Früher starb man früher

18.02.2017 | Samstag | Kolumne fairkehrt 1/2017

 

Früher starb man früher

Tempo 30 vermeidet keine Terrortoten – aber viele Verkehrstote.

Viele in Deutschland – insbesondere Ältere – sind anscheinend der Meinung, so schlimm wie heute sei es noch nie gewesen mit Terroranschlägen, Trumpismus, dem Euro, Russland, den Flüchtlingen, Syrien und der Autobahnmaut. Die Welt meiner Eltern sah so aus: Atomgefahr, Stellvertreterkriege, Diktaturen selbst noch in Europa, Hunger und Armut in der Welt, stinkende Euro-0-Autos, keine Radwege und keine Hydraulikbremsen. Von wegen alles besser. Früher starb man früher. Heute können die Alten eindeutig länger über den Zustand der Welt klagen. Noch Anfang der 70er Jahre wurde man in Deutschland im Schnitt kaum über 70, heute über 80 Jahre alt. Der medizinische Fortschritt hat viel bewirkt. Und interessanterweise auch die vermiedenen Unglücke bei der Arbeit und auf der Straße.

Gerade den Senioren ist nicht mehr präsent, wie höllengefährlich das Leben in den goldenen siebziger Jahren in Deutschland war, als Opa seinen Käfer gegen den Opel Ascona eintauschte. Damals war keineswegs die RAF das größte Risiko. Ich habe nachgeschaut: Allein in Westdeutschland starben im „schwarzen Jahr“ 1970 im Verkehr 21332 Menschen. Damals war eigentlich jeder Tag ein „Horrortag“ mit mehr als 50 Verkehrstoten. Eine unglaubliche Zahl. Heute sind es in ganz Deutschland rund 3500. Zwar gibt es mehr Autos und mehr Unfälle, aber viel weniger Menschen sterben wegen der Mischung aus besserer Infrastruktur, Gurtpflicht, Airbags und Bremsassistenz.

Weniger Tote sind natürlich immer noch viel zu viele, nämlich 9,5 Opfer am Tag. Und leider geht der Trend in den letzten Jahren nicht mehr eindeutig nach unten. Warum nicht? Da ist es hilfreich, das Risiko Verkehr mit dem Risiko Terrorismus zu vergleichen. … >>mehr

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