10.05.2011 von dorothea hahn
Fast überall auf der Welt heisst es Folter. Aber die konservativen Krieger gegen den Terror in den USA nennen es: “enhanced interrogation technics” – verbesserte Verhörtechniken.
Mit dem beschönigenden Terminus meinen sie simuliertes Ertrinken – das “Waterboarding” - Schlafberaubung, Nacktheit in extremer Kälte, stundenlanges gefesseltes Stehen in einer Position, flache Schläge auf den Bauch und ins Gesicht, bellende Hunde…
Im “War on Terror” unter Ex-Präsident George W Bush sind diese Methoden, die von ihren Befürwortern auch: “harsh techniques” (scharfe Techniken) genannt werden, an vielen Orten des Planeten eingesetzt worden.
Die damalige Opposition in den USA und Menschenrechtsgruppen weltweit machten dagegen Kampagne. Amnesty International veröffentlichte 2008 diesen drastischen Spot gegen das –>Waterboarding. Parallel – und aus ganz anderen Motiven – erklären Verhörexperten aus CIA und Militär, dass Folter die Informationsbeschaffung nicht etwa effizienter mache, sondern ganz im Gegenteil kompliziere und verlängere.
Bei seinem Amtsantritt im Januar 2009 hat Barack… weiter lesen
03.05.2011 von dorothea hahn
Die Namen der Kämpfer der US-Elitetruppe Navy-Seal 6, die am Sonntag Osama bin Laden getötet haben, werden wir möglicherweise nie erfahren. Aber was sie bei ihrem Einsatz in Abbotabat sehen, läuft Tausende Kilometer entfernt in Washington über einen großen Bildschirm im “Situation Room” des Weissen Haus. Kleine Kameras in den Helmen der Seal 6 machen es möglich.
Vor dem Bildschirm schauen Barack Obama, sein Vizepräsident, seine Außenministerin und ein Dutzend andere Sicherheitsberater der Operation in Pakistan zu. Dieses Foto, das das Weisse Haus am Montag veröffentlicht hat, soll in dem Moment entstanden sein, als in Abbotabat die ersten Schüsse fallen. Die Spannung ist den Zuschauern im “Situation Room” ins Gesicht geschrieben. Insbesondere Hillary Clinton tut sich schwer, mit dem was die Kameras der Seal 6 übermitteln.
Wenige Stunden später tritt Obama vor die Medien und meldet, Bin Laden sei tot und es habe “Gerechtigkeit” gegeben. An verschiedenen Orten der USA … weiter lesen
30.04.2011 von dorothea hahn
Im Medienland USA fliessen Informationen oft in Lichtgeschwindigkeit. Wenn am anderen Ende der Welt etwas passiert – in Tokio, Kairo oder Tunis – sind die grossen US-Fernsehsender life dabei. Doch über manche Ereignisse - manchmal viel näher an Washington – kommt überhaupt nichts.
So geschehen mit einem Hungerstreik in Guantánamo. Wie heute die Onlinezeitung –>Truthout meldet, haben “mindestens 15 Gefangene” in Guantánamo im März einen Hungerstreik gemacht. Sie protestierten gegen eine Verfügung, die Barack Obama Anfang des Monats unterzeichnet hat. In dem “Executive Order” des US-Präsidenten, der versprochen hatte, Guantánamo zu schliessen, steht unter anderem, dass Menschen ohne Prozess auf unbefristete Zeit in dem Lager gefangen gehalten werden können (–>ACLU).
Die Stimmung in Guantánamo hatte sich im Januar verschlechtert. Damals wurde bekannt, dass die Gefangenen aus Lager 1 und 4 (mittlere Sicherheitsstufe) in Lager 5 und 6 (Hochsichertrakte) verlegt werden sollten: mit weniger Freigang und weniger… weiter lesen
14.03.2011 von dorothea hahn
“Lächerlich, kontraproduktiv und dumm” - ridiculous, counterproductive and stupid” – hat Philip J. Crowley die Behandlung des Gefreiten Bradley Manning in einem US-Militärgefängnis genannt. Für den Sprecher des Aussenministeriums sind das ungewohnt klare Worte. Zumal sie sich gegen ein anderes Ministerium richten: Das Pentagon, dessen Militärrichter unter anderem wegen “Kollaboration mit dem Feind” gegen Manning ermitteln.
Zwei Tage später muss Crowley seinen Hut nehmen. Er tritt am Samstag in Washington zurück. Er ist der erste in den USA, der über die Wikileaks-Affaire gestolpert ist.
