27.10.2009 von Eva Schweitzer
Und da dachte ich, ich weiß alles über das Reisen in Amerika, weit gefehlt. Dieses Wochenende war ich in Boston, um einen Komponisten zu interviewen. Eigentlich wollte ich nur den Samstag bleiben, aber es stellt sich heraus, der Komponist gab am Sonntag ein Konzert, und das wollte ich mir anhören. Haydn und Schoenberg. In der protestantischen Kirche Emmanuel, die ein Joint Venture mit dem Boston Jewish Spirit hat.
Ich musste mich also in ein Hotel einquartieren, und merkte erst dann, ich hatte ja gar nichts dabei. Weil ich nicht in dem gleichen T-Shirt schlafen und zwei Tage hintereinander interviewen wollte, bummelte ich die Beacon Street hinunter, im Bostoner Stadtteil Brookline, wo übrigens unser geliebter Bürgermeister Michael Bloomberg aufgewachsen ist. Beinahe alles hatte zu, es war ja bereits sieben Uhr. In Boston.
Ein Drogeriemarkt hatte noch auf, mit Halloweenkostümen, aber die waren nicht aus Baumwolle. Und sie hatten Red Sox T-Shirts.… weiter lesen
26.10.2009 von Eva Schweitzer
Was der Fall Roman Polanski angeht, da ist nun wirklich alles gesagt worden, nur noch nicht von jedem. Da es aber offenbar immer noch mitteilungsbedürftige Zeitgenossen gibt, die aus dem Mustopf kommen, hat die Los Angeles Times dankenswerterweise zusammengestellt, was damals wirklich passiert ist:
http://www.latimes.com/news/local/la-me-polanski25-2009oct25,0,5115267.story
Das beantwortet auch alle ewigen Fragen wie: Hat das Mädchen freiwillig mitgemacht? Wo war die Mutter? Will das Opfer, dass von einer Strafverfolgung abgesehen wird? Und: Was könnte nun mit Polanski passieren? Wer darüberhinaus noch wissen will, warum Polanski keinerlei Unrechtsbewusstsein hat; ich glaube, die Fritzl-Protokolle kursieren auch irgendwo im Internet. Wenn der kein schlechtes Gewissen hat, warum sollte dann ein Hollywood Big Shot eines haben?
Eva C. Schweitzer, Manhattan Moments. Geschichten aus New York, erschienen bei Droemer-Knaur, Juni 2009, Taschenbuch, 9,95 €
07.10.2009 von Eva Schweitzer
Der Fall Polanski wird immer bizarrer. Wir erinnern uns: Erst stellte sich fast ganz Hollywood hinter den flüchtigen Kindervergewaltiger, eingeschlossen die üblichen Verdächtigen im Feuilleton, wie etwa Patrick Goldstein bei der Los Angeles Times. Er meinte, Polanski sei ein tragischer Fall, der Regisseur sei bereits schrecklich bestraft worden, und das größte Problem sei, dass er den Rest seines Lebens von Leuten verächtlich behandelt werde, die meinten, er sei nicht genug bestraft.
Nun, nach einem Aufschrei von Lesern, macht Goldstein die Rolle rückwärts: Er meint nun, Hollywood habe sich niemals hinter Polanski gestellt. Beweis: Die meisten derer, die für ihn unterschrieben haben, seien Filmemacher aus New York und nicht aus Hollywood. Und: Er selber sei nie gegen eine Strafverfolgung Polanskis gewesen. Offenbar kann er sich an seinen eigenen Kommentar nicht erinnern.
Als Filmkorrespondent der Los Angeles Times sollte er eigentlich wissen, dass mit Hollywood nicht die diesbezügliche… weiter lesen
06.10.2009 von Eva Schweitzer
Ich glaube langsam, Polanski ist erledigt. Bill Maher sagte dieses Wochenende bei Real Time auf HBO, dass er überhaupt nicht begreifen kann, warum all diese Hollywood-Größen für Polanski unterschreiben, und er könne nun verstehen, dass die Moslems den Wunsch verspürten, Amerika in die Luft zu sprengen . “Er gab einem Kind ein Quaalude” — ein illegales Sedativum — und fickte sie in den Arsch.”
Also, wenn Maher, ein libertärer, linker, pro-israelischer Womanizer, der frühere Host von Politically Incorrect Polanski fallen lässt, ich glaube, das wars. Die Süddeutsche titelte heute übrigens, dass Polanski “seinem Opfer 500.000 Dollar zahlen” wollte. Liest man den Artikel, erfährt man, dass Polanski von seinem Opfer auf Schadensersatz verklagt wurde, dass er zu einer Zahlung von 500.000 Dollar verurteilt wurde und dass er nicht bezahlt hat. Wer macht bei der Süddeutschen eigentlich die Überschriften? Vor allem aber bin ich jetzt mal gespannt, ob… weiter lesen