Tierrechtsaktivisten: Die neuen Terroristen
vonIch bin vorhin über eine Meldung gestolpert, die zwar nicht direkt mit Überwachung zu tun hat, aber trotzdem zu diesem Blog passt – wer mal in die Adressleiste schaut, wird sehen, dass die URL des Blogs das Wort “Paranoia” enthält. Es ist mal wieder so weit, dass die Realität noch schneller zugeschlagen hat, als ich mir in meinen paranoidsten Momenten vorgestellt hätte.
The NewStandard: House Passes ‘Terrorism’ Act Against Animal Activists:
Monday afternoon, the US House of Representatives passed a bill that reclassifies unlawful animal-rights tactics as terrorism under certain conditions, even if they are non-violent. [...]
[T]he bill will classify civil disobedience actions – such as blockades, property destruction, trespassing, and the freeing of captive animals – as terrorism. [...]
[A] House version of the bill swept in “non-violent physical obstruction of an animal enterprise” as an offense if it causes a loss of profits.
Zusammengefasst: Akte zivilen Ungehorsams können als Terrorismus klassifiziert werden – insbesondere, wenn sie Profitverluste verursachen.
Wer ein wenig aufgepasst hat, weiß, dass im September in den USA ein Gesetz verabschiedet wurde, der Military Commissions Act, das Terrorismusverdächtigen das Recht auf eine Gerichtsverhandlung abspricht und erlaubt, sie auf unbestimmte Zeit in Militärgefängnissen festzuhalten. Auch Folter ist explizit nicht ausgeschlossen. Das kann einem jetzt also in den USA zustoßen, wenn man z.B. ein Firmengelände blockiert.
Was mich daran schockiert, ist die Dreistigkeit, mit der bei der Verabschiedung dieses Gesetzes im Zusammenhang mit dem Military Commissions Act vorgegangen wurde. Man muss ja beinahe naiv sein, um zu glauben, das Terroristen wirklich die Zielgruppe des MCA sind. Dass so kurz darauf ein Gesetz verabschiedet worden ist, das Terrorismus völlig neu definiert, zeigt dass die Führungselite der USA es noch nicht einmal für nötig hält, ihr Vorgehen zu verstecken oder zu rechtfertigen.
Was geht uns in Europa, in Deutschland, das an? Direkt nichts, aber es illustriert, was ich schon zuvor gesagt habe: Erst werden Rechte mit dem Hinweis auf die öffentliche Sicherheit beschnitten, dann wird die öffentliche Sicherheit so weit gefasst, dass alle Akte, die den Regierenden nicht in den Kram passen, als bedrohlich definiert sind.
Als ob es bei uns so viel besser wäre…
Aber jammern hilft nichts.
Wir dürfen nicht einfach zusehen, wie sich der Staat gegen die eigene Bevölkerung richtet. Solidarität – jetzt und überall! Solidemos, Kundgebungen, Plakatieren, informieren, sabotieren. Es gibt tausend Wege sich zu wehren – finde deinen und geh ihn!
(mehr auf austria.indymedia.org)
“Am 21.5.2008 stürmten WEGA Beamte um ca. 07:00 Uhr mehrer Wohnungen in Wien, Niederösterreich, Steiermark und Tirol. Einige der teilweise noch schlafenden Bewohner_innen wurden mit gezogenen Waffen in ihren Betten geweckt. Durchsucht wurden insgesamt 23 Wohnungen, Häusern und Büros. Begründung für die Hausdurchsuchungen ist der Vorwurf der Bildung einer kriminellen Organisation gemäß §278a StGB. 10 Personen wurden festgenommen und im Landesgericht Wr. Neustadt inhaftiert. Gegen alle 10 verhafteten TierrechtsaktivistInnen wurde Untersuchungshaft verhängt. Am 28. Mai wurden einige der Gefangenen vollkommen unbegründet und ohne Mitteilung an die RechtsanwältInnen in die Justizanstalt Josefstadt in Wien sowie in die Justizanstalt Eisenstadt verlegt. Einige der Gefangenen befinden sich in Hungerstreik.”