07.06.2011 von dorothea hahn
Fernsehen in den USA ist manchmal spannend. Heute war wieder so ein Tag: Da hat der demokratische Kongress-Abgeordnete Anthony Weiner in einer halbstündigen Pressekonferenz vour laufenden Kameras eine Beichte abgelegt, die selbst Reality-TV-erfahrenen JournalistInnen vorübergehend die Sprache verschlagen hat. Es ging um Sex und Wahrheit.
Der Abgeordnete gibt zu, dass er gelogen hat. Gesteht, dass er “ungefähr sechs” Frauen in den vergangenen drei Jahren – und zuletzt am vergangenen Freitag – “unangebrachte” Fotos und Texte im Internet geschickt habe. Sagt schluchzend: “Ich habe eine große Dummheit gemacht. Es war sehr, sehr dumm”. Entschuldigt sich bei seiner Frau, bei seiner Familie, bei seinen KollegInnen und bei seinen WählerInnen. Antwortet auf Fragen von hunderten von JournalistInnen. Begründet seine Lügen damit, dass er sich “geschämt” habe. Wischt sich Tränen aus den Augen. Und verlässt den Konferenzraum erst, als ein Reporter nach technischen Details seiner Erektion fragt.
Weiner ist ein Mann vom linken Flügel… weiter lesen
06.03.2011 von dorothea hahn
Der Gefreite Bradley Manning muss seit Mittwoch vergangener Woche nackt in seiner Zelle im Militärgefängnis von Quantico, Virginia, schlafen. Morgens muss er nackt stramm stehen.
Erst danach wird ihm seine Unterwäsche wieder ausgehängt.
David Coombs, Anwalt des 23jährigen, spricht von einer “erniedrigenden Behandlung” und einer “klaren Strafmassnahme”. In seinem Blog-Eintrag vom 5. März schreibt der Anwalt, die Strafmassnahme sei unbefristet.
Ein Sprecher der Marine-Basis von Quantico rechtfertigt den Slip-Entzug “aus der Situation heraus”. Weitere Details will Sprecher Brian Villiard nicht nennen. Begründung: “das würde die Privatsphäre des Betroffenen verletzen”.
Manning wird verdächtigt, sowohl Militärgeheimnisse zu – darunter das aus einem Apache-Hubschrauber aufgenommene Video “Collateral Murder“, in dem US-Soldaten aus der Luft Menschen auf einer Strasse in Bagdad erschiessen – als auch Hunderttausende von diplomatischen Depeschen an die Organisation “Wikileaks” weiter gegeben zu haben. Im Mai vergangenen Jahres wurde er im Irak verhaftet. Seit… weiter lesen
24.02.2011 von dorothea hahn
Es kommt ein wenig von hinten durch die Brust ins Auge. Aber es ist ein Fortschritt. Zumindest für Lesben und Schwule mit Heiratsabsichten. Manche von ihnen feiern bereits die zweite große Geste von Barack Obama gegenüber den Homosexuellen – knapp drei Monate nachdem er die Gleichbehandlung im Militär durchgesetzt hat.
Paradoxerweise hadert der Präsident der USA weiterhin mit sich selbst. “Seine persönliche Meinung entwickelt sich”, läßt er seinen Sprecher mitteilen. Aber politisch hat Obama sich entschieden. Er hat seinen Justizminister angewiesen, vor Gericht nicht länger ein Gesetz aus dem Jahr 1996 zu verteidigen. Das “Defense of Marriage Act” (DOMA) genannte Gesetz war die Antwort des US-Kongresses auf jene Bundesstaaten, die kurz vor der Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe standen. Während Hawai die gleichgeschlechtliche Ehe schuf, machte die Bundesregierung in Washington sie mit dem DOMA-Gesetz unmöglich. Die Ehe ist eine Sache zwischen einem Mann und einer Frau, steht in dem Gesetz.
Fünfzehn… weiter lesen
17.02.2011 von dorothea hahn
Lara Logan ist aus dem Krankenhaus entlassen worden. Die Reporterin des US-Fernsehsehnders CBS, die mit Berichten aus den Kriegen in Irak und Afghanistan bekannt geworden ist, war an dem Abend, als in Kairo ein Freudenfest über das Ende des Tyrannen stattfand, auf dem Tahrir Platz Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Am Morgen danach ist sie zur Behandlung in die USA zurück gekehrt.
In einem knappen Kommuniqué hat CBS am Dienstag erklärt: “Lara Logan berichtete über das Jubelfest auf dem Tahrir-Platz, als sie von einer gefährlichen Gruppe mit mehr als 200 Leuten eingekreist wurde. Der aufgewühlte Mob drängte sie von ihrem Team weg. Sie wurde umzingelt, erlitt einen brutalen und lang anhaltenden sexuellen Angriff und wurde geschlagen. Eine Gruppe von Frauen und rund 20 ägyptische Soldaten haben sie gerettet.”
Als wäre das nicht genug, löste die Nachricht von dem Verbrechen in Ägypten, in der Blogosphäre der USA eine Welle von… weiter lesen
15.02.2011 von dorothea hahn
Das konservative Treffen CPAC, bei dem am Wochenende 10.000 Leute in Washington zusammen gekommen sind, stand unter den schlechtestmöglichen Vorzeichen: Untreue, Lüge, Sex und Erwischtwerden. Alles bei jemandem aus den eigenen Reihen.
Doch im letzten Moment retteten zwei völlig unterschiedliche Dinge an zwei weit voneinander entfernten Flecken des Planeten den Ruf der Bewegung, die von sich behauptet, die “family values” zu verteidigen: In Ägypten wurde ein Diktator gegangen – mit einer atemberaubenden Dynamik, die einen großen Teil der Medienaufmerksamkeit absorbierte. Und in Washington trat ein Kongressman zurück. Bei seiner rasanten Flucht aus der Hauptstadt legte auch er eine nie zuvor erlebte Eile zutage.
