Archive for April, 2011

30.04.2011 von dorothea hahn
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Hungerstreik gegen Obama.

von dorothea hahn

Im Medienland USA fliessen Informationen oft in Lichtgeschwindigkeit. Wenn am anderen Ende der Welt etwas passiert – in Tokio, Kairo oder Tunis – sind die grossen US-Fernsehsender life dabei. Doch über manche Ereignisse -  manchmal viel näher an Washington – kommt überhaupt nichts.

So geschehen mit einem Hungerstreik in Guantánamo.  Wie heute die Onlinezeitung –>Truthout meldet, haben “mindestens 15 Gefangene” in Guantánamo im März einen Hungerstreik gemacht. Sie protestierten gegen eine Verfügung,  die Barack  Obama Anfang des Monats unterzeichnet hat. In dem “Executive Order” des US-Präsidenten, der versprochen hatte, Guantánamo zu schliessen, steht unter anderem, dass Menschen ohne Prozess auf unbefristete Zeit in dem Lager gefangen gehalten werden  können (–>ACLU).

Die Stimmung in Guantánamo hatte sich im Januar verschlechtert. Damals wurde bekannt, dass die Gefangenen aus Lager 1 und 4 (mittlere Sicherheitsstufe) in Lager 5 und 6 (Hochsichertrakte) verlegt werden sollten: mit weniger Freigang und weniger… weiter lesen

28.04.2011 von dorothea hahn
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Neue Chance für Todeskandidaten.

von dorothea hahn

Für Mumia Abu-Jamal ist es die beste Nachricht seit langem: Ein Bundesberufungsgericht in Philadelphia hat am Dienstag sein Todesurteil als “nicht-verfassungskonform” bezeichnet. Das –> Gericht entschied einstimmig.Zur Begründung verwies es auf die unklaren und irreleitenden Anweisungen, die die Geschworenen bekommen haben, als sie Abu-Jamal im Jahr 1982 zum Tode verurteilten.

Mumia Abu-Jamal. Foto Philadelphia Inquirer

Der heute 58jährige ist der prominenteste unter den mehr als 3.200 zum Tode Verurteilten in den USA. Im Jahr 1982 ist er wegen Mordes an dem Polizisten Daniel Faulker schuldig gesprochen worden. Mit jenem Schuldspruch hat sich das Berufungsgericht nicht befasst. Ihm ging es um den danach erfolgten nächsten Schritt: Todesstrafe oder Lebenslänglich. Das Berufungsgericht verlangt ein neues Verfahren, in dem die Geschworenen unvoreingenommen über das Strafmaß entscheiden können. Für Abu-Jamal könnte das eine Umwandlung des Todesurteils in “lebenslänglich” bedeuten.

Der frühere –> Black-Panther-Aktivist bestreitet den Mord. In seiner… weiter lesen

27.04.2011 von dorothea hahn
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Geburtszertifikat.

von dorothea hahn

Donald Trump ist ein us-amerikanischer Held: Bauunternehmer. Kasinobetreiber. Trash-Fernsehproduzent. Alleinunterhalter. Milliardär. Schürzenjäger.

Als nächstes möchte er US-Präsident werden. Als Republikaner.

Die bisherige Kampagne des Mannes gibt einen Vorgeschmack darauf, was in den nächsten Monaten zu erwarten ist. Trump tingelt von einem TV-Sender zum nächsten und spricht nicht etwa über Arbeit, nicht über Wirtschaft und nicht über Politik. Wenn er den Krieg in Libyen erwähnt, dann um zu sagen: “Ich würde da nur hingehen, wenn ich anschliessend das Öl bekäme.”

Trump geht es um Geburtszertifikate. Genau genommen, um ein einziges: das von Barack Obama.

Lange bevor Trump das Thema entdeckte, hat das Weisse Haus eine amtliche Geburtsbescheinigung vom 4.8.1961 aus Hawai veröffentlicht. Denn schon im letzten Wahlkampf haben rechte Kandidaten versucht, Obama als “Nicht-Amerikaner” zu diffamieren.

Doch von Fakten lässt Trump sich nicht beeindrucken. Seine Spezialität sind Behauptungen. Er setzt sich vor eine Kamera nach der anderen und spekuliert… weiter lesen

18.04.2011 von dorothea hahn
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Ab nach Port-au-Prince.

von dorothea hahn

“Ein kritisch hohes Niveau von Kriminalität, Cholera, häufige und gewalttätige Zwischenfälle in Port-au-Prince und in Provinzstädten, Fehlen angemessener Gesundheitsversorgung und begrenzter Schutz durch die Polizei.”

