarin behauptete sogar, die neugierige Katze sei fett. Fett! Allenfalls ist sie nun kräftig, so wie ein Kater sein sollte, gut, in letzter Zeit konnte er etwas weniger elegant das Waschbecken hochspringen als vor vier Wochen, aber trotzdem. Fett! Der Mann der Nachbarin könnte durchaus selber das ein oder andere Pfund verlieren. Ich meine ja bloß.

Dramatischer ist, dass die Tochter der Nachbarin - und deren Katzen sind ist - nun eifersüchtig ist. Seufz! Da will man nur hilfsbereit sein. Ich muss gleich los, daher zum Abschied nur noch ein kleines Video. Meine Katzen können das übrigens nicht. Noch nicht. Aber sie sind dünner.

http://www.youtube.com/watch?v=TZ860P4iTaM

Eva C. Schweitzer, Manhattan  Moments. Geschichten aus New York, erschienen bei Droemer-Knaur, Juni 2009, Taschenbuch, 9,95 €

13.08.2009

Memories

von Eva Schweitzer

Meine Katzen haben ein neues Hobby: Wasser. Abends bade ich, und beide Katzen hängen währenddessen um die Badewanne herum und fressen Brekkies. Erstaunlich, was in so kleine Tiere alles hineingeht. Kaum verlasse ich die Wanne, kommen sie näher, starren dem Wasser hinterher, wenn es abfließt, und sobald es fast weg ist, springt die neugierige Katze in den Wanne und versucht, die letzten Reste mit ihren Pfoten aufzuhalten. Die schüchterne Katze, die gar nicht mehr so schüchtern ist, hockt sich neben den Brausekopf und starrt den intensiv an, um endlich verdammt noch mal herauszufinden, wieso da immer wieder Wasser rauskommt. Ich glaube, es ist die gleiche Methode, nach der Thomas Friedman den Konflikt im Mittleren Osten analysiert.

Nach einer Viertelstunde haben sie genug und wandern in mein Schlafzimmer (strenggenommen handelt es sich um das Arbeitszimmer meiner Nachbarin, aber ich habe die Wohnung inzwischen adoptiert) und turnen fliegenjagend um mein Bett herum. Tagsüber versucht die neugierige Katze inzwischen auch immer mal wieder, aus der Wohnung zu entkommen. Ich bin versucht, sie mit in den Garten zu nehmen, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich es schaffe, sie wieder in die Wohnung zu kriegen. Heute abend kommt übrigens die Nachbarin wieder. Sie wird sehr stolz sein auf ihre beiden rundgefütterten Minipanther.

In anderen Nachrichten da draußen in der wirklichen Welt: Brad Pitt soll Bürgermeister von New Orleans werden. Immerhin hat er ein paar Millionen Dollar gespendet, den Lower Ninth Ward wieder aufzubauen. Gute Idee, dann ziehe ich dorthin und verdiene meinen Lebensunterhalt damit, Brad-Pitt-Interviews zu verkaufen. Ansonsten scheinen in den USA die Nachwehen des Bürgerkriegs ausgebrochen zu sein. Eine Bewegung meistenteils älterer und offenbar wildgewordener Weißer wirft Obama vor, ein sozialistischer Kenianer in der Tradition von Hitler zu sein, der im Dienst der Wall Street steht. Wenn das der Führer wüsste!

Eva C. Schweitzer, Manhattan  Moments. Geschichten aus New York, erschienen bei Droemer-Knaur, Juni 2009,Taschenbuch, 9,95 €

05.08.2009

Some Like It Hot

von Eva Schweitzer

Nobody ist perfekt. Ich, zum Beispiel, habe neulich unseren New Yorker Polizeichef Ray Kelly als David Kelly bezeichnet (angelehnt an David Kelley, der Schöpfer von Ally McBeal), habe einmal geschrieben, Walter Momper habe einen frühen Kämpfer gegen den Sozialismus geehrt (es handelte sich um einen Kämpfer gegen den Nationalsozialismus), und schon mal Billiarden mit Trilliarden verwechselt. Aber ich werde in den Schatten gestellt von Alessandra Stanley.

Alessandra Stanley ist die TV-Kritikerin der Times, und sie hat einen Nachruf auf die Journalistenlegende Walter Cronkite geschrieben, die sieben (1) Berichtigungen nach sich zog. Cronkite war 92, als er starb, und lebte schon länger zurückgezogen, man sollte also vermuten, dass die Times einen fehlerfreien Nachruf von ihm auf Lager hat. Aber nein. Der Public Editor der Times widmete Stanley seine letzte Kolumne. Daraus erfuhren wir, dass die Times Stanley einen eigenen Korrektor zur Seite stellte, für jemanden, der meist Fernsehkritiken schreibt, nicht schlecht. Jetzt weiß ich, warum die Times 1100 Redakteure hat. Stanley, erfahren wir noch aus der Columbia Journalism Revue, ist die Tochter von Timothy W. Stanley, Assistent des jüngst verstorbenen Robert Strange McNamara, US-Kriegsminister und Hauptverantwortlicher des Vietnamkrieges (und die beste Freundin von Judith Miller). Cronkite wiederum galt als Musterbeispiel des korrekten Journalisten.

