26.09.2010 von dorothea hahn
Bis Mitte der Woche ahnte ich nichts von seiner Existenz. Vor drei Tagen war er auf der Außenseite meines Wohnzimmerfensters. Vor zwei Tagen lief er über meinen Teppichboden. Gestern fand ich ihn in einem Artikel auf der Titelseite der “Washington Post”. Und heute ist er schon in diesem Blog.
Halyomorpha halys hat eine Blitzkarriere gemacht. Der fingernagelgroße Käfer verdankt seinen Aufstieg mindestens drei Faktoren: Der Globalisierung. Seinem eigenen Gestank. Und der ausgeprägten Fähigkeit der US-amerikanischen Medien zur Dramatisierung.
Der Käfer ist ein Neuankömmling in den USA. Erstmals wurde er Ende der 90er Jahre auf Zierpflanzen gesichtet, in Allentown, Pennsylvania, einem Bundesstaat nördlich von Washington. Vermutlich kam er als klandestiner Passagier an. Versteckt in einem Warencontainer aus Asien. Aus China, Korea oder Japan, wo seine alte Heimat ist.
In Pennsylvania begann für Halyomorpha halys ein neues, sorglosesLeben. Mit einer Käfergeneration pro Jahr. Und ohne natürlichen Feind. Das ist ganz anders, als… weiter lesen
24.09.2010 von dorothea hahn
In den hiesigen Medien ist es allenfalls eine Kurzmeldung. Verständnislose Journalisten berichten, dass alle anderen Europäer “viel länger” arbeiten. Behaupten, der französische Präsident habe gar keine andere Wahl, als das Rentenalter heraufzusetzen. Und suggerieren, dass Streiken in Frankreich eine Art Volkssport sei. Dazu zeigen sie Bilder von Leuten, die in der Herbstsonne auf einer Terasse sitzen und das Leben genießen. Wahlweise bei Wein oder Pastis.
Hach! Wie gerne wäre ich heute in Paris. Oder in Marseille. Oder in Toulouse. Auf irgend einem Boulevard, inmitten von verantwortungslosen und genetisch zum Streiken vorprogrammierten Menschen, die auf Lohn verzichten, um soziale Gerechtigkeit zu verlangen. Die in der Demonstration leben. Und die Dinge verteidigen, von denen auf dieser Seite des Atlantiks niemand zu träumen wagt: Die Rente mit 60. Kollektive Lohnvereinbarungen. Und einen starken öffentlichen Dienst.
Nie habe ich ein Land aufregender und inspirierender erlebt, als Frankreich an solchen Tagen. Streiktage in Frankreich mögen… weiter lesen
21.09.2010 von dorothea hahn
Sagt Ihnen der Name Garfield etwas? Klingt Ihnen möglicherweise McKinley bekannt?
Nein? Das ist nicht verwunderlich. Selbst die meisten ihrer Landleute kennen diese beiden Herren nicht. Dabei gibt es für beide Gedenkstätten im Land: Garfield ist an keinem geringeren Ort als in dem Park Mall im Herzen von Washington mit einer überlebensgroßen Statue vertreten, für McKinley gibt es einen Obelisken in seiner Heimatstadt Buffalo. Und dabei haben beide Herren zu Lebzeiten – und vor allem danach – jede Menge Schlagzeilen in den Zeitungen ihrer Zeit gemacht.
James A Garfield und William McKinley waren US-Präsidenten. Ersterer bis 1881. Letzterer bis 1901. Beide gehörten zur Republikanischen Partei. Beide starben an den Folgen von tödlichen Schüssen. Beide Männer aus dem 19. Jahrhundert sind im Laufe des 20. Opfer von historischer Amnesie geworden. Wer heute in den USA nach den ermordeten Präsidenten fragt, wird statt vier Namen meist nur zwei hören: Abraham Lincoln, der… weiter lesen
06.09.2010 von dorothea hahn
Der Sommer ist vorbei. Die Temperaturen sind unter die dreistellige (Fahrenheit) Grenze gerutscht – hinein in den Bereich von unter 30 Grad (Celsius). An der Atlantikküste und im Golf von Mexiko wirbeln noch ein paar Sommerstürme. Die Schule beginnt. Und die PolitikerInnen sind zurück in “DC”. Sie beschiessen sich mit einer Schärfe, wie ich sie in Frankreich nicht erlebt habe. Solcherart stimmen sie uns auf die “Midterm”-Wahlen am 2. November ein. Die RepublikanerInnen wollen bei der Gelegenheit die Mehrheiten in beiden Kammern zurück erobern. Die DemokratInnen hoffen auf ein kleines Wunder.
Doch heute ist erst einmal “Labor Day” – der hiesige Tag der Arbeit. Ein gesetzlicher Feiertag. Zudem einer, der grundsätzlich auf einen Werktag fällt: immer auf den ersten Montag im September. Das ergibt ein letztes langes Wochenende, an dem alle Behörden und alle Schulen geschlossen und an dem die Strände und Wälder noch einmal voller Menschen sind. Anschliessend öffnet… weiter lesen