18.06.2011 von Eva Schweitzer
New Orleans im Sommer ist wie die Karibik, bloß heißer und feuchter, und ohne Sandstrand. Durch das French Quarter schlendern betrunkene Touristen, überall ist Musik, und vor ein paar Tagen wurde der Todestag von Marie Laveau gefeiert, die berühmte Voodoo-Hexe, deren Grab heute noch geschmückt wird wie das von Jim Morrison.
Wo wir von Hexen sprechen, gestern habe ich Michele Bachmann gesehen. Denn ich bin leider nicht hier, um Jazz zu hören und Gumbo zu essen, sondern bei einem Parteitag der Republikaner, die alle glauben, Amerika sei das großartigste Land aller Zeiten — man muss alle zwanzig Minuten aufstehen und das unter Beifall wiederholen, sonst gerät das in Vergessenheit — und Ronald Reagan war der großartigste Präsident aller Zeiten, und jetzt wird es Zeit, unser Land zurückzuholen. Von wem, ist nicht so ganz klar, aber das Publikum besteht zu 99 Prozent aus Weißen, davon drei Viertel über sechzig.
Zwischendurch trat noch… weiter lesen
08.05.2011 von Eva Schweitzer
Journalismus kommt in Wellen; die aktuelle Welle ist: Warum glauben Menschen an die Verschwörungstheorie, dass Osama Bin Laden schon lange tot ist, oder einst von der CIA angeheuert wurde, oder dass er mit Unterstützung der CIA in Afghanistan gegen die Russen gekämpft hat, oder dass er gar nicht die Mastermind hinter Al Qaeda war, oder dass die Fotos, die nicht veröffentlicht werden, vielleicht gar nicht existieren?
Leider fehlt den Journalisten, die sich damit beschäftigen, jegliche Recherchefähigkeit, etwas zur Sache beizutragen, deshalb konzentrieren sie sich darauf, zu erklären, welche psychologische Mechanismen sich im Kopf eines Verschwörungstheoretiker abspielen. Man kann richtig froh sein, dass die Watergate-Affäre und Iran-Contra nicht in Deutschland passiert sind, sonst hätten wir hier Horden von Journalisten gehabt, die erklärt hätten, welche psychologische Mechanismen jemanden treiben, zu glauben, die Konservativen hätten in die Wahlkampfzentrale der Linken eingebrochen, statt Woodward und Bernstein.
Weil es aber so schön ist, hier eine… weiter lesen
27.04.2011 von Eva Schweitzer
Es gibt in Deutschland ein Phänomen, das nennt sich Fremdschämen. Etwas, mit dem man eigentlich nichts zu tun hat, ist einem peinlich und man schämt sich, bloß deshalb, weil der Schamlose, der das zu Schämende begeht, zum gleichen ethnischen oder kulturellen Kreis gehört, und man selber hilflos zugucken muss, vorzugsweise in Zeitung, Funk, und Fernsehen. Prominente Beispiele: Adolf Schicklgruber, Klausi Beimer, Jan Fleischhauer.
Ich selber bin davon restlos unbeleckt; oder besser gesagt, ich wars: Seit Tagen fremdschäme ich mich. Für wen? Für Donald Trump. Der Donald, nicht nur ist er ein New Yorker, sondern auch noch deutschstämmig, tut gerade so, als wolle er als Präsident kandidieren, ankündigen wird er es beim Season Finale seiner Reality-TV-Show Celebrity Apprentice. Um zu begreifen, dass dieser Stunt ausschließlich der Eigenwerbung dient, reicht ein Intelligenzquotient von in etwa 35 aus.
Und nun ist The Donald dauernd im Fernsehen und plustert die Backen auf (als ob… weiter lesen
23.09.2009 von Eva Schweitzer
Die U-Bahn-Linie 7 nach Flushing hat ein neues Feature: Ein leuchtender grüner Kreis, der ab und an von einer roten Viereck abgelöst wird. Oder war es umgekehrt? Jedenfalls, mal leuchtet das grüne Viereck, mal der rote Kreis; erst dachte ich, das bedeutet, der Zug fährt gleich los, dann glaubte ich, so unterscheidet sich der Express von dem Lokal, aber nein, auch nicht. Vielleicht finde ich es noch heraus. Oder sie üben noch.
