Wenn sich Männer nicht mitgemeint fühlen

Schwalben

In der taz wird häufig darüber diskutiert, wie Sprache antisexistisch eingesetzt kann. Das fängt damit an, dass nicht nur Männer, sondern auch Frauen auch sprachlich mitgenannt werden, und geht heute auch so weit, dass wir überlegen, wie man Menschen, die sich keinem dieser Geschlechter zuordnen, mitbenennen kann. Das Binnen-I ist in der taz bereits lange eingeführt und es steht AutorInnen frei, ob sie es benutzen wollen. Neuerdings fragen wir uns, wie mit dem Gender Gap umzugehen ist, schreibt man Autor_Innen? Oder Autor_innen? Oder Autor*innen? Kann man das Sternchen einfach irgendwo hinsetzen?

Immer wieder kommt in der Diskussion auf, dass mit all diesen Lösungen Texte unleserlicher werden und dass doch die männliche Form als Grundwort alle mitmeint und nicht nur die Männer. Der Argumentation kann ich meist nicht folgen, denn selbstverständlich schreiben wir die Apple-Geräte brandingkonform „iPad“ und „iPhone“ ohne dass jemand meint, damit sei die deutsche Sprache endgültig nicht mehr lesbar. Dass das generische Maskulinum einfacher und platzsparender ist, ist nachvollziehbar, aber sind Menschen, die keine Männer sind, wirklich mitgenannt?

Selten – eigentlich gar nicht – wird diskutiert, ob das generische Femininum eine Alternative wäre, also nur die weibliche Form von Wörtern zu verwenden und damit alle Menschen zu meinen. Das Wort „Autorinnen“ ist nur geringfügig anders als AutorInnen oder Autor*innen und – ganz streng genommen – ist „Autoren“ darin auch enthalten.

Ich habe das mal in einem Artikel ausprobiert. Und siehe da, als wir ihn auf Facebook posteten beschwerten sich eine ganze Reihe Männer darüber, dass es hier wohl nur um Frauen gehe – eine Vorstellung, die bereits aus dem Kontext als völlig absurd zu verwerfen gewesen wäre.

NurFrauen3

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NurFrauen2

Es waren natürlich sowohl Männer als auch Frauen zur Stelle, die das generische Femininum erkannten.

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Daumenhoch2

Daumenhoch3

Sie erklärten den Empörten auch, dass hier Männer mitgemeint seien, die dann mit absurden Übertreibungen antworteten. Wahrscheinlich wollten sie so das generische Femininum lächerlich machen.

StrawMan4

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Ein Nutzer, der das alles für „albern“, „unleserlich“ und „Wahnsinn“ hält, hatte einen Flashback an seine wohl sehr traumatische Schulzeit und überlegte, ob das generische Maskulinum nicht sogar eine Benachteiligung der Männer sei. Jedenfalls solle man nichts anders machen.

Wahnsinn1

Ein anderer verwies darauf, dass man die weibliche Form nicht so nutzen dürfe, weil sie traditionell ganz anders genutzt worden sei. Außerdem findet er, dass Feminist*innen sich nicht einig genug sind, wie Sprache zu nutzen sei. Jedenfalls solle alles so bleiben wie es ist – mit Exkurs in die Quantenphysik und die Jahrtausendwende.

Rationalisierung2

Der Kreis der Absurditäten schloss sich dann, als ein Nutzer sogar vorschlug, weiter im generischen Maskulinum zu schreiben und die Frauen mitzumeinen. Das sei angenehmer zu lesen.

MerksteSelbst

Als Fazit bleibt es nur noch, einer Nutzer*in das letzte Wort zu überlassen und gemeinsam mit ihr zu bedauern, dass bei der ganzen Diskussion die Inhalte des Artikels gar nicht vorkamen.

Schade

Die Diskussion darum hat jedenfalls deutlich mehr Zeit gekostet, als ich brauchte, um den Text so zu schreiben. Und die paarmal fünf Buchstaben mehr haben viel weniger Platz im Internet verschwendet, als die vielen lustigen Plädoyers verunsicherter Männern dafür, alles doch einfach so zu lassen, wie es ist.

Im Bild: Schreiende Schwalbenküken (dpa)

Kommentare (28)

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  1. Pingback: Wer braucht den Scheiß? Heute: Gender Gaps/-Sternchen | hirngefickt

  2. War eine gute Aktion – super!

  3. Pingback: Links | ringelmiez

  4. Es müsste endlich mal in die Köpfe, daß es einen verdammten Unterschied zwischen Genus (grammatikalisches Geschlecht) und Sexus (biologisches Geschlecht) gibt.
    Aber solange Feministinnenenener auf dem Gebiet kämpfen und ihre Energie verbauchen, erreichen sie nichts in wichtigen Gebieten…

    • Und wenn Sie und Ihre Kumpan*innen nicht gegen Femist*innen kämpfen würden, wäre der Sexismus besiegt und es gäbe eine Problem weniger.

