06.05.2011 von dorothea hahn
Während ihr Ehemann auf Terroristenjagd ist, kämpft Michelle Obama gegen das Übergewicht bei Kindern. Es ist die neue Volkskrankheit in den USA: neun Millionen Kinder zwischen sechs und elf Jahren sind übergewichtig. Drei Mal so viele wie vor drei Jahrzehnten. Ihre Gesundheit ist eine schwere Hypthek für die Zukunft. Ihnen drohen Diabetes, Herzkrankheit und verkürzte Lebenserwartung.
Als am Dienstag 600 Schulen Workouts zu dem neuen Song von Beyoncé: “Move your body” veranstalten, taucht die First Lady an der Alice Deal Middelschool in Washington auf. Dort ermuntert sie die Kids zum Tanzen: “mehr fun, als vor dem Fernseher zu hocken”. Und tanzt selber mit.
Michelle Obama ist eine ausgezeichnete Tänzerin. Aber in diesem Fall geht es nicht nur um den Spass, sondern um die Fortsetzung einer Kampagne, die sie seit zwei Jahren führt. Als erstes hat sie einen Gemüsegarten im Weissen Haus angelegt. Dann begann sie einen… weiter lesen
01.05.2011 von dorothea hahn
Angefangen haben die 1. Mai Demonstrationen in den USA: Im Jahr 1886 – aus Protest gegen Polizeischüsse auf streikende Arbeiter in Chicago.
Doch schon im Jahr 1894 schuffen die USA einen eigenen – nationalen – Labor-Day. Es sollte kein Datum geben, das Leute auf internationalistische – möglicherweise sogar sozialistische – Ideen brachte. “Labor Day” in den USA ist seither der erste Montag im September. Das Besondere an dem Tag? Die Geschäfte machen Sonderangebote.
Über Einwanderer aus Lateinamerika kommt der 1. Mai zurück. Seit Mitte des vergangenen Jahrzehnt demonstrieren Latino-Gruppen in zahlreichen Städten der USA für Bürgerrechte und gegen die Verschärfungen der Immigrationsgesetze. Im Jahr 2006 gingen dabei mehr als eine Million Menschen auf die Straße.
Bislang blieben die Latinos weitgehend unter sich. Doch in diesem Jahr – und im Bundesstaat Wisconsin – nehmen erstmals Spitzen-Repräsentanten der US-Gewerkschaftsbewegung an Immigranten-Demonstrationen teil. Richard Trumka, der US-Präsident der AFL-CIO, sowie mehrere andere Gewerkschaftschefs… weiter lesen
27.04.2011 von dorothea hahn
Donald Trump ist ein us-amerikanischer Held: Bauunternehmer. Kasinobetreiber. Trash-Fernsehproduzent. Alleinunterhalter. Milliardär. Schürzenjäger.
Als nächstes möchte er US-Präsident werden. Als Republikaner.
Die bisherige Kampagne des Mannes gibt einen Vorgeschmack darauf, was in den nächsten Monaten zu erwarten ist. Trump tingelt von einem TV-Sender zum nächsten und spricht nicht etwa über Arbeit, nicht über Wirtschaft und nicht über Politik. Wenn er den Krieg in Libyen erwähnt, dann um zu sagen: “Ich würde da nur hingehen, wenn ich anschliessend das Öl bekäme.”
Trump geht es um Geburtszertifikate. Genau genommen, um ein einziges: das von Barack Obama.
Lange bevor Trump das Thema entdeckte, hat das Weisse Haus eine amtliche Geburtsbescheinigung vom 4.8.1961 aus Hawai veröffentlicht. Denn schon im letzten Wahlkampf haben rechte Kandidaten versucht, Obama als “Nicht-Amerikaner” zu diffamieren.
Doch von Fakten lässt Trump sich nicht beeindrucken. Seine Spezialität sind Behauptungen. Er setzt sich vor eine Kamera nach der anderen und spekuliert… weiter lesen
18.04.2011 von dorothea hahn
“Ein kritisch hohes Niveau von Kriminalität, Cholera, häufige und gewalttätige Zwischenfälle in Port-au-Prince und in Provinzstädten, Fehlen angemessener Gesundheitsversorgung und begrenzter Schutz durch die Polizei.”