So beschreibt das US-Aussenministerium die gegenwärtige Lage in Haiti. Auf seiner –> Homepage schildert es sexuellen Missbrauch, Enführungen, Überfälle und Mord, die schon beim Verlassen des Flughafens der haitianischen Hauptstadt drohten. Das Ministerium in Washington rät “dringend” von Reisen nach Haiti ab: Wer dort etwas zu erledigen habe, solle nur fahren, wenn es eine “volle Unterstützung von Organisationen mit solider Infrastruktur, Evakuierungsoptionen und medizinischer Unterstützung” gebe.

Gleichzeitig hat die US-Regierung die nach dem Erdbeben vom Januar 2010 unterbrochenen Abschiebungen nach wieder aufgenommen. Im Januar schoben die Behörden die ersten 27 Personen ab. Ein Mann verstarb neun Tage später in Haiti. Wildrick Guerrier, 34, der bis zu seiner Abschiebung gesund war, bekam choleraähnliche Symptome in der mit 17 Personen gefüllten Gefängniszelle in Haiti, in… weiter lesen

13.04.2011 von dorothea hahn
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Übermüdung.

von dorothea hahn

Immerhin haben Fluglotsen in den USA keine Schlafstörungen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist, dass sie bisweilen ganz allein im Tower sind.

Am Mittwoch Morgen bittet ein Pilot, der einen Notfallpatienten an Bord hat, um eine Landeerlaubnis auf dem internationalen Flughafen von Reno. Eine Viertelstunde lang kommt keine Antwort. Der Mann im Tower schlaeft. Der Pilot landet auf Sicht.

Reno ist das dritte bekannt gewordene Mal binnen weniger Wochen, dass ein Fluglotse in den USA im Dienst einnickt. An einem Abend Ende März schläft ein Fluglotse im Tower des Nationalen Flughafens von Washington. Zwei grosse Maschinen müssen auf Sicht auf dem Flughafen der US-Hauptstadt landen.

In allen Fällen sind die Fluglotsen allein im Tower. Und in allen Fällen werden sie nach dem Wecken gleich vom Dienst suspendiert.

Die Ereignisse in den Towers enthüllen, wie prekär es um die Luft-Sicherheit in den USA steht. Mindestens 27 Aufsichtstürme auf großen Flughäfen des… weiter lesen

11.04.2011 von dorothea hahn
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Unschuld.

von dorothea hahn

L. Posada Carriles. F: AP.

Dieser alte Mann hat Jahrzehnte damit verbracht, gegen linke Regierungen quer durch Lateinamerika zu kämpfen. Er hat Waffengeschäfte abgewickelt. Er hat versucht, Fidel Castro zu ermorden. Er ist Hauptverdächtiger eines Flugzeugattentates, bei dem 73 Menschen ums Leben kamen. Und er hat damit geprahlt, Bombenattentate in Hotels in Havanna organisiert zu haben, bei denen 1997 ein italienischer Tourist ums Leben kam (in der –>New York Times).

Aber für das Schwurgericht in der texanischen Stadt El Paso ist Luis Posada Carriles unschuldig. In der Rekordzeit von weniger als drei Stunden sprachen die sieben Geschworene ihn am Freitag  frei (–> El Paso Times). Dabei votierten sie in sämtlichen elf Anklagepunkten einstimmg. Anschliessend verliessen sie das Gericht durch eine Seitentür. Mit ReporterInnen, die wissen wollten, wie ihr überraschendes Urteil zustande kam, sprach keineR von ihnen.

Der gebürtige Kubaner Posada Carriles… weiter lesen

10.04.2011 von dorothea hahn
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Scheitern.

von dorothea hahn

Derrick Lemon ist acht, als er zum ersten Mal in die Schlagzeilen kommt. Am 13. Oktober 1994 ermorden zwei Jungen  – sie sind zehn und elf Jahre alt – seinen fünfjährigen Bruder. Sie werfen den kleinen Eric aus dem 14. Stock eines Gebäudes in Chicago. Derrick versucht vergeblich, sie daran zu hindern.

Derrick Lemon. F:Chicago Tribune

Vor Gericht beschreibt der achtjährige Derrick, wie er vierzehn Stockwerke herunterrannte, um noch vor Eric auf dem Trottoir anzukommen. “Ich wollte meinen Bruder auffangen”, sagt er.