      • Merken Sie eigentlich, wie Sie sich in Ihrem Wahn selbst ad absurdum führen? Indem Sie unbedingt dieses unsägliche Wort „Kumpan*innen“ schreiben müssen, um sicherzustellen, daß auch meine imaginären weiblichen Kumpane mitgemeint sind, unterstellen Sie, daß es Frauen sind, die mit meinen Argumenten den Feminismus bekämpfen…
        P. S.: Im Übrigen wären mir Equalisten und Equalistinnen lieber, als Feministinnen (da verwende ich nur die weibliche Form, weil Kerle, die sich als Feministen bezeichnen, damit ganz andere Zwecke verfolgen).
        P. P. S.: Sorry, daß ich jetzt die Kerlinnen ausgeschlossen habe. Kommt nicht wieder vor…

        • Ach, weil männliche Feministen nur Feministen sind, um Feministinnen abzuschleppen oder was?

          • Klappt bei mir absolut nicht. Aber ich muss dazu sagen, ich gehöre auch zu den Feministen die lieber den generischen Maskulin benutzen. Meine Begründung ist einfach die Tradition und Definition. Klar kann man Sprache verändern, aber man kann es nicht einfach mal bestimmen. Ohne vorherige Umdefinition sind mit „Autorinnen“ nun mal nur weibliche Autoren gemeint. Alles andere sind Ratespielchen und ich finde Sprache sollte so eindeutig sein wie es geht.

  5. Höhöhö, da haben wir aber wieder humorvoll auf ein SCHWERES Problem hingewiesen 🙂

  6. Die Reaktionen waren doch erwartbar und sind Vollkommen verständlich. Wenn etwas ungewohnt ist wird immer ein Grund dahinter vermutet (der hier ja auch vorhanden war). Das dieser dann auf mehr Reaktionen stößt als der Inhalt des Artikels ist doch klar. Völlig egal ob es Sachlich zulässig ist. Sprache Transportiert eben mehr Infos als nur die Sachebene. Vorallem wenn diese die Norm verlässt.
    Wie würde zum Beispiel der Text einer Bayrischen Lokalzeitung ankommen bei dem es um die Bundesjugendspiele geht wenn dieser wie Folgt lauten würde:
    „Bei den deutschen Bundesjugendspielen an der deutschen Schule im deutschen München gewann der deutsche Pascal im 100 Meter lauf auf einer deutschen Rennbahn.“

    Nichts davon wäre falsch. Als Kunden wäre diese Zeitung mich allerdings los. Allein schon von der Leserlichkeit eine Zumutung. Von Der Metaebene ganz zu schweigen.

  7. In der Fachliteratur zum Thema Verschlüsselung sind die Dinge wenigstens ausgewogen: Alice kommuniziert mit Bob.

  8. Ich bin mir nicht ganz klar darüber, warum das überhaupt so ein großes Thema ist.
    Mir ist es am Ende eigentlich egal, welches Geschlecht da steht aber um ehrlich zu sein, bevorzuge ich tatsächlich die „klassische“ Variante, weil ich mich einfach daran gewöhnt habe.
    Man kann sich sicher auch umgewöhnen aber wer sich benachteiligt fühlt (egal ob Mann oder Frau), weil da nicht in seinem respektive ihrem Geschlecht geschrieben wird, den würde ich auf ganz andere Baustellen verweisen, als den Autor respektive die Autorin dafür anzugehen.

    Im Rahmen eines Seminars durfte ich mal Auszüge aus der Bibel in gerechter Sprache lesen.
    Es war für mich ehrlich anstrengend – und die Lektüre solch alter Texte ist von sich aus schon aufreibend genug.
    Es ist also in meinen Augen kein Mehrwert oder eine Verbesserung für die Frauen, da jetzt Texte anders zu schreiben.

  9. Dass nicht von „Anbieterinnen“ geschrieben wird, kann ich verstehen, denn ein Anbieter ist in der Regel ein geschlechtsneutrales Unternehmen und keine Person. Auch „Opferinnen“, wo „Opfer“ doch schon neutrum ist, klingt seltsam.
    Aber wieso nicht „Spioninnen“? (Es kann schwerlich am fehlenden „er“ liegen, man spricht ja auch von „Akrobatinnen“.)

  10. Ich denke was sich an den Reaktionen zeigt ist, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist, und sich bloß nichts ändern soll. Maskulines Generikum war schon immer, und ich will mich doch nicht umgewöhnen müssen! Diese fiesen Feministinnen, wegen denen muss ich mich umgewöhnen tun!

