09.06.2011 von dorothea hahn
“Keine Gewerkschaft” – diese Regel gilt für die Billigsupermärkte von Wal-Mart in den USA und Kanada. Der Einzelhandelskonzern, von dessen Läden ganze Regionen in Nordamerika abhängen, praktiziert eine konsequent gewerkschaftsfeindliche Linie. In seinen Supermärkten arbeiten die Beschäftigten für Niedriglöhne und ohne jede Form von Mitbestimmung. Gewerkschaften sind, so der frühere “Wal-Mart”-Spitzenmanager, John Tate: “blutsaugende Parasiten”. Als sich in einer Zweigstelle von “Wal-Mart” in Kanada die Belegschaft in einer Gewerkschaft organisiert, schliesst das Management gleich den kompletten Supermarkt.

Mduduzi Mbongwe.
In Südafrika hat der größte private Arbeitgeber der Welt, mit insgesamt zwei Millionen Beschäftigten, jetzt eine Lektion in betrieblicher Demokratie erhalten. “Wal-Mart” wollte in die Einzelhandelskette “Massmart” einsteigen. Doch bevor die südafrikanische Regierung zustimmte, hatten die Gewerkschaften das Wort. Und die verlangten nicht nur, dass “Wal-Mart” das südafrikanische Arbeitsrecht akzeptiert, sondern auch, dass der Konzern seinen Beschäftigten in den USA das Recht auf gewerkschaftliche Vertretung einräumt. Die weiter lesen
07.06.2011 von dorothea hahn
Fernsehen in den USA ist manchmal spannend. Heute war wieder so ein Tag: Da hat der demokratische Kongress-Abgeordnete Anthony Weiner in einer halbstündigen Pressekonferenz vour laufenden Kameras eine Beichte abgelegt, die selbst Reality-TV-erfahrenen JournalistInnen vorübergehend die Sprache verschlagen hat. Es ging um Sex und Wahrheit.
Der Abgeordnete gibt zu, dass er gelogen hat. Gesteht, dass er “ungefähr sechs” Frauen in den vergangenen drei Jahren – und zuletzt am vergangenen Freitag – “unangebrachte” Fotos und Texte im Internet geschickt habe. Sagt schluchzend: “Ich habe eine große Dummheit gemacht. Es war sehr, sehr dumm”. Entschuldigt sich bei seiner Frau, bei seiner Familie, bei seinen KollegInnen und bei seinen WählerInnen. Antwortet auf Fragen von hunderten von JournalistInnen. Begründet seine Lügen damit, dass er sich “geschämt” habe. Wischt sich Tränen aus den Augen. Und verlässt den Konferenzraum erst, als ein Reporter nach technischen Details seiner Erektion fragt.
Weiner ist ein Mann vom linken Flügel… weiter lesen
29.03.2011 von dorothea hahn
Zehn Jahre, nachdem die Invasion von Afghanistan begonnen hat, gibt es Leute aus den USA, die eine Frau fürchten, die sowohl die Krieger aus ihrem eigenen Land kritisiert, als auch die ausländischen.

Foto: Wikipedia
Als Malalai Joya, afghanische Ex-Parlamentsabgeordnete und Frauen- und Menschenrechtlerin, Mitte März in der US-Botschaft in Kabul ein Besuchsvisum für drei Wochen in den USA beantragt, erhält sie eine Ablehung. Begründung: Sie lebe im Untergrund und sie sei arbeitslos.
Die 32jährige, die zahlreiche internationale Auszeichnungen erhalten hat, will zu Lesungen aus ihrem Buch “A Woman among Warlords” und zu Diskussionen über den Afghanistan-Krieg in die USA reisen. Erst nachdem die Termine für ihre Veranstaltungen in Washington und in New York verstrichen sind, macht die US-Diplomatie eine Kehrtwende. Ende vergangener Woche – nach Proteste bei US-Botschaften (unter anderem in Briefen wie –> diesem von US-Abgeordneten) – erhält Malalai Joya doch noch… weiter lesen
24.03.2011 von dorothea hahn
Die Amazonen mit dunklen Sonnenbrillen, die über Muammar Gaddafis Sicherheit wachen, hat die Welt schon oft gesehen. Aber dass die us-amerikanischen Kriegsflugzeuge in Libyen von einer Frau befehligt werden, hat erst in dieser Woche der Militärreporter Thomas Ricks in einem Blog bei –> Foreign Policy veröffentlicht. Mit der Überschrift “Das neue Gesicht des Krieges: Eine Generalin kommandiert die US-Luftangriffe” stellt er Margaret Woodward vor.

