Posts Tagged ‘Justiz’

10.04.2011 von dorothea hahn
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Scheitern.

von dorothea hahn

Derrick Lemon ist acht, als er zum ersten Mal in die Schlagzeilen kommt. Am 13. Oktober 1994 ermorden zwei Jungen  – sie sind zehn und elf Jahre alt – seinen fünfjährigen Bruder. Sie werfen den kleinen Eric aus dem 14. Stock eines Gebäudes in Chicago. Derrick versucht vergeblich, sie daran zu hindern.

Derrick Lemon. F:Chicago Tribune

Vor Gericht beschreibt der achtjährige Derrick, wie er vierzehn Stockwerke herunterrannte, um noch vor Eric auf dem Trottoir anzukommen. “Ich wollte meinen Bruder auffangen”, sagt er.

Bei der Zeugenaussage sitzt Derrick auf einem Telefonbuch,  um an das Mikrofon heranzureichen. Das Verbrechen löst eine Welle des Mitgefühls für ihn aus. Die beiden Mörder seines Bruders kommen ins Gefängnis. In einem eigens für sie geschriebenen Gesetz wird das Mindestalter für Gefängnis in Illinois von dreizehn auf zehn Jahre gesenkt. Sie werden die jüngsten Gefängnisinsassen der USA.

Siebzehn Jahre später ist auch Derrick hinter Gittern.… weiter lesen

14.03.2011 von dorothea hahn
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Stupid.

von dorothea hahn

“Lächerlich, kontraproduktiv und dumm” - ridiculous, counterproductive and stupid” – hat Philip J. Crowley die Behandlung des Gefreiten Bradley Manning in einem US-Militärgefängnis genannt. Für den Sprecher des Aussenministeriums sind das ungewohnt klare Worte. Zumal sie sich gegen ein anderes Ministerium richten: Das Pentagon, dessen Militärrichter unter anderem wegen “Kollaboration mit dem Feind” gegen Manning ermitteln.

Zwei Tage später muss Crowley seinen Hut nehmen. Er tritt am Samstag in Washington zurück. Er ist der erste in den USA, der über die Wikileaks-Affaire gestolpert ist.

Präsident Barack Obama hat sich hinter das Pentagon gestellt. Und damit auch das Schicksal von Crowley besiegelt. Bei einer Pressekonferenz am Freitag antwortet Obama auf eine Frage nach den Haftbedingungen von Manning, das Pentagon habe ihm mitgeteilt, der Gefangene werde angemessen behandelt: “auf der Höhe unserer Grundstandards”.

über die “angemessene” Behandlung des 23jährigen Manning, der verdächtigt wird, die Quelle füer geheime Dokumente über die Kriege im Irak und in Afghanistan, sowie 250.000 Dokumente aus dem Aussenministerium zu sein, gibt es andere Meinungen. Manning… weiter lesen

06.02.2011 von dorothea hahn
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Scott-Sisters.

von dorothea hahn

Zugegeben: der Winterschlaf hat länger gedauert, als angekündigt. Unvorhergesehenes hat sich dazwischen gedrängelt.

Aber dafür beginnt das Jahr in diesem Blog mit einem Happy-End: Die Scott-Sisters sind frei.

Nach mehr als 16 Jahren hinter Gittern – wegen eines Raubs, bei dem ein Gegenwert von 11 Dollar erbeutet wurde und an dem beide Schwestern stets ihre Beteiligung bestritten haben – durften die Frauen das Gefängnis von Jackson in Mississippi verlassen. Sie sind als 19- und 21jährige verschwunden. Sie kommen als Großmütter zurück. Seit Januar leben sie bei ihrer Mutter. Und lernen ihre Kinder und Enkel kennen.

Jamie (l) und Gladys Scott nach ihrer Freilassung.

Der Gouverneur von Mississippi, Haley Barbour, hat die Gefangenschaft der beiden Frauen im Januar “suspendiert”. Unter einer Bedingung: Gladys (36) soll ihrer im Gefängnis an Nierenversagen erkrankten Schwester Jamie (38) eine Niere spenden. Vorausgesetzt, die Nieren der beiden sind kompatibel.

