30.04.2011 von dorothea hahn
Im Medienland USA fliessen Informationen oft in Lichtgeschwindigkeit. Wenn am anderen Ende der Welt etwas passiert – in Tokio, Kairo oder Tunis – sind die grossen US-Fernsehsender life dabei. Doch über manche Ereignisse - manchmal viel näher an Washington – kommt überhaupt nichts.
So geschehen mit einem Hungerstreik in Guantánamo. Wie heute die Onlinezeitung –>Truthout meldet, haben “mindestens 15 Gefangene” in Guantánamo im März einen Hungerstreik gemacht. Sie protestierten gegen eine Verfügung, die Barack Obama Anfang des Monats unterzeichnet hat. In dem “Executive Order” des US-Präsidenten, der versprochen hatte, Guantánamo zu schliessen, steht unter anderem, dass Menschen ohne Prozess auf unbefristete Zeit in dem Lager gefangen gehalten werden können (–>ACLU).
Die Stimmung in Guantánamo hatte sich im Januar verschlechtert. Damals wurde bekannt, dass die Gefangenen aus Lager 1 und 4 (mittlere Sicherheitsstufe) in Lager 5 und 6 (Hochsichertrakte) verlegt werden sollten: mit weniger Freigang und weniger… weiter lesen
06.02.2011 von dorothea hahn
Zugegeben: der Winterschlaf hat länger gedauert, als angekündigt. Unvorhergesehenes hat sich dazwischen gedrängelt.
Aber dafür beginnt das Jahr in diesem Blog mit einem Happy-End: Die Scott-Sisters sind frei.
Nach mehr als 16 Jahren hinter Gittern – wegen eines Raubs, bei dem ein Gegenwert von 11 Dollar erbeutet wurde und an dem beide Schwestern stets ihre Beteiligung bestritten haben – durften die Frauen das Gefängnis von Jackson in Mississippi verlassen. Sie sind als 19- und 21jährige verschwunden. Sie kommen als Großmütter zurück. Seit Januar leben sie bei ihrer Mutter. Und lernen ihre Kinder und Enkel kennen.

Jamie (l) und Gladys Scott nach ihrer Freilassung.
Der Gouverneur von Mississippi, Haley Barbour, hat die Gefangenschaft der beiden Frauen im Januar “suspendiert”. Unter einer Bedingung: Gladys (36) soll ihrer im Gefängnis an Nierenversagen erkrankten Schwester Jamie (38) eine Niere spenden. Vorausgesetzt, die Nieren der beiden sind kompatibel.
Wie in diesem Blog im… weiter lesen
11.11.2010 von dorothea hahn
Weit weg von den USA ist Mumia Abu-Jamal zugleich Ikone und Symbol. Generationen von Linken haben “Free Mumia” gerufen. Sein Konterfei auf T-Shirts und Transparenten getragen. Seine Bücher gelesen. Und seine Radiobeiträge gehört.
Seit beinahe 29 Jahren lebt der afroamerikanische Journalist und frühere Black Panther-Aktivist hinter Gittern. Er ist eine personifizierte Anklage gegen die Justiz seines Landes. Die einzige bekannte Stimme aus den Todestrakten. Das einzige weltweit wiedererkennbare Gesicht unter den gegenwärtig mehr als 3200 zum Tode Verurteilten in den USA. 
Doch in seinem eigenen Land ist Mumia Abu-Jamal, gebürtiger Wesley Cook, fast nur Insidern bekannt. Als am Dienstag dieser Woche ein neues Kapitel in seinem Rechtsstreit beginnt, ignorieren das die großen Fernseh- und Radiosender der USA komplett. Und jene Print-Medien, die es immerhin melden, tuen es versteckt auf den hinteren Seiten.
Dennoch demonstrieren vor dem Berufungsgericht von Philadelphia 500 Menschen. Einige sind aus Europa angereist. Andere… weiter lesen
15.10.2010 von dorothea hahn
Gladys Scott ist 36. Jamie Scott ist 38. Zusammen haben die beiden Schwestern bereits 32 Jahre Gefängnis auf dem Buckel. Sie sitzen in Jackson hinter Gittern. Im Bundesstaat Mississippi. Im tiefen Süden der USA. Sie sind verurteilt wegen Raub. Die Beute: 11 $. In Worten: elf Dollar.

Jamie und Gladys Scott
Die beiden Frauen haben immer ihre Unschuld beteuert. Aber die Justiz hält sie für die “Masterminds” – die Vordenkerinnen – eines schweren Verbrechens. Als 19- und 21jährige sollen sie zu Weihnachten 1993 zwei Männer in der Kleinstadt Forest, in Mississippi, in eine Falle gelockt haben. Dort warteten drei Jungen mit einer Pistole und raubten ihnen ihre Portemonnaies. Verletzte gab es nicht.
Die drei Jungen waren zur Tatzeit zwischen 14 und 18 Jahre alt. Alle drei haben die Tat gestanden. Alle sind zu acht Jahren Gefängnis verurteilt worden. Und alle sind nach zwei Jahren frei gelassen worden. Die… weiter lesen
01.05.2010 von dorothea hahn
Beim Aufstehen in meinem ockerfarbenen Zelt der US-Army in Guantánamo-Bay habe ich heute Morgen “Radio Rebelde” angeschaltet. Es ist der 1. Mai. Politischer Feiertag in Kuba. Und in den USA ein Tag wie jeder andere. Zwar waren Polizeischüsse auf streikende Arbeiter in Chicago am 1. Mai des Jahres 1886 der Auslöser für die ersten 1. Mai-Demonstrationen. Doch die USA haben ihren eigenen “Labour-Day” weit weg in den September verlegt.
Auf dem Militärstützpunkt von Guantánamo Bay und in dem Gefangenen-Lager geht die Arbeit weiter wie üblich. Der Richter hat die Militärkommission heute schon für 7 Uhr 30 einberufen. Bei der Anhörung über die Frage, ob die Geständnisse von Omar Khadr unter der Folter zustande gekommen sind, stehen Aussagen von einer Kriminalermittlerin, einem Oberst und einem FBI-Mann auf dem Programm.
Unterwegs zum Duschzelt des US-Stützpunktes habe ich die Musik der Internationale im Ohr. Dann meldet sich ein Reporter aus Havanna zu Wort.… weiter lesen