Nun zu etwas vollkommen anderen: Meine Katzen. Ich habe beschlossen, mich gänzlich in die Wohnung der Nachbarin einzuquartieren und mein Bettzeug hochgeschleppt, die Katzen waren davon restlos begeistert. Erst lagerten sie neben der Badewanne (der Gedanke, ins Wasser zu springen, kam der neugierigen Katze kurz, wurde aber verworfen), dann turnten sie um mein Schlafsofa herum. Nach einer kurzen Ruhepause, so gegen drei Uhr nachts beschlossen sie, ich habe nun aber genug geschlafen, ich solle doch bitte aufstehen und mit ihnen spielen. Morgens um acht kam eine andere Nachbarin, um ein Fax zu schicken, ich habe also praktisch kein Auge zugetan. Die Katzen lagen dann den Rest des Tages faul in der Sonne.

Eva C. Schweitzer, Manhattan  Moments. Geschichten aus New York, erschienen bei Droemer-Knaur, Juni 2009,Taschenbuch, 9,95 €

01.08.2009

Cat in the Moon

von Eva Schweitzer

Meine beiden Kätzchen gedeihen ordentlich, die neugierige Katze etwas mehr als die schüchterne Katze. Inzwischen wiegt die Neugierige fast doppelt so viel wie die Schüchterne und dürfte bald die Größe eines kleinen Panthers erreicht haben. Meine Nachbarin wird sehr zufrieden sein, wenn sie wiederkommt. Ich habe das Experiment mit dem Fleisch wiederholt, diesmal mit Tartar (Bio natürlich). In der Zeit, in der die schüchterne Katze noch darüber nachdenkt, was dies wohl sein mag, hat die neugierige Katze schon alle beiden Portionen eingeatmet.

Ab und zu taucht der Mann der Nachbarin auf und argwöhnt, dass die Katzen irgendwas zerbeißen, durcheinanderbringen, oder Pflanzkübel durchwühlen. Newsflash: Das heißt collateral damage und sollte von Katzenbesitzern toleriert werden. Sie schaffen es auch, von der Kommode auf die Minibar zu springen, ohne dass was dabei kaputt geht, um aber sicher zu gehen, habe ich den Baileys ausgetrunken. Nach der üblichen Routine - Essen, meine Taschen durchsuchen, beim Gießen helfen - liegen beide Katzen gerne faul herum, die Neugierige in einem Meter Entfernung, die schüchterne in zwei Metern Entfernung. Ab und zu beschleckt die Neugierige (oder, um genau zu sein, der Neugierige, es handelt sich um einen Kater) die Schüchterne oder versucht, sie zu besteigen. Wenn am Ende meines verantwortungsvollen Jobs ein paar mehr Katzen da sind, freut sich die Nachbarin bestimmt.

Was die eigentliche Nachrichtenlage angeht, das Sommerloch ist an seinem allertiefsten Punkt angekommen. Die Los Angeles Times macht damit auf, dass Arbeiter auf einem Filmgelände in Hollywood, wo früher die Raketenteile für die Apollomission zum Mond hergestellt wurden, an einer unerklärlichen Krankheit leiden - vielleicht sollte die Theorie, dass die NASA die Reise zum Mond mithilfe von Hollywood gefakt hat, noch einmal überprüft werden. Ansonsten ist in New York der kühlste Sommer seit Jahrzehnten. Was ist mit der globalen Erwärmung passiert? Hätten wir doch Cheney als Präsidenten behalten sollen?

Eva C. Schweitzer, Manhattan  Moments. Geschichten aus New York, erschienen bei Droemer-Knaur, Juni 2009,Taschenbuch, 9,95 €

23.07.2009

What’s New Pussycat?

von Eva Schweitzer

Meine beiden Katzen entwickeln sich prima. Ich habe inzwischen Nachbarin Eins und Nachbarin Zwei aus dem Weg geellbogt und sorge dafür, dass beide vernünftig ernährt werden (die Katzen, nicht die Nachbarinnen), und dass die neugierige Katze als auch die schüchterne Katze hinreichend bespasst werden. Die neugierige Katze möchte bloß, leider, dauernd aus der Tür und die Treppe hinauflaufen.  Ja, wie Dick Cheney sagt, irgendwann ist Schluss mit der Freiheit.

Die neugierige Katze trabt dauernd wie ein kleiner Hund neben mir her und möchte am liebsten mit dem laufenden Wasserstrahl spielen, und am allerliebsten mit dem aus der Gießkanne. Deshalb habe ich ein paar Topfpflanzen, fürchte ich, fast ertränkt. Sorry. Ich mache mir ein bisschen Sorgen, dass die Katze nicht genug trinkt, denn stehendes Wasser rührt sie nicht an. Vorsichtshalber habe ich ihr auch kein Huhn gegeben, denn das ist gesalzen. Vielleicht schieße ich morgen mal eine Taube nieder.