Bei der Zeugenaussage sitzt Derrick auf einem Telefonbuch,  um an das Mikrofon heranzureichen. Das Verbrechen löst eine Welle des Mitgefühls für ihn aus. Die beiden Mörder seines Bruders kommen ins Gefängnis. In einem eigens für sie geschriebenen Gesetz wird das Mindestalter für Gefängnis in Illinois von dreizehn auf zehn Jahre gesenkt. Sie werden die jüngsten Gefängnisinsassen der USA.

Siebzehn Jahre später ist auch Derrick hinter Gittern.… weiter lesen

07.04.2011 von dorothea hahn
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204.

von dorothea hahn

Auf dem Höhepunkt ihrer Protest-Bewegung sind Capitol-BesetzerInnen in Wisconsin auf die Idee gekommen, eine Wahl zum Obersten Gericht ihres Bundesstaates für ihre Zwecke zu nutzen. Sie unterstützten die Kandidatin JoAnne Kloppenburg. Um mit ihr die bisherige Mehrheit in dem Gremium (vier Konservative gegen drei Fortschrittliche) umzukehren.

Seit ihrem Auszug aus dem Capitol haben die Linken von Wisconsin für die “erfahrene, unbestechliche und unabhängige Richterin” geworben. Dabei hatten sie immer das “Haushaltsgesetz” von Gouverneur Scott Walker im Sinn. Das Gesetz – ein Frontalangriff auf Gewerkschaften und Mitbestimmung im Öffentlichen Dienst – ist vorerst wegen Formfehlern per richterlicher Verfügung ausgesetzt. Aber früher oder später wird es vor dem Obersten Gericht von Wisconsin landen.

JoAnne Kloppenburg.

Die Rechnung könnte aufgegangen sein. Mit einem Ergebnis, das kaum knapper sein könnte: Die erste Auszählung der 1,5 Millionen Stimmen, die bei der Wahl am Dienstag abgegeben worden sind, ergab einen… weiter lesen

05.04.2011 von dorothea hahn
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Schlüsselloch.

von dorothea hahn

Das Wappentier der USA ist ein grimmig dreinblickender Raubvogel,  mit einer Flügelspannweite von mehr als zwei Metern, der hoch in der Luft seine Kreise zieht. Auf der Suche nach Beute.

Aber auch Seeadler fangen klein an. Und sind putzig und herzerweichend hilflos.

In diesem Frühling können alle, die einen Computer haben, zuschauen, wie Adler-Küken in grauem Flaum ihre ersten stolpernden Schritte tun und ihre ersten Stücke rohes Fleisch verschlingen.

Zwei Kameras, die am Rand eines Nestes auf einem Baum in Decorah, im Bundesstaat Iowa, installiert sind, machen es möglich. Sie filmen Tag und Nacht das Geschehen bei Seeadlers.

Hunderttausende InternautInnen sind dabei. Am Samstag, als Seeadler-Küken Nummer eins sein Ei sprengt, bringen sie den Server von Raptor Resource zum Zusammenbruch. Doch bei der Ankunft von Küken Nummer zwei, am Sonntag, steht die Leitung wieder.

Küken Nummer drei ist unterwegs. Die Eierschale ist schon rissig. Alles Weitere… weiter lesen

01.04.2011 von dorothea hahn
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Nebulös.

von dorothea hahn

Die Rebellen, zu deren Gunsten ein großer Teil der Welt Libyen bombardiert, sind gegen Gaddafi.

So viel ist bekannt. Der Rest ist nebulös. Zumindest nach Darstellung von Aussenministerin Hillary Clinton und Verteidigungsminister Robert Gates. Am Mittwoch sagen sie vor Mitgliedern des US-Kongresses, sie versuchten weiterhin, sich ein klares Bild von der Zusammensetzung der Rebellion zu verschaffen. Zugleich wollen sie die Abgeordneten beruhigen und sagen, dass sie “zu wissen glauben”, bei der Rebellion gebe es “keine große Zahl” von islamistischen Elementen. Das passt nicht so recht zu einer Analyse über Al Kaida, die die Militärakademie von –> West Point gemacht hat. Sie stellt Ende 2007 fest, dass überdurchschnittlich viele islamistische Kämpfer im Irak aus Libyen stammen – und davon widerum 24 Prozent aus Bengasi. Aber das tut hier wenig zur Sache.

Ein Reporter des –> New Yorker liefert zur aktuellen Situation konkretere Angaben als die SpitzenpolitikerInnen. Jon Lee… weiter lesen