So beschreibt das US-Aussenministerium die gegenwärtige Lage in Haiti. Auf seiner –> Homepage schildert es sexuellen Missbrauch, Enführungen, Überfälle und Mord, die schon beim Verlassen des Flughafens der haitianischen Hauptstadt drohten. Das Ministerium in Washington rät “dringend” von Reisen nach Haiti ab: Wer dort etwas zu erledigen habe, solle nur fahren, wenn es eine “volle Unterstützung von Organisationen mit solider Infrastruktur, Evakuierungsoptionen und medizinischer Unterstützung” gebe.
Gleichzeitig hat die US-Regierung die nach dem Erdbeben vom Januar 2010 unterbrochenen Abschiebungen nach wieder aufgenommen. Im Januar schoben die Behörden die ersten 27 Personen ab. Ein Mann verstarb neun Tage später in Haiti. Wildrick Guerrier, 34, der bis zu seiner Abschiebung gesund war, bekam choleraähnliche Symptome in der mit 17 Personen gefüllten Gefängniszelle in Haiti, in… weiter lesen
10.04.2011 von dorothea hahn
Derrick Lemon ist acht, als er zum ersten Mal in die Schlagzeilen kommt. Am 13. Oktober 1994 ermorden zwei Jungen – sie sind zehn und elf Jahre alt – seinen fünfjährigen Bruder. Sie werfen den kleinen Eric aus dem 14. Stock eines Gebäudes in Chicago. Derrick versucht vergeblich, sie daran zu hindern.

Derrick Lemon. F:Chicago Tribune
Vor Gericht beschreibt der achtjährige Derrick, wie er vierzehn Stockwerke herunterrannte, um noch vor Eric auf dem Trottoir anzukommen. “Ich wollte meinen Bruder auffangen”, sagt er.
Bei der Zeugenaussage sitzt Derrick auf einem Telefonbuch, um an das Mikrofon heranzureichen. Das Verbrechen löst eine Welle des Mitgefühls für ihn aus. Die beiden Mörder seines Bruders kommen ins Gefängnis. In einem eigens für sie geschriebenen Gesetz wird das Mindestalter für Gefängnis in Illinois von dreizehn auf zehn Jahre gesenkt. Sie werden die jüngsten Gefängnisinsassen der USA.
Siebzehn Jahre später ist auch Derrick hinter Gittern.… weiter lesen
27.03.2011 von dorothea hahn

F: judytaylorstudio
Diese Bilder heissen “Lehrling”, “Verlorene Kindheit” und “Textilarbeiterinnen” (v.l.n.r.). Sie gehören zu einem elf-teiligen, monumentalen Wandgemälde, das im Arbeitsministerium von Augusta im Bundesstaat Maine hängt.
Doch die Tage des Kunstwerks sind gezählt. Es passt nicht in das Weltbild des neuen Gouverneurs von Maine. Paul LePage hat entschieden, es abzunehmen. Weil es “einseitig” sei. Zur Begründung zitiert der Gouverneur das Fax eines anonymen (sic!) Autors, der sich beschwert habe.
Der Gouverneur will auch sieben Konferenzsäle in seinem Arbeitsministerium umbennennen. In einem E-Mail sind die Beschäftigten der Behörde aufgefordert, neue Namen vorzuschlagen: “Berge, Landkreise oder sonst etwas”.
Bislang heisst einer der Säle: “Frances Perkins” – wie die aus Maine stammende US-Arbeitsministerin, die für die Sozialreformen der 30er Jahre verantwortlich war, darunter die Einführung der 40-Stunden-Woche, das Verbot von Kinderarbeit und die Arbeitslosenversicherung. Ein anderer Saal heisst jetzt noch: “César Chávez” – wie der Gründer der Landarbeitergewerkschaft “weiter lesen
13.02.2011 von dorothea hahn
So strahlend war Barack Obama schon lange nicht mehr.
Als der Abgang von Hosni Mubarak bestätigt ist, tritt der US-Präsident vor ein Mikrofon im Weißen Haus und hält eine bewegende Ansprache.
Es ist eine Ode an eine neue Generation, die auf der Bühne der arabischen Welt angekommen ist, Auf den Hunger nach Veränderung. Auf die Toleranz zwischen Religionen und Kulturen. Und auf das Verantwortungsbewußtsein und die Klugheit, mit der die ägyptischen DemonstrantInnen vorgegangen sind. In Ägypten so der US-Präsident war die “moralische Kraft der Gewaltlosigkeit” am Werk. Anstatt “Terror und sinnloses Töten”.