Die schüchterne Katze ist ziemlich dünn. Ich hatte den Anfangsverdacht, dass die neugierige Katze ihr das Futter wegfrisst, aber der hat sich nicht bestätigt. Mitten im Toben tauchte der Mann der Urlauberin auf, bemängelte, dass die Katzen zu frei herumliefen, sagte aber, sonst habe er mit denen nichts zu tun. Bin ich da einer Krise auf der Spur?

Leider habe ich keine Zeit, dem nachzugehen, denn in New Jersey ist gerade ein ganzer Ring von Kommunalpolitikern und kriminellen Rabbis verhaftet worden, nicht überraschend für den, der New Jersey kennt. Die andere große Krise in Amerika dreht sich um Henry Louis Gates, nicht verwandt mit dem Gründer der Firma, die seit 25 Jahren versucht, ein funktionierendes Betriebssystem zu entwickeln, vielmehr handelt es sich um einen berühmten schwarzen Professor in Harvard, der bei der Polizei bei dem Versuch verhaftet wurde, sein eigenes Haus zu betreten.

Zur Verteidigung der Polizei, es war Nacht, die Haustür klemmte, und er rüttelte daran, dabei sah ihn eine Nachbarin, und rief die Bullen. Die kamen und ließen sich auch nicht davon beeindrucken, dass er seine ID vorzeigte. Nun fühlt die Polizei sich im Recht, aber einem Weißen wäre das garantiert nicht passiert. So viel zum “post racial America”, ich denke, das wird noch etwas dauern, so 300, 400 Jahre.

Gerade klirrt es, ich glaube, die Katzen zerlegen gerade etwas. Vielleicht sollte ich die Polizei rufen. Immerhin sind beide schwarz.

Eva C. Schweitzer, Manhattan  Moments. Geschichten aus New York, erschienen bei Droemer-Knaur, Juni 2009,Taschenbuch, 9,95 €

22.07.2009

Sweet About Me

von Eva Schweitzer

Meine Nachbarin ist in den Urlaub gefahren, und hat mir ihre zwei Katzen hinterlassen. Nicht nur mir, es gibt ein ganzes Heer von Nachbarn, dass sich um die beiden kümmert, zwei süße, beinahe schwarze junge Katzen, von denen die eine neugierig ist und die andere schüchtern. Nicht nur die Katzen wurden hinterlassen, auch ein Anleitung, was die zu futtern bekämen und wo sie zu schlafen haben. Sie schlafen nachts auf dem Balkon, erstaunlich, denn eigentlich toben Katzen nachts durch die Wohnung. Und sie bekommen Katzenfutter mit Kartoffeln.

Kartoffeln! Seit wann essen Katzen Kartoffeln? Nachbarin Nummer eins versicherte mir, das seien eben die Anweisungen. Vorsichtshalber googelte ich, das und stellte fest, immerhin sind Kartoffeln für Katzen nicht giftig, wenngleich kaum verdaubar. Ich fütterte die Katzen also mit einer Kartoffel-Katzenfutter-Mischung (gekochte Kartoffeln, ohne Salz), und schob noch eine Dose reines Katzenfutter hinterher. Sicher ist sicher. Danach goss ich die Blumen, und die neugierige Katze hüpfte immer hinterher, und versuchte, am Strahl aus der Gießkanne zu lecken.

Deshalb stellte ich irgendwann die Gießkanne ins Waschbecken, ließ sie überlaufen und die Katze tobte drum herum, als sei es ein Brunnen in einem Kreuzberger Park, bloß ganz. Anschließend ließ ich alle beide noch durch die Wohnung fegen, das sehen die Anordungen auch nicht vor, aber sie hatten viel Spaß. Leider kratzte mich die neugierige Katze am Busen, nicht mit Absicht, aber kleine Opfer bringe ich gerne.

Jetzt ist erst einmal Nachbarin Nummer zwei dran, am Freitag dann wieder ich. Vielleicht versuche ich es mal mit einem Stück Huhn. So eine Katze ist doch kein preußischer Kadett. Und jetzt muss arbeiten. Amnesty International hat herausgefunden, dass Saudi-Arabien mehr als 3000 politische Gefangene weggesperrt hat. Da möchte ich mich schon mal auf die Masse der Proteste, Lichterketten, und die Einbestellung des saudischen Botschafters vorbereiten. Da regen sich die deutschen Medien bestimmt wochenlang drüber auf. Man möchte sich ja bestimmt nicht wieder dem Vorwurf des Schweigens aussetzen.

Eva C. Schweitzer, Manhattan  Moments. Geschichten aus New York, erschienen bei Droemer-Knaur, Juni 2009,Taschenbuch, 9,95 €