Chris Lee ist 45 und verheiratet und war seit 2008 Abgeordneter der republikanischen Partei im Repräsentantenhaus. Er ist Wert-Konservativer. Einer von jenen, die bis zuletzt das im Dezember abgeschaffte DADT Gesetz unterstützt haben, das homosexuelle SoldatInnen zu Heimlichtuerei und Heuchelei zwang. Und einer jener, die… weiter lesen
16.12.2010 von dorothea hahn
Die Enthüllungen von Wikileaks mögen in vielen Punkten das bestätigen, was informierte LeserInnen längst gewußt – oder zumindest geahnt – haben. Doch in den USA haben sie gereicht, um wütendes, grobes Jagdgeheul auszulösen, das jetzt quer durch das Land hallt.
Eine offenbar nur hauchdünne Schicht von Zivilisation ist weg geplatzt. An ihrer Stelle liegen Rachegelüste bloß. Es ist, als würden die Scheiterhaufen bereits lodern.
Die Kommentare reichen von: warum verfolgen wir den “antiamerikanischen Agenten mit Blut an den Händen (gemeint ist Julian Assange)” nicht wie die Führer von Al Kaida?” (die mutmaßliche künftige Präsidentschaftskandidatin Sarah Palin), über: “ich bin gegen die Todesstrafe: man sollte den Hurensohn illegal erschiessen” (Bob Beckel, einst Vize-Staatssekretär unter dem demokratischen Präsidenten Jimmy Carter) , über: “wenn unsere Gesetze kein hartes Durchgreifen gegen den High-Tech-Terroristen erlauben, müssen wir eben neue Gesetze machen” (der Chef der RepublikanerInnen im Senat, Mitch McDonnell) bis hin… weiter lesen
18.11.2010 von dorothea hahn
Diese sieben SoldatInnen, die auf dem Congressional Cemetery in Washington stramm stehen, dürfen eigentlich keine Uniform mehr tragen. Sie sind aus dem US-Militär herausgeflogen. Weil herausgekommen ist, dass sie lesbisch oder schwul sind. Damit haben sie gegen ein Gesetz verstossen, das Homosexuelle zur Heimlichtuerei und zum Lügen verpflichtet. DADT wird das Gesetz genannt: Don’t ask, don’t tell – frag nicht, sag nichts. Es ist seit 1993 in Kraft. Und es hat mehr als 13.000 SoldatInnen ihre Posten gekostet.

Ian Finkenbinder, Miriam Ben-Shalom, Evelyn Thomas, Robert Smith, James Pietrangelo, Dan Choi (v.l.n.r.). Mara Boyd (mit Blumengeflecht).
Am Montag haben sich die Ex-SoldatInnen am Grab des schwulen Vietnam-Veteranen Leonard Matlovich versammelt. Es war ihr Auftakt zu einer Protestwoche für die Abschaffung des Gesetzes DADT. Vom Friedhof… weiter lesen
19.10.2010 von dorothea hahn
Die USA befinden sich in der tiefsten Wirtschaftskrise seit 80 Jahren. Nach offiziellen Angaben sind rund 15 Millionen Menschen arbeitslos. Und jeden Monat verlieren Hunderttausende ihre Häuser, weil sie nicht genug Geld für die Ratenzahlungen an ihre Banken haben.
Doch in der Kampagne für die Halbzeitwahlen am 2. November fließt das Geld in Strömen. Mehr als 3 Milliarden Dollar waren es bisher, rechnet die “Campaign Media Analysis Group” vor. Diese Midterm-Kampagne ist die teuerste der Geschichte.
Allein in der vergangenen Woche (10. bis 17. Oktober) sind mehr als 68 Millionen Werbedollar geflossen. Ihre Verteilung könnte kaum ungleicher sein: 40.01 Millionen Dollar kamen republikanischen KandidatInnen zugute - 28.18 Millionen Dollar warben für demokratische KandidatInnen.
Möglich geworden ist die die Explosion der Wahlkampfausgaben durch einen Entscheid des Obersten Gerichtes. Im Januar hat das Gericht die Obergrenze für Wahlspenden abgeschafft. Interessengruppen und private Unternehmen können seither so viel spenden wie sie wollen. Und:… weiter lesen
18.10.2010 von dorothea hahn
Es passiert nicht alle Tage, dass ein Politiker in einem blaßrosafarbenen Hemd vor ein Mikrofon tritt, über ein intimes Geheimnis spricht und mit den Tränen kämpft. Erst recht nicht in einer Garnisonsstadt in Texas: Der Heimat der Cowboys und anderer “starker Männer”.
Joel Burns hat es geschafft. Bei der Ratssitzung vom 12. Oktober hielt er eine dreizehnminütige Rede, die ganz offensichtlich einen Nerv getroffen hat. Schon in den ersten fünf Tagen danach ist sie 1,5 Millionen mal im Internet angeklickt worden.
Der texanische Ratsherr ist kein begnadeter Redner. Er hat eine monotone Stimme. Er stammelt. Er schnieft. Und er versteckt sein vor Aufregung gerötetes, Gesicht.
Aber was er sagt, ist mutiger als Vieles, was PolitikerInnen bei Ratssitzungen von sich geben. Es sind 12 Minuten Wahrheit. Mit einem erklärten Ziel: Leben retten.
In den vergangenen Wochen hat eine Welle von Selbstmorden von Jungen die Öffentlichkeit in den USA aufgerüttelt. Allen Selbstmorden… weiter lesen