27.03.2011 von dorothea hahn

F: judytaylorstudio
Diese Bilder heissen “Lehrling”, “Verlorene Kindheit” und “Textilarbeiterinnen” (v.l.n.r.). Sie gehören zu einem elf-teiligen, monumentalen Wandgemälde, das im Arbeitsministerium von Augusta im Bundesstaat Maine hängt.
Doch die Tage des Kunstwerks sind gezählt. Es passt nicht in das Weltbild des neuen Gouverneurs von Maine. Paul LePage hat entschieden, es abzunehmen. Weil es “einseitig” sei. Zur Begründung zitiert der Gouverneur das Fax eines anonymen (sic!) Autors, der sich beschwert habe.
Der Gouverneur will auch sieben Konferenzsäle in seinem Arbeitsministerium umbennennen. In einem E-Mail sind die Beschäftigten der Behörde aufgefordert, neue Namen vorzuschlagen: “Berge, Landkreise oder sonst etwas”.
Bislang heisst einer der Säle: “Frances Perkins” – wie die aus Maine stammende US-Arbeitsministerin, die für die Sozialreformen der 30er Jahre verantwortlich war, darunter die Einführung der 40-Stunden-Woche, das Verbot von Kinderarbeit und die Arbeitslosenversicherung. Ein anderer Saal heisst jetzt noch: “César Chávez” – wie der Gründer der Landarbeitergewerkschaft “weiter lesen
06.02.2011 von dorothea hahn
Zugegeben: der Winterschlaf hat länger gedauert, als angekündigt. Unvorhergesehenes hat sich dazwischen gedrängelt.
Aber dafür beginnt das Jahr in diesem Blog mit einem Happy-End: Die Scott-Sisters sind frei.
Nach mehr als 16 Jahren hinter Gittern – wegen eines Raubs, bei dem ein Gegenwert von 11 Dollar erbeutet wurde und an dem beide Schwestern stets ihre Beteiligung bestritten haben – durften die Frauen das Gefängnis von Jackson in Mississippi verlassen. Sie sind als 19- und 21jährige verschwunden. Sie kommen als Großmütter zurück. Seit Januar leben sie bei ihrer Mutter. Und lernen ihre Kinder und Enkel kennen.

Jamie (l) und Gladys Scott nach ihrer Freilassung.
Der Gouverneur von Mississippi, Haley Barbour, hat die Gefangenschaft der beiden Frauen im Januar “suspendiert”. Unter einer Bedingung: Gladys (36) soll ihrer im Gefängnis an Nierenversagen erkrankten Schwester Jamie (38) eine Niere spenden. Vorausgesetzt, die Nieren der beiden sind kompatibel.
Wie in diesem Blog im… weiter lesen
11.11.2010 von dorothea hahn
Weit weg von den USA ist Mumia Abu-Jamal zugleich Ikone und Symbol. Generationen von Linken haben “Free Mumia” gerufen. Sein Konterfei auf T-Shirts und Transparenten getragen. Seine Bücher gelesen. Und seine Radiobeiträge gehört.
Seit beinahe 29 Jahren lebt der afroamerikanische Journalist und frühere Black Panther-Aktivist hinter Gittern. Er ist eine personifizierte Anklage gegen die Justiz seines Landes. Die einzige bekannte Stimme aus den Todestrakten. Das einzige weltweit wiedererkennbare Gesicht unter den gegenwärtig mehr als 3200 zum Tode Verurteilten in den USA. 
Doch in seinem eigenen Land ist Mumia Abu-Jamal, gebürtiger Wesley Cook, fast nur Insidern bekannt. Als am Dienstag dieser Woche ein neues Kapitel in seinem Rechtsstreit beginnt, ignorieren das die großen Fernseh- und Radiosender der USA komplett. Und jene Print-Medien, die es immerhin melden, tuen es versteckt auf den hinteren Seiten.
Dennoch demonstrieren vor dem Berufungsgericht von Philadelphia 500 Menschen. Einige sind aus Europa angereist. Andere… weiter lesen
15.10.2010 von dorothea hahn
Gladys Scott ist 36. Jamie Scott ist 38. Zusammen haben die beiden Schwestern bereits 32 Jahre Gefängnis auf dem Buckel. Sie sitzen in Jackson hinter Gittern. Im Bundesstaat Mississippi. Im tiefen Süden der USA. Sie sind verurteilt wegen Raub. Die Beute: 11 $. In Worten: elf Dollar.

Jamie und Gladys Scott
Die beiden Frauen haben immer ihre Unschuld beteuert. Aber die Justiz hält sie für die “Masterminds” – die Vordenkerinnen – eines schweren Verbrechens. Als 19- und 21jährige sollen sie zu Weihnachten 1993 zwei Männer in der Kleinstadt Forest, in Mississippi, in eine Falle gelockt haben. Dort warteten drei Jungen mit einer Pistole und raubten ihnen ihre Portemonnaies. Verletzte gab es nicht.
Die drei Jungen waren zur Tatzeit zwischen 14 und 18 Jahre alt. Alle drei haben die Tat gestanden. Alle sind zu acht Jahren Gefängnis verurteilt worden. Und alle sind nach zwei Jahren frei gelassen worden. Die… weiter lesen
03.10.2010 von dorothea hahn

Das andere Amerika hat Flagge in Washington gezeigt. Jenes, das vor zwei Jahren für einen historischen Ruck gesorgt und den ersten schwarzen und demokratischen Präsidenten an die Spitze der USA gebracht hat.
Hispanics, AfroamerikanerInnen, GewerkschafterInnen, Feministinnen, Homosexuelle und viele andere Gruppen – zahlreiche Bürgerrechtsgruppen, aber nur wenig Parteien – haben an diesem Samstag in die Mall geladen. Zigtausende sind gekommen. Ihr Motto: “One Nation Working Together”.
Mit ihnen ist der Park im Zentrum der US-Haupstadt auf einen Schlag bunt geworden. Es ist ein starker Kontrast zu der Versammlung, die rechte, religiöse und mehrheitlich weiße FundamentalistInnen von Tea Party und Republikanischer Partei im August an derselben Stelle abgehalten haben. Damals hatte der Organisator den RednerInnen verboten, über Politik zu sprechen. Und die DemonstrantInnen mußten auf seine Weisung ganz ohne Transparente auskommen. Viele lehnten sogar Gespräche mit JournalistInnen ab.
An diesem Samstag hingegen kommt alles zur Sprache, was das Amerika von… weiter lesen