Brig. Gen. Margaret Woodward bei ihrer Amtseinführung im Juni 2010. Foto: "Kaiserslauternamerican"
Von Deutschland aus, wo das für Militäroperationen in 53 afrikanischen Ländern zuständige “United States Africa Command” (Africom) sein Headquarter hat, schickt Margaret Woodward seit vergangenem Samstag B-2 und F-15E Bomber nach Libyen. Nach Ricks Informationen ist sie die erste Frau, an der Spitze eines Luftkrieges.
Auch bei der Entscheidungsfindung von Barack Obama, die der Militäroperation vorausging, haben Frauen eine zentrale Rolle gespielt. Während der Verteidigungsminister und zahlreiche Spitzenmilitärs vor… weiter lesen
03.03.2011 von dorothea hahn
Die Westboro Baptist Church ist eine kleine, radikale Gruppe.
Ihre Mitglieder hassen. Und wo immer sie Gelegenheit haben, demonstrieren sie ihren Hass.
* Zum Beispiel bei Beerdigungen von gefallenen homosexuellen Soldaten: Da treten sie mit Transparenten auf, die beinhalten: “Gott hasst Schwuchteln” und die den Toten die “Hölle” wünschen.
* Zum Beispiel vor gynäkologischen Kliniken:. Da bezeichnen sie Frauen, die eine Abtreibung machen lassen, als “Mörderinnen” und “Terroristinnen”.
* Zum Beispiel vor jüdischen Gedenkstätten: Da steht auf ihren Transparenten: “God hates Jews”. Und da kündigen sie an: “Im Gegensatz zu dem was kommen wird, war der Holocaust eine Tea party”.
Am Mittwoch hat das oberste Gericht der USA entschieden, dass diese Auftritte vom Grundrecht der Meinungsfreiheit geschützt sind. In dem Urteil haben acht – der neun – obersten Richter die Hass-Demonstrationen unter den Schutz des First Amendment gestellt.
In den USA wo jedes Mal,… weiter lesen
24.02.2011 von dorothea hahn
Es kommt ein wenig von hinten durch die Brust ins Auge. Aber es ist ein Fortschritt. Zumindest für Lesben und Schwule mit Heiratsabsichten. Manche von ihnen feiern bereits die zweite große Geste von Barack Obama gegenüber den Homosexuellen – knapp drei Monate nachdem er die Gleichbehandlung im Militär durchgesetzt hat.
Paradoxerweise hadert der Präsident der USA weiterhin mit sich selbst. “Seine persönliche Meinung entwickelt sich”, läßt er seinen Sprecher mitteilen. Aber politisch hat Obama sich entschieden. Er hat seinen Justizminister angewiesen, vor Gericht nicht länger ein Gesetz aus dem Jahr 1996 zu verteidigen. Das “Defense of Marriage Act” (DOMA) genannte Gesetz war die Antwort des US-Kongresses auf jene Bundesstaaten, die kurz vor der Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe standen. Während Hawai die gleichgeschlechtliche Ehe schuf, machte die Bundesregierung in Washington sie mit dem DOMA-Gesetz unmöglich. Die Ehe ist eine Sache zwischen einem Mann und einer Frau, steht in dem Gesetz.
Fünfzehn… weiter lesen
17.02.2011 von dorothea hahn
Lara Logan ist aus dem Krankenhaus entlassen worden. Die Reporterin des US-Fernsehsehnders CBS, die mit Berichten aus den Kriegen in Irak und Afghanistan bekannt geworden ist, war an dem Abend, als in Kairo ein Freudenfest über das Ende des Tyrannen stattfand, auf dem Tahrir Platz Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Am Morgen danach ist sie zur Behandlung in die USA zurück gekehrt.
In einem knappen Kommuniqué hat CBS am Dienstag erklärt: “Lara Logan berichtete über das Jubelfest auf dem Tahrir-Platz, als sie von einer gefährlichen Gruppe mit mehr als 200 Leuten eingekreist wurde. Der aufgewühlte Mob drängte sie von ihrem Team weg. Sie wurde umzingelt, erlitt einen brutalen und lang anhaltenden sexuellen Angriff und wurde geschlagen. Eine Gruppe von Frauen und rund 20 ägyptische Soldaten haben sie gerettet.”
Als wäre das nicht genug, löste die Nachricht von dem Verbrechen in Ägypten, in der Blogosphäre der USA eine Welle von… weiter lesen
15.02.2011 von dorothea hahn
Das konservative Treffen CPAC, bei dem am Wochenende 10.000 Leute in Washington zusammen gekommen sind, stand unter den schlechtestmöglichen Vorzeichen: Untreue, Lüge, Sex und Erwischtwerden. Alles bei jemandem aus den eigenen Reihen.
Doch im letzten Moment retteten zwei völlig unterschiedliche Dinge an zwei weit voneinander entfernten Flecken des Planeten den Ruf der Bewegung, die von sich behauptet, die “family values” zu verteidigen: In Ägypten wurde ein Diktator gegangen – mit einer atemberaubenden Dynamik, die einen großen Teil der Medienaufmerksamkeit absorbierte. Und in Washington trat ein Kongressman zurück. Bei seiner rasanten Flucht aus der Hauptstadt legte auch er eine nie zuvor erlebte Eile zutage.
Chris Lee ist 45 und verheiratet und war seit 2008 Abgeordneter der republikanischen Partei im Repräsentantenhaus. Er ist Wert-Konservativer. Einer von jenen, die bis zuletzt das im Dezember abgeschaffte DADT Gesetz unterstützt haben, das homosexuelle SoldatInnen zu Heimlichtuerei und Heuchelei zwang. Und einer jener, die… weiter lesen
06.02.2011 von dorothea hahn
Zugegeben: der Winterschlaf hat länger gedauert, als angekündigt. Unvorhergesehenes hat sich dazwischen gedrängelt.
Aber dafür beginnt das Jahr in diesem Blog mit einem Happy-End: Die Scott-Sisters sind frei.
Nach mehr als 16 Jahren hinter Gittern – wegen eines Raubs, bei dem ein Gegenwert von 11 Dollar erbeutet wurde und an dem beide Schwestern stets ihre Beteiligung bestritten haben – durften die Frauen das Gefängnis von Jackson in Mississippi verlassen. Sie sind als 19- und 21jährige verschwunden. Sie kommen als Großmütter zurück. Seit Januar leben sie bei ihrer Mutter. Und lernen ihre Kinder und Enkel kennen.

