06.03.2011 von dorothea hahn
Der Gefreite Bradley Manning muss seit Mittwoch vergangener Woche nackt in seiner Zelle im Militärgefängnis von Quantico, Virginia, schlafen. Morgens muss er nackt stramm stehen.
Erst danach wird ihm seine Unterwäsche wieder ausgehängt.
David Coombs, Anwalt des 23jährigen, spricht von einer “erniedrigenden Behandlung” und einer “klaren Strafmassnahme”. In seinem Blog-Eintrag vom 5. März schreibt der Anwalt, die Strafmassnahme sei unbefristet.
Ein Sprecher der Marine-Basis von Quantico rechtfertigt den Slip-Entzug “aus der Situation heraus”. Weitere Details will Sprecher Brian Villiard nicht nennen. Begründung: “das würde die Privatsphäre des Betroffenen verletzen”.
Manning wird verdächtigt, sowohl Militärgeheimnisse zu – darunter das aus einem Apache-Hubschrauber aufgenommene Video “Collateral Murder“, in dem US-Soldaten aus der Luft Menschen auf einer Strasse in Bagdad erschiessen – als auch Hunderttausende von diplomatischen Depeschen an die Organisation “Wikileaks” weiter gegeben zu haben. Im Mai vergangenen Jahres wurde er im Irak verhaftet. Seit… weiter lesen
17.02.2011 von dorothea hahn
Lara Logan ist aus dem Krankenhaus entlassen worden. Die Reporterin des US-Fernsehsehnders CBS, die mit Berichten aus den Kriegen in Irak und Afghanistan bekannt geworden ist, war an dem Abend, als in Kairo ein Freudenfest über das Ende des Tyrannen stattfand, auf dem Tahrir Platz Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Am Morgen danach ist sie zur Behandlung in die USA zurück gekehrt.
In einem knappen Kommuniqué hat CBS am Dienstag erklärt: “Lara Logan berichtete über das Jubelfest auf dem Tahrir-Platz, als sie von einer gefährlichen Gruppe mit mehr als 200 Leuten eingekreist wurde. Der aufgewühlte Mob drängte sie von ihrem Team weg. Sie wurde umzingelt, erlitt einen brutalen und lang anhaltenden sexuellen Angriff und wurde geschlagen. Eine Gruppe von Frauen und rund 20 ägyptische Soldaten haben sie gerettet.”
Als wäre das nicht genug, löste die Nachricht von dem Verbrechen in Ägypten, in der Blogosphäre der USA eine Welle von… weiter lesen
15.02.2011 von dorothea hahn
Das konservative Treffen CPAC, bei dem am Wochenende 10.000 Leute in Washington zusammen gekommen sind, stand unter den schlechtestmöglichen Vorzeichen: Untreue, Lüge, Sex und Erwischtwerden. Alles bei jemandem aus den eigenen Reihen.
Doch im letzten Moment retteten zwei völlig unterschiedliche Dinge an zwei weit voneinander entfernten Flecken des Planeten den Ruf der Bewegung, die von sich behauptet, die “family values” zu verteidigen: In Ägypten wurde ein Diktator gegangen – mit einer atemberaubenden Dynamik, die einen großen Teil der Medienaufmerksamkeit absorbierte. Und in Washington trat ein Kongressman zurück. Bei seiner rasanten Flucht aus der Hauptstadt legte auch er eine nie zuvor erlebte Eile zutage.
Chris Lee ist 45 und verheiratet und war seit 2008 Abgeordneter der republikanischen Partei im Repräsentantenhaus. Er ist Wert-Konservativer. Einer von jenen, die bis zuletzt das im Dezember abgeschaffte DADT Gesetz unterstützt haben, das homosexuelle SoldatInnen zu Heimlichtuerei und Heuchelei zwang. Und einer jener, die… weiter lesen
13.02.2011 von dorothea hahn
So strahlend war Barack Obama schon lange nicht mehr.
Als der Abgang von Hosni Mubarak bestätigt ist, tritt der US-Präsident vor ein Mikrofon im Weißen Haus und hält eine bewegende Ansprache.