    Sobald das ein paar mal durchgezogen wurde, kräht kein Hahn mehr danach, also: Weitermachen 🙂

  11. Nun, vielleicht hätten Sie einen Hiinweis auf Ihr Experiment gegeben sollen. Denn letztlich ist es Ihr Fehler dass Missverständnisse auftraten wenn Sie entgegen der Norm, nach der z.b. das Wort „Nutzerin“ explizit weiblich ist, einen Text verfassen.
    Allen Formen des generischen Maskulinum zum Trotz fehlt übrigens nach wie vor eine Bezeichnung die explizit Männer anspricht.

  12. Das Problem bei Ihrem Experiment ist: Nirgendwo im urpsrpünglichen Artikel war ersichtlich, dass sie das generische Femininum verwenden. Das generische Maskulinum ist nun mal in der deutschen Sprache etabliert, d.h. wenn irgendwo von „Autoren“ die Rede ist, ist klar, dass damit auch Autorinnen gemeint sind (ob das heutzutage noch angemessen ist steht auf einem anderen Blatt). Das generische Femininum wird hingegen so sollten verwendet, dass die meisten leute vermutlich nicht mal wissen, dass es existiert. Das ist natürlich keine Argument gegen die Verwendung. Aber hätten Sie in der Einleitung geschrieben, dass sie hier das generische Femininum verwenden, wären vermutlich weniger negative Kommentare eingegangen.

  13. Neben Strukturen, die eine gewisse Bedeutung haben und dem Satz erstmal eine grundlegende Ordnung geben, gibt es auch einen Kontext, dessen sich das SprecherX bewußt ist.

    Absurd, hier einfach mit Brachialgewalt ändern zu wollen – Sprache entwickelt sich entsprechend den Erfordernissen.

  14. Mansplaining in voller Aktion! Hahaha! Fast schon putzig – wie die Schwalbenküken.

  15. Pingback: Blogspektrogramm 35/2015 – Sprachlog

  16. „Als Fazit bleibt es nur noch, einer Nutzer*in das letzte Wort zu überlassen und gemeinsam mit ihr zu bedauern, dass bei der ganzen Diskussion die Inhalte des Artikels gar nicht vorkamen.“

    BULLSHIT: Der gesamte Artikel diente doch dem Ausprobieren des generischen Femininums, ob der mangelnden Diskusion darum.

    Ich zitiere: „Selten – eigentlich gar nicht – wird diskutiert, ob das generische Femininum eine Alternative wäre, also nur die weibliche Form von Wörtern zu verwenden und damit alle Menschen zu meinen. Das Wort “Autorinnen” ist nur geringfügig anders als AutorInnen oder Autor*innen und – ganz streng genommen – ist “Autoren” darin auch enthalten.

    Ich habe das mal in einem Artikel ausprobiert.“

    Schließlich beweist der Artikel höchstens, das Frauen sich möglicherweise zu Recht ausgegrenzt haben fühlen dürfen, wenn schließlich Männer umgekehrt genauso reagieren.

    Der Unterschied liegt am Ende, wie ein Nutzer aus dem „Kreis der Absurditäten“ zutreffend erfasst hat, an der Erwartungshaltung der Leser. Das generische Maskulinum ist üblicherweise auf Frauen anzuwenden, das generische Femininum aber dagegen (bisher) nicht auf Männer (jedenfalls nicht in der Erwartungshaltung), daher kannst du wiederum nicht erwarten, das männliche Leser a) sich entlarvt fühlen angesichts der sprachlichen Ausgrenzung der Frauen oder b) das generische Femininum als die Männer beinhaltend akzeptieren.

    Schlussendlich gilt, dass wenn das Argument „das generische Maskulinum grenzt Frauen aus“ lautet dasselbe doch auch umgekehrt der Fall ist, weshalb sich die Männer die deinen Text lasen sich zu Recht ausgegrenzt gefühlt haben (wie ein Leser schrieb: wenn man das gen. Maskulinum anwendet ist umgekehrt klar, das mit *innen nur Frauen gemeint sein können)

  17. Sprache hat lauter Ungerechtigkeiten. Rechts bspw. gilt als gut, Links als schlecht: Recht, gerecht, rechtschaffen, rechtzeitig usw. vs. linkisch, auf links ziehen, gelinkt werden. Korrekt wäre also zu schreiben, um weder Frauen noch Männer noch alle anderen Geschlechtskonstruktionen und weder Rechts- noch Linkshänder_Innen noch alle anderen Handkonstruktionen zu diskriminieren: Rechts_Linksanwält_In. Generischer Rechtsdrall jedenfalls hat ausgedient!