Jamie (l) und Gladys Scott nach ihrer Freilassung.
Der Gouverneur von Mississippi, Haley Barbour, hat die Gefangenschaft der beiden Frauen im Januar “suspendiert”. Unter einer Bedingung: Gladys (36) soll ihrer im Gefängnis an Nierenversagen erkrankten Schwester Jamie (38) eine Niere spenden. Vorausgesetzt, die Nieren der beiden sind kompatibel.
Wie in diesem Blog im… weiter lesen
18.11.2010 von dorothea hahn
Diese sieben SoldatInnen, die auf dem Congressional Cemetery in Washington stramm stehen, dürfen eigentlich keine Uniform mehr tragen. Sie sind aus dem US-Militär herausgeflogen. Weil herausgekommen ist, dass sie lesbisch oder schwul sind. Damit haben sie gegen ein Gesetz verstossen, das Homosexuelle zur Heimlichtuerei und zum Lügen verpflichtet. DADT wird das Gesetz genannt: Don’t ask, don’t tell – frag nicht, sag nichts. Es ist seit 1993 in Kraft. Und es hat mehr als 13.000 SoldatInnen ihre Posten gekostet.

Ian Finkenbinder, Miriam Ben-Shalom, Evelyn Thomas, Robert Smith, James Pietrangelo, Dan Choi (v.l.n.r.). Mara Boyd (mit Blumengeflecht).
Am Montag haben sich die Ex-SoldatInnen am Grab des schwulen Vietnam-Veteranen Leonard Matlovich versammelt. Es war ihr Auftakt zu einer Protestwoche für die Abschaffung des Gesetzes DADT. Vom Friedhof… weiter lesen