Wie in diesem Blog im… weiter lesen

11.11.2010 von dorothea hahn
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Ikone.

von dorothea hahn

Weit weg von den USA ist Mumia Abu-Jamal zugleich Ikone und Symbol. Generationen von Linken haben “Free Mumia” gerufen. Sein Konterfei auf T-Shirts und Transparenten getragen. Seine Bücher gelesen. Und seine Radiobeiträge gehört.

Seit beinahe 29 Jahren lebt der afroamerikanische Journalist und frühere Black Panther-Aktivist hinter Gittern. Er ist eine personifizierte Anklage gegen die Justiz seines Landes. Die einzige bekannte Stimme aus den Todestrakten. Das einzige weltweit wiedererkennbare Gesicht unter den gegenwärtig mehr als 3200 zum Tode Verurteilten in den USA.  

Doch in seinem eigenen Land ist Mumia Abu-Jamal, gebürtiger Wesley Cook, fast nur Insidern bekannt. Als am Dienstag dieser Woche ein neues Kapitel in seinem Rechtsstreit beginnt, ignorieren das die großen Fernseh- und Radiosender der  USA komplett. Und jene Print-Medien, die es immerhin melden, tuen es versteckt auf den hinteren Seiten.

Dennoch demonstrieren vor dem Berufungsgericht von Philadelphia 500 Menschen. Einige sind aus Europa angereist. Andere… weiter lesen

15.10.2010 von dorothea hahn
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Nachrichten aus dem Mittelalter.

von dorothea hahn

Gladys Scott ist 36. Jamie Scott ist 38. Zusammen haben die beiden Schwestern bereits 32 Jahre Gefängnis auf dem Buckel. Sie sitzen in Jackson hinter Gittern. Im Bundesstaat Mississippi. Im tiefen Süden der USA. Sie sind verurteilt wegen Raub. Die Beute: 11 $. In Worten: elf Dollar.

Jamie und Gladys Scott

Die beiden Frauen haben immer ihre Unschuld beteuert. Aber die Justiz hält sie für die “Masterminds” – die Vordenkerinnen – eines schweren Verbrechens. Als 19- und 21jährige sollen sie zu Weihnachten 1993 zwei Männer in der Kleinstadt Forest, in Mississippi, in eine Falle gelockt haben. Dort warteten drei Jungen mit einer Pistole und raubten ihnen ihre Portemonnaies. Verletzte gab es nicht.

Die drei Jungen waren zur Tatzeit zwischen 14 und 18 Jahre alt. Alle drei haben die Tat gestanden. Alle sind zu acht Jahren Gefängnis verurteilt worden. Und alle sind nach zwei Jahren frei gelassen worden. Die… weiter lesen

27.04.2010 von dorothea hahn
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Stacheldraht. Kindersoldat. Justiz?

von dorothea hahn

Gestern bin ich in Guantánamo gelandet. Seither baumelt ein Badge mit meinem Foto um meinen Hals, der mich als Journalistin ausweist, und auf dem in großen Lettern steht: “Escort required”. Für Insider auf dem US-Militärstützpunkt in Kuba bedeutet das: “nicht aus dem Auge lassen”.

Ich habe auch einen zwölf Seiten langen Text mit Verhaltensregeln für JournalistInnen auf dem Militärstützpunkt erhalten. Er beginnt mit Kleidervorschriften für den Gerichtssaal von Guantánamo (geschlossene Schuhe und lange Hemdsärmel) und geht weiter mit Dutzenden von Verboten.

Als nächstes muß ich einen Vertrag unterschreiben, den mir eine Presseoffizierin in Tarnuniform überreicht. Darin steht, dass ich die Risiken und Gefahren eines Militärstützpunktes kenne und dass ich auf Entschädigungsforderungen gegen die USA verzichte. Auch – so steht es in dem vorgedruckten Text – im Falle von Krankheit, Verletzung oder Tod.

Verboten ist in Guantánamo vieles für JournalistInnen: Der Kontakt zu Kubanern und Haitianern. Das Fotografieren von Landschaften, von… weiter lesen