  18. Interessant ist die Reaktion all der Verfechter des generischen Maskulinums, wenn es dann mal um tatsächlich sehr geschlechtsspezifische Themen geht, z.B. sexuelle Gewalt. So schnell kann frau gar nicht gucken, wie dann sofort die „TäterIn“ („Täter_in“, „Täter*in“) gefordert wird. Da muss es dann schon sehr präzise sein, alles andere geht gar nicht, bei Chef, Arbeitgeber, Wissenschaftler, Politiker, Arzt, Lehrer, usw. tut’s das generische Maskulinun natürlich jederzeit…

    • Vorsicht, gerade dieses Argument könnte man problemlos umdrehen – wenn von „Mördern“, „Terroristen“ oder sonstigen „Straftätern“ die Rede ist, herrscht auch bei den Verfechtern der gegenderten Sprache plötzlich Ruhe und niemand beschwert sich lautstark über die Verwendung des generischen Maskulinums. Das vielbeschworene Binnen-I oder andere Formen habe ich in diesen Zusammenhängen jedenfalls noch höchst selten gesehen.
      Und ja, mir ist bewusst, dass es überwiegend Männer sind, die bestimmte Straftaten (besonders im Falle der sexualisierten Gewalt, wobei es da durchaus – wenn auch viel seltener und in anderer Form – „Täterinnen“ gibt, wohlgemerkt) begehen. Wenn wir aber damit anfangen, die Verwendung der einen oder der anderen Form von den jeweiligen Mehrheiten abhängig zu machen, wird das Ganze vollends absurd und chaotisch: Gibt es mehr Ärzte oder mehr Ärztinnen? Gibt es mehr Juristen oder Juristinnen?

      Zum eigentlichen Thema: Mich langweilt diese Diskussion mittlerweile einfach nur noch. Die Argumente sind letztlich auf beiden Seiten immer die gleichen und es scheint kein befriedigendes Ergebnis für alle zu geben. Ich kann damit leben.
      Von mir aus kann daher jeder Verfasser/jede Verfasserin eines Textes schreiben wie er/sie das für richtig hält – solange Orthographie und Grammatik beachtet werden, ist mir alles andere egal (da ich zu denen gehöre, die in der Schule beide Rechtschreibungen lernen mussten, ist mir sogar egal, welche Regeln diesbezüglich verwendet werden – ich kann sowieso nicht mehr immer genau unterscheiden, was alt und was neu ist). Ich werde allein daraus jedenfalls nicht ableiten, welche Einstellung der jeweilige Mensch zur Gleichberechtigung hat. Ob Frauen, Männer oder beide gemeint sind, ergibt sich für den aufmerksamen Leser eben notfalls aus dem Kontext – und der wird mir sowieso zu häufig unterschlagen.

  19. Dem einen Kommentar muss ich allerdings teilweise recht geben. Einzig beim Wort „Spion“ wurde die männliche Form genutzt, was mich mehr irritiert hat als die durchgehende Verwendung der femininen Form.
    Persönlich finde ich aber das Binnen-I oder alternativ den Gender-Stern (nennt man das so?) schöner.

  20. Es gibt Fachgebiete, da diskutieren wir alle lustig mit, egal ob wir uns auskennen oder nicht. Linguistische Fachkenntnis, Detailwissen wenn’s um grammatikalische Formen geht? Egal, weil schbreschn könn wa ja alle, ne?!

    Hier ein Link zu einem Artikel ü. e. Studie, die aufgrund von Hirnaktivitäten (die per MRT beobachtet wurden) zum dem Schluss kommt: „Nur wer von Frauen spricht, meint sie auch.“

    http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.gleichberechtigung-in-der-sprache-nur-wer-von-frauen-spricht-meint-sie-auch.39a3ca8e-d760-4eac-a9ad-c50ca1e64966.html

    • Wir haben auch alle eine Meinung zur Politik, zum Sport oder zum Wetter, obwohl die wenigsten von uns Politiker, Sportler oder Meteorologen sind.

      Das Argument, daß man vom Fach sein müsse, um mitreden zu dürfen, ist hanebüchen.

      PS: Und wenn ich von Politikern, Sportlern und Meteorologen schreiben, dann meine ich auch Politikerinnen, Sportlerinnen und Meteorologinnen. Unabhängig davon, was die von Ihnen zitierte Studie behauptet.

      • Wen du meinst anzusprechen und wer sich angesprochen fühlt sind zwei (sehr) unterschiedliche Dinge, die nur im Idealfall identisch sind. dieser scheint nicht einzutreten, da du, besserem wissen zum trotz, nicht beabsichtigst deinen(bewussten) Sprachgebrauch zu ändern und sich aber deine zuhörerinnen (unbewusst) in der Spanne deines Lebens nicht mehr von dem Ach-so-etablierten generischem maskulinum angesprochen fühlen werden ((als Generationen vor ihnen)).