Die Linie 7, jedenfalls, fährt zum Hochhaus der Vereinten Nationen, da beginnt heute die Generalversammlung. Das ist ein Massenauftrieb, der, wie alles in New York, jedes Jahr größer und schwerer zu bewältigen wird. Gestern habe ich eine Stunde gebraucht, um mich vom Times Square zum Presseraum 226 durchzukämpfen. Zum Glück wird alles von CNN übertragen, so habe ich mitbekommen, dass die Yes Men, in kugelförmige Anzüge gekleidet, in den East River gesprungen sind.
Danach sah ich… weiter lesen
13.08.2009 von Eva Schweitzer
Meine Katzen haben ein neues Hobby: Wasser. Abends bade ich, und beide Katzen hängen währenddessen um die Badewanne herum und fressen Brekkies. Erstaunlich, was in so kleine Tiere alles hineingeht. Kaum verlasse ich die Wanne, kommen sie näher, starren dem Wasser hinterher, wenn es abfließt, und sobald es fast weg ist, springt die neugierige Katze in den Wanne und versucht, die letzten Reste mit ihren Pfoten aufzuhalten. Die schüchterne Katze, die gar nicht mehr so schüchtern ist, hockt sich neben den Brausekopf und starrt den intensiv an, um endlich verdammt noch mal herauszufinden, wieso da immer wieder Wasser rauskommt. Ich glaube, es ist die gleiche Methode, nach der Thomas Friedman den Konflikt im Mittleren Osten analysiert.
Nach einer Viertelstunde haben sie genug und wandern in mein Schlafzimmer (strenggenommen handelt es sich um das Arbeitszimmer meiner Nachbarin, aber ich habe die Wohnung inzwischen adoptiert) und turnen fliegenjagend um mein… weiter lesen
31.07.2009 von Eva Schweitzer
Heute morgen sah ich eine Wiederholung von Larry King, es ging um die Henry-Louis-Gates-Festnahme, und darüber diskutierten Ann Coulter und Al Sharpton. Ann Coulter und Al Sharpton! Damit wurde “the bottom of the barrel” erreicht, wie wir Amerikaner sagen.
Ann Coulter ist eine rechtsradikale Wasserstoffblondine, die der Ansicht ist, der einzige Fehler, die der Oklahoma-City-Bomber Timothy McVeigh jemals gemacht hat, war, nicht auch noch die New York Times in die Luft gesprengt zu haben. Das ist das amerikanische Equivalent des oft gehörten Neonazi-Spruchs, Hitlers einziger Fehler war, den Job nicht zu Ende gebracht zu haben. Coulter wird in den USA bei Bertelsmann verlegt. Das finde ich eher merkwürdig: Warum bindet sich ein Verlag, der 60 Millionen Euro ausgegeben hat, um vergessen zu machen, dass er Bücher für die Wehrmacht verlegt hat, eine Neonazi-Tante ans Bein? Aber ich bin ja nicht Liz Mohn.
Al Sharpton ist so eine Art… weiter lesen
28.07.2009 von Eva Schweitzer
Der Streit um Henry Louis Gates geht unverdrossen weiter, als gäbe es in den USA kein anderes Thema, vom Mord an Michael Jackson mal abgesehen. Vorhin las ich einen Artikel in der New York Times mit der Überschrift 911 Tape Raises Questions in Gates Case und mein erster Gedanke war, es ist ein geheimes Tonband aufgetaucht, das NineEleven und unseren Pentagonchef, der auch Gates heißt, zusammen bringt, nein, es geht um den anderen Gates, der 58-jährige Harvard-Professor, der trotz Krücke für einen Einbrecher gehalten wurde.