Präsident Barack Obama hat sich hinter das Pentagon gestellt. Und damit auch das Schicksal von Crowley besiegelt. Bei einer Pressekonferenz am Freitag antwortet Obama auf eine Frage nach den Haftbedingungen von Manning, das Pentagon habe ihm mitgeteilt, der Gefangene werde angemessen behandelt: “auf der Höhe unserer Grundstandards”.
über die “angemessene” Behandlung des 23jährigen Manning, der verdächtigt wird, die Quelle füer geheime Dokumente über die Kriege im Irak und in Afghanistan, sowie 250.000 Dokumente aus dem Aussenministerium zu sein, gibt es andere Meinungen. Manning… weiter lesen
09.02.2011 von dorothea hahn
Jetzt auch Donald Rumsfeld. Wenige Wochen nach seinem Ex-Chef George W. Bush, hat der frühere Verteidigungsminister seine Memoiren veröffentlicht. Sie sind 800 Seiten lang und haben den Titel: “Known and Unknown” – Bekanntes und Unbekanntes.
Der Titel erinnert an ein Wortspiel über die angeblichen Massenvernichtungswaffen des Irak. Rumsfeld hatte damit im Jahr 2002 bei einer Pressekonferenz versucht, das ideologische Terrain für die wenige Monate später begonnene Invasion zu bereiten.
Neun Jahre danach ist der 78jährige Memoirenautor mit sich selbst im Reinen. Er rechtfertigt die beiden Kriege im Irak und in Afghanistan. Sagt, dass in einem Krieg “viele Dinge Menschenleben kosten” können. Und schränkt lediglich ein, dass er anfänglich nicht genügend SoldatInnen in den Krieg geschickt habe. Er sagt, “harte Verhörtechniken” hätten “unschuldige Leben gerettet”. Und nennt die CIA-Agenten, die sie benutzen: “Patrioten und keineswegs kriminell”. Und er lobt Guantánamo als “ausgezeichnete Struktur”, die inzwischen parteiübergreifend “als beste Lösung” anerkannt sei.… weiter lesen
01.05.2010 von dorothea hahn
Beim Aufstehen in meinem ockerfarbenen Zelt der US-Army in Guantánamo-Bay habe ich heute Morgen “Radio Rebelde” angeschaltet. Es ist der 1. Mai. Politischer Feiertag in Kuba. Und in den USA ein Tag wie jeder andere. Zwar waren Polizeischüsse auf streikende Arbeiter in Chicago am 1. Mai des Jahres 1886 der Auslöser für die ersten 1. Mai-Demonstrationen. Doch die USA haben ihren eigenen “Labour-Day” weit weg in den September verlegt.
Auf dem Militärstützpunkt von Guantánamo Bay und in dem Gefangenen-Lager geht die Arbeit weiter wie üblich. Der Richter hat die Militärkommission heute schon für 7 Uhr 30 einberufen. Bei der Anhörung über die Frage, ob die Geständnisse von Omar Khadr unter der Folter zustande gekommen sind, stehen Aussagen von einer Kriminalermittlerin, einem Oberst und einem FBI-Mann auf dem Programm.
Unterwegs zum Duschzelt des US-Stützpunktes habe ich die Musik der Internationale im Ohr. Dann meldet sich ein Reporter aus Havanna zu Wort.… weiter lesen
27.04.2010 von dorothea hahn
Gestern bin ich in Guantánamo gelandet. Seither baumelt ein Badge mit meinem Foto um meinen Hals, der mich als Journalistin ausweist, und auf dem in großen Lettern steht: “Escort required”. Für Insider auf dem US-Militärstützpunkt in Kuba bedeutet das: “nicht aus dem Auge lassen”.
Ich habe auch einen zwölf Seiten langen Text mit Verhaltensregeln für JournalistInnen auf dem Militärstützpunkt erhalten. Er beginnt mit Kleidervorschriften für den Gerichtssaal von Guantánamo (geschlossene Schuhe und lange Hemdsärmel) und geht weiter mit Dutzenden von Verboten.
Als nächstes muß ich einen Vertrag unterschreiben, den mir eine Presseoffizierin in Tarnuniform überreicht. Darin steht, dass ich die Risiken und Gefahren eines Militärstützpunktes kenne und dass ich auf Entschädigungsforderungen gegen die USA verzichte. Auch – so steht es in dem vorgedruckten Text – im Falle von Krankheit, Verletzung oder Tod.
Verboten ist in Guantánamo vieles für JournalistInnen: Der Kontakt zu Kubanern und Haitianern. Das Fotografieren von Landschaften, von… weiter lesen