Zur Feier des Tages führt er ein arabisches Wort in die USA ein: „Selmiyya“. Obama: „Wir haben Demonstranten gesehen, die immer wieder ein Wort singen: „Selmiyya, selmiyya. Wir sind friedlich.“
Der Machtwechsel in Ägypten ist für den US-Präsidenten viel mehr als ein lokales oder regionales Ereignis. Es ist universell und exemplarisch. Und es ist zugleich eine Bestätigung für… weiter lesen
10.02.2011 von dorothea hahn
Die Washingtoner Webseite Wonkette hat es nachgezählt: der Moderator Bill O’Reilly hat den US-Präsidenten 48 mal unterbrochen. Das ingesamt siebenminütige Interview lief am Sonntag auf “Fox”. Wenige Stunden vor Beginn der Übertragung des Super Bowl.
O’Reilly ist einer der Stars von “Fox”. Sein Sender hat die höchsten Einschaltquoten der USA. Außerhalb der großen Städte läuft er beinahe konkurrenzlos. “Fox” bringt die Politik in das “tiefe Amerika”.
Der 61jährige O’Reilly hat bei “Fox” eine tägliche Show. Sie ist rechts. Auf Stammtischniveau. Und komplett um die Person des Moderators herum gestrickt. O’Reilly’s Interviews sind ein Kampfsport: Ein Schlagabtausch, bei dem grundsätzlich der Gastgeber das letzte Wort hat. Die Prominenz gibt sich bei ihm die Klinke in die Hand.
Auch Barack Obama. Der US-Präsident antwortet ernsthaft auf die Fragen zu zu nationaler Sicherheit, zu Ägypten und zum Iran. Doch was er sagen will, ist kaum nachzuvollziehen.… weiter lesen
06.02.2011 von dorothea hahn
Zugegeben: der Winterschlaf hat länger gedauert, als angekündigt. Unvorhergesehenes hat sich dazwischen gedrängelt.
Aber dafür beginnt das Jahr in diesem Blog mit einem Happy-End: Die Scott-Sisters sind frei.
Nach mehr als 16 Jahren hinter Gittern – wegen eines Raubs, bei dem ein Gegenwert von 11 Dollar erbeutet wurde und an dem beide Schwestern stets ihre Beteiligung bestritten haben – durften die Frauen das Gefängnis von Jackson in Mississippi verlassen. Sie sind als 19- und 21jährige verschwunden. Sie kommen als Großmütter zurück. Seit Januar leben sie bei ihrer Mutter. Und lernen ihre Kinder und Enkel kennen.

Jamie (l) und Gladys Scott nach ihrer Freilassung.
Der Gouverneur von Mississippi, Haley Barbour, hat die Gefangenschaft der beiden Frauen im Januar “suspendiert”. Unter einer Bedingung: Gladys (36) soll ihrer im Gefängnis an Nierenversagen erkrankten Schwester Jamie (38) eine Niere spenden. Vorausgesetzt, die Nieren der beiden sind kompatibel.
Wie in diesem Blog im… weiter lesen
18.12.2010 von dorothea hahn
Die Boulangerie ist gleich gegenüber. Der Duft von frischen Baguettes, die der Bäcker selber herstellt, weht bis auf unsere Straßenseite. In der Vitrine sind Butter-Croissants aufgereiht. Neben der Bäckerei befindet sich ein Blumenladen. Daneben ein Tabac. Dann kommt ein Zeitungskiosk. Dann die Post. Dann die Käserei.
Hinter jeder Schaufensterscheibe machen sich VerkäuferInnen zu schaffen. Eine Apothekerin reiht mehrere Fläschchen mit Hustentropfen auf dem Tresen auf. Ein Postbeamter nimmt sich die Zeit, die Vor- und Nachteile der Telefonkarten in seinem Sortiment zu erklären. Der Metzger, der den einzigen Träger seiner weissen Schürze kunstvoll zu dem branchenüblichen Knoten gedreht hat, läßt mich an mehreren Schüsseln mit hausgemachter Terrinen riechen: Hase, Geflügelleber und Wild.
Ein ganz normales Quartier in Paris. Dieses Mal im Westen der Stadt. Mit funktionierendem Einzelhandel. Mit Cafés, von denen jedes anders aussieht und jedes ein eigenes Sortiment hat. Und mit Bussen, die im 5-Minutentakt an die überdachte Haltestelle kommen.… weiter lesen