Es ist eine Ode an eine neue Generation, die auf der Bühne der arabischen Welt angekommen ist, Auf den Hunger nach Veränderung. Auf die Toleranz zwischen Religionen und Kulturen. Und auf das Verantwortungsbewußtsein und die Klugheit, mit der die ägyptischen DemonstrantInnen vorgegangen sind. In Ägypten so der US-Präsident war die “moralische Kraft der Gewaltlosigkeit” am Werk. Anstatt “Terror und sinnloses Töten”.
Zur Feier des Tages führt er ein arabisches Wort in die USA ein: „Selmiyya“. Obama: „Wir haben Demonstranten gesehen, die immer wieder ein Wort singen: „Selmiyya, selmiyya. Wir sind friedlich.“
Der Machtwechsel in Ägypten ist für den US-Präsidenten viel mehr als ein lokales oder regionales Ereignis. Es ist universell und exemplarisch. Und es ist zugleich eine Bestätigung für… weiter lesen
10.02.2011 von dorothea hahn
Die Washingtoner Webseite Wonkette hat es nachgezählt: der Moderator Bill O’Reilly hat den US-Präsidenten 48 mal unterbrochen. Das ingesamt siebenminütige Interview lief am Sonntag auf “Fox”. Wenige Stunden vor Beginn der Übertragung des Super Bowl.
O’Reilly ist einer der Stars von “Fox”. Sein Sender hat die höchsten Einschaltquoten der USA. Außerhalb der großen Städte läuft er beinahe konkurrenzlos. “Fox” bringt die Politik in das “tiefe Amerika”.
Der 61jährige O’Reilly hat bei “Fox” eine tägliche Show. Sie ist rechts. Auf Stammtischniveau. Und komplett um die Person des Moderators herum gestrickt. O’Reilly’s Interviews sind ein Kampfsport: Ein Schlagabtausch, bei dem grundsätzlich der Gastgeber das letzte Wort hat. Die Prominenz gibt sich bei ihm die Klinke in die Hand.
Auch Barack Obama. Der US-Präsident antwortet ernsthaft auf die Fragen zu zu nationaler Sicherheit, zu Ägypten und zum Iran. Doch was er sagen will, ist kaum nachzuvollziehen.… weiter lesen
09.02.2011 von dorothea hahn
Jetzt auch Donald Rumsfeld. Wenige Wochen nach seinem Ex-Chef George W. Bush, hat der frühere Verteidigungsminister seine Memoiren veröffentlicht. Sie sind 800 Seiten lang und haben den Titel: “Known and Unknown” – Bekanntes und Unbekanntes.
Der Titel erinnert an ein Wortspiel über die angeblichen Massenvernichtungswaffen des Irak. Rumsfeld hatte damit im Jahr 2002 bei einer Pressekonferenz versucht, das ideologische Terrain für die wenige Monate später begonnene Invasion zu bereiten.
Neun Jahre danach ist der 78jährige Memoirenautor mit sich selbst im Reinen. Er rechtfertigt die beiden Kriege im Irak und in Afghanistan. Sagt, dass in einem Krieg “viele Dinge Menschenleben kosten” können. Und schränkt lediglich ein, dass er anfänglich nicht genügend SoldatInnen in den Krieg geschickt habe. Er sagt, “harte Verhörtechniken” hätten “unschuldige Leben gerettet”. Und nennt die CIA-Agenten, die sie benutzen: “Patrioten und keineswegs kriminell”. Und er lobt Guantánamo als “ausgezeichnete Struktur”, die inzwischen parteiübergreifend “als beste Lösung” anerkannt sei.… weiter lesen
08.02.2011 von dorothea hahn
Am Sonntag sind die USA wieder ein bisschen schwerer geworden.
111 Millionen BewohnerInnen des Landes, darunter die Autorin dieses Blogs, haben den Abend vor dem Fernseher verbracht. Haben Bier getrunken. Und sich den Bauch mit den Spezialitäten der heimischen Küchen gefüllt: Chicken Wings, Pizzas, Chips und Dips. Auch im Weißen Haus, von wo aus sonst First Lady Michelle Obama einen Feldzug für gesunde Ernährung und gegen das Übergewicht der us-amerikanischen Schulkinder führt, gibt es an diesem Abend reichlich Kalorieen. Auf der Karte für die 150 Gäste stehen Würstchen, Kartoffelsalat und Cheeseburger.