Jedenfalls, in dem Artkel hieß es, die Frau, die die Polizei gerufen hat, habe gar nicht von einem schwarzen Mann gesprochen, und: Sie habe die Polizei darauf hingewiesen, dass es sich auch um den Hausbewohner handeln könne. Derweil musste die stellvertretende Pressesprecherin des Manhattaner Borough President zurücktreten, weil sie auf ihrer Facebooksite Obama nach der Gates-Krise “O-dumb-a”… weiter lesen
25.07.2009 von Eva Schweitzer
Warum ist Obama schwarz? Man könnte es sich einfach machen und sagen, weil nach den Rassetrennungsgesetzen der USA, die zu seiner Geburt galten, jeder schwarz war, der “einen Tropfen schwarzen Blutes” hatten; sowieso ein eher theoretisches Konstrukt, aber bei Obama dürfte der Anteil durchaus ununstritten sein. Ist es wichtig? Oh ja, es ist wichtig.
Es ist das einzige, was an ihm interessant und anders ist, deshalb hatte er auch die Unterstützung schwarzer Republikaner wie Colin Powell. Politisch steht er den Republikaner nicht so fern. Er beglückt die Wall Street, wird Guantanamo, wenn überhaupt, nur auf Kosten der Europäer schließen, stockt Truppen in Afghanistan auf und reduziert nicht wirklich die Truppen im Irak (die permanenten Basen bleiben); an die Krankenversicherung glaube ich, wenn sie meine erste Rechnung bezahlt. Nein, dass Besondere an Obama ist, dass er schwarz ist. Amerika redet über nichts anderes: Hat er sich im Fall des… weiter lesen
15.07.2009 von Eva Schweitzer
Obama möchte, so erfahre ich aus deutschen Zeitungen, die Kriegsverbrechen der Bush-Regierung nur ganz ungerne aufarbeiten, weil er sich nämlich darum kümmern muss, eine Krankenversicherung in den USA aufzubauen. Eine Krankenversicherung! Ich habe ja Verständnis, in Deutschland war es 1945 auch wichtiger, zerbombte Häuser wieder aufzubauen. Aber Amerika hat es ganz gut geschafft, den Irakkrieg anzufangen ohne eine Krankenversicherung, was rede ich, schon beim Vietnamkrieg gab es keine Krankenversicherung, da dürfte es auf ein paar Jahre mehr nicht drauf ankommen.
Der eigentliche Grund ist natürlich, dass der Irakkrieg und Guantanamo keine Privataktionen von George W. Bush waren, dahinter stand Amerika mit einer soliden Zwei-Drittel-Mehrheit. Die bröckelte erst, als die irakischen Aufständischen Landgewinne machten. Da guckt keiner so gerne in den Spiegel. Und Obama wurde gewählt, um Amerikanern das ersehnte wir-sind-wieder-wer, wir-sind-die-moralische-Führungsriege-des-Planeten-Gefühl wiederzugegeben. Wenn er statt dessen Folterprozesse initiert, dürften seine Ratings rasch die gleichen Niedrigwerte erreichen wie die seines Vorgängers.… weiter lesen
07.06.2009 von Eva Schweitzer
Die deutschen Presseberichte zum Besuch von Obama in Kairo, Buchenwald und der Normandie lesen sich meistenteils wie Fernsehkritiken, wo dem Kritiker nicht recht klar ist, dass die bunten Figuren in der kleinen Kiste nicht real sind, sondern Schauspieler.
Obama ist, nur um das noch einmal klarzustellen, der Präsident der USA. Demzufolge sind seine Botschaften ausschließlich für das amerikanische Publikum bestimmt, und nicht etwa für die ausländische Staffage. Obama hat gerade ein paar Probleme: In Israel wurde ein Hardliner gewählt, was es nicht so einfach macht, weiter das unsinkbare Schlachtschiff der USA im Mittleren Osten vorbehaltlos zu unterstützen, die Amerikaner sind irakkriegmüde und schon gar nicht haben sie Lust, in den Iran einzumaschieren, und die bad publicity, soweit es Guantanamo betrifft, geht einfach nicht weg. Das nervt. Plus, es gibt eine radikale Rechte in Amerika, die darauf beharrt, dass Obama ein in Kenya geborener schwarzer Araber sei, dessen muslimischen Freunde ihn… weiter lesen