Mysteriöser Multiplikator – wie Lukas B. mehr Likes bekam als wir

Am 6. Dezember erschien in der Timeline von Lukas B. ein Post des Deutschlandfunks. Es ist ein Artikel der taz: „Sorry, Frauen, eure Körper gehören euch nicht“, ein Artikel von Margarete Stokowski. Gelesen, geliket, geteilt. „Mhh, macht nachdenklich“, schreibt Lukas dazu. Wie so oft schon vorher. Nur diesmal kommt alles ein bisschen anders. Auf Lukas‘ Profil liken sonst nur eine Handvoll seiner Facebook-Freunde seine Posts, sagt er. Diesmal sind es Dutzende.

Zwei Tage später haben etwa 50 Leute den Artikel weitergeteilt. „Wow… hätte nicht gedacht, dass dieser Artikel bei so vielen von euch Anklang findet“, kommentiert Lukas und bekommt 45 Likes. Währenddessen steigen die Likes und Shares seines Postes weiter. Dann eine Woche später: 12.000 Likes, 1.800 Shares. „Lukas dein Post geht um die Welt“, schreibt eine Sandra.

Hier in der taz fällt etwa zu dieser Zeit, eine Woche nachdem Margaretes Artikel veröffentlicht wird, auf, dass etwas nicht stimmt. Margaretes Texte sind auf taz.de und auf der taz-Facebookseite beliebt, aber meist sinken die Zugriffe nach einer Woche langsam ab. Aber hier geschieht etwas seltsames: ab dem 8. Tag steigen sie wieder. Sie steigen und steigen, bis der Artikel pro Stunde so häufig gelesen wird wie andere Artikel insgesamt. Woher kommt die hohe Popularität?

Das schöne an dem Internet für JournalistInnen sind die vielen Statistiken. Unsere Seite hat sie: Wir wissen, wieviele Leute zu jeder Zeit auf der Seite sind, welche Artikel sie lesen, woher sie auf die Seite kommen und wie sie sich über die Seite bewegen (alles anonymisiert, selbstverständlich). Und wir haben unsere Facebook-Statistiken: Wir wissen, wie oft Artikel geliket und geteilt werden – und wir können darauf schließen, wer unsere Artikel berühmt macht. Oft sind die Facebook-Auftritte anderer Medien, manchmal sind es Prominente, die einen Artikel teilen.

Diesmal ist es Lukas B., Student aus Freiburg, 534 Freunde, keine Follower. Ein durchschnittlicher Nutzer. Am 19. Dezember, gut zwei Wochen nach Erscheinen des Artikels, hat der Post der taz knapp 5.000 Likes und 4.500 Shares, der von Lukas hat 13.000 Likes und 1.800 Shares. Knapp die Hälfte unserer Shares haben wir Lukas zu verdanken und bei den „Gefällt Mir“-Angaben hat er uns weit hinter sich gelassen. Wow.

„Ich bin selbst komplett geplättet“, schreibt uns Lukas. „So einen großen Rummel habe ich noch nie erlebt.“ Wir suchen nach Erklärungen, wie es dazu kommen könnte. Die eine ist: Es ist ein Artefakt von Facebooks undurchsichtigen Algorithmen. Facebook hat erkannt, dass dieser Artikel sehr populär ist, deshalb erscheint er häufig weit oben in den Timelines anderer NutzerInnen. Lukas‘ Post ist öffentlich, deshalb können auch Leute, die nicht mit ihm befreundet sind ihn sehen und weiterverbreiten.

Die andere ist, dass Lukas eine besondere Position auf Facebook einnimmt. Er selbst folgt der taz nicht, seine Facebook-Freunde, sagt er, kennt er aus vielen verschiedenen Kontexten. Vielleicht ist er ein Multiplikator, der Margaretes Artikel in viele Freundeskreise spült, die sonst nicht von ihm erfahren hätten, weil sie nicht regelmäßig die taz lesen? Was genau stimmt, wissen wir auch nicht.

Einen solchen Effekt haben wir schon einmal in diesem Jahr beobachtet: Im Juli, kurz nach Ende der Herren-Fußball-Weltmeisterschaft, wird ein Kommentar von taz.de-Chefin Rieke Havertz zur Kommerzialisierung der DFB-Siegesfeier innerhalb von zwei Tagen so oft gelesen, wie kein anderer Artikel auf taz.de es jemals wurde. Mehr als die Hälfte der Shares kommen damals von einem Rhetorik-Trainer, der den Artikel – freundlich ausgedrückt – nicht so gut findet. Aber der Mann ist Facebook-Profi mit 2.600 Freunden und mehreren hundert Followern.

Das ist der große Unterschied zu Lukas‘ Profil, das ein privates, persönliches Profil ist. Und trotzdem sieht es ganz danach aus, als würde Margarete in den nächsten Tagen Riekes Rekord brechen. Wir freuen uns – für uns und für Lukas!

Im Bild: Die Vernetzung von Domains im Internet (dpa)

1 Kommentar

  1. Stellt Margarete Stokowski bitte endlich an. Wie soll sie denn sonst als Journalistin endlich eine emanzipierte Beziehung führen und Kinder bekommen können? Ihre Situation kann ich grob einschätzen. Sie lässt uns über ihre Texte ja ausführlich an Lebenserfahrungen von sich teilhaben.

    Das finde ich als Leserin schön und ich gebe gern etwas zurück, so sich eine passende Situation ergibt. So sie das möchte natürlich nur mit der Anstellung. Vielleicht ist sie dafür zu links, weiß ich nicht.

    Gute verdienen gute Behandlung. Ich möchte nicht, dass sie von einem anderen Medium weggeholt wird so wie bei unzählbar vielen anderen JournalistInnen der taz. Dass das boulevardeske Medium Spiegel Thilo Knott wegversorgt hat, werde ich jedenfalls noch eine lange Weile lang nicht vergessen.