Im texanischen Dallas kämpfen unterdessen die “Packers” aus Green Bay in Wisconsin gegen die “Steelers” aus Pittsburgh. Zwei Mannschaften, deren Namen an Berufe mit harter körperlicher Arbeit erinnern. Die “Packers” und die “Steelers” sind große, bullige Männer, die ihre Formen durch Helme und durch Schutzpolster an herausragenden Körperteilen unterstreichen und schwarze Kriegsbemalung im Gesicht tragen. Ihr Spiel ist eine… weiter lesen
06.02.2011 von dorothea hahn
Zugegeben: der Winterschlaf hat länger gedauert, als angekündigt. Unvorhergesehenes hat sich dazwischen gedrängelt.
Aber dafür beginnt das Jahr in diesem Blog mit einem Happy-End: Die Scott-Sisters sind frei.
Nach mehr als 16 Jahren hinter Gittern – wegen eines Raubs, bei dem ein Gegenwert von 11 Dollar erbeutet wurde und an dem beide Schwestern stets ihre Beteiligung bestritten haben – durften die Frauen das Gefängnis von Jackson in Mississippi verlassen. Sie sind als 19- und 21jährige verschwunden. Sie kommen als Großmütter zurück. Seit Januar leben sie bei ihrer Mutter. Und lernen ihre Kinder und Enkel kennen.

Jamie (l) und Gladys Scott nach ihrer Freilassung.
Der Gouverneur von Mississippi, Haley Barbour, hat die Gefangenschaft der beiden Frauen im Januar “suspendiert”. Unter einer Bedingung: Gladys (36) soll ihrer im Gefängnis an Nierenversagen erkrankten Schwester Jamie (38) eine Niere spenden. Vorausgesetzt, die Nieren der beiden sind kompatibel.
Wie in diesem Blog im… weiter lesen
18.12.2010 von dorothea hahn
Die Boulangerie ist gleich gegenüber. Der Duft von frischen Baguettes, die der Bäcker selber herstellt, weht bis auf unsere Straßenseite. In der Vitrine sind Butter-Croissants aufgereiht. Neben der Bäckerei befindet sich ein Blumenladen. Daneben ein Tabac. Dann kommt ein Zeitungskiosk. Dann die Post. Dann die Käserei.
Hinter jeder Schaufensterscheibe machen sich VerkäuferInnen zu schaffen. Eine Apothekerin reiht mehrere Fläschchen mit Hustentropfen auf dem Tresen auf. Ein Postbeamter nimmt sich die Zeit, die Vor- und Nachteile der Telefonkarten in seinem Sortiment zu erklären. Der Metzger, der den einzigen Träger seiner weissen Schürze kunstvoll zu dem branchenüblichen Knoten gedreht hat, läßt mich an mehreren Schüsseln mit hausgemachter Terrinen riechen: Hase, Geflügelleber und Wild.
Ein ganz normales Quartier in Paris. Dieses Mal im Westen der Stadt. Mit funktionierendem Einzelhandel. Mit Cafés, von denen jedes anders aussieht und jedes ein eigenes Sortiment hat. Und mit Bussen, die im 5-Minutentakt an die überdachte Haltestelle kommen.… weiter lesen
16.12.2010 von dorothea hahn
Die Enthüllungen von Wikileaks mögen in vielen Punkten das bestätigen, was informierte LeserInnen längst gewußt – oder zumindest geahnt – haben. Doch in den USA haben sie gereicht, um wütendes, grobes Jagdgeheul auszulösen, das jetzt quer durch das Land hallt.
Eine offenbar nur hauchdünne Schicht von Zivilisation ist weg geplatzt. An ihrer Stelle liegen Rachegelüste bloß. Es ist, als würden die Scheiterhaufen bereits lodern.
Die Kommentare reichen von: warum verfolgen wir den “antiamerikanischen Agenten mit Blut an den Händen (gemeint ist Julian Assange)” nicht wie die Führer von Al Kaida?” (die mutmaßliche künftige Präsidentschaftskandidatin Sarah Palin), über: “ich bin gegen die Todesstrafe: man sollte den Hurensohn illegal erschiessen” (Bob Beckel, einst Vize-Staatssekretär unter dem demokratischen Präsidenten Jimmy Carter) , über: “wenn unsere Gesetze kein hartes Durchgreifen gegen den High-Tech-Terroristen erlauben, müssen wir eben neue Gesetze machen” (der Chef der RepublikanerInnen im Senat, Mitch McDonnell) bis hin… weiter lesen