11.04.2011 von dorothea hahn

L. Posada Carriles. F: AP.
Dieser alte Mann hat Jahrzehnte damit verbracht, gegen linke Regierungen quer durch Lateinamerika zu kämpfen. Er hat Waffengeschäfte abgewickelt. Er hat versucht, Fidel Castro zu ermorden. Er ist Hauptverdächtiger eines Flugzeugattentates, bei dem 73 Menschen ums Leben kamen. Und er hat damit geprahlt, Bombenattentate in Hotels in Havanna organisiert zu haben, bei denen 1997 ein italienischer Tourist ums Leben kam (in der –>New York Times).
Aber für das Schwurgericht in der texanischen Stadt El Paso ist Luis Posada Carriles unschuldig. In der Rekordzeit von weniger als drei Stunden sprachen die sieben Geschworene ihn am Freitag frei (–> El Paso Times). Dabei votierten sie in sämtlichen elf Anklagepunkten einstimmg. Anschliessend verliessen sie das Gericht durch eine Seitentür. Mit ReporterInnen, die wissen wollten, wie ihr überraschendes Urteil zustande kam, sprach keineR von ihnen.
Der gebürtige Kubaner Posada Carriles… weiter lesen
21.10.2010 von dorothea hahn
Fired. In den USA hat erneut ein erfahrener Journalist seinen Job wegen Äußerungen über eine Minderheit verloren. Was er sagte, hat Stammtischniveau.
Der afroamerikanische Radio-Journalist Juan Williams war am Montag zu Gast in einer Sendung des Fernsehkanals “Fox”. Dort hat er erzählt, dass er “nervös” wird, wenn er in einem Flugzeug sitzt und Leute “in muslimischer Kleidung” in die Maschine kommen (Williams bei O\’Reilly ).
Am Mittwoch erhielt Juan Williams seine Kündigung. Der öffentliche Radiosender NPR, sein langjähriger Arbeitgeber, beendete die Zusammenarbeit. “Was er in der O’Reilly-Show gesagt hat, ist nicht mit unseren journalistischen Ansprüchen vereinbar”, begründet NPR.
Wenige Wochen zuvor hat der Fernsehsender CNN kurzen Prozeß mit einem seiner prominentesten Showmaster gemacht und dessen tägliche Sendung “Rick’s list” aus dem Programm gestrichen. Rick Sanchez hatte am 30. September in einem Radio-Interview den Komiker Jon Stewart (The Daily Show) als Teil des “nordöstlichen linken Establishments” attackiert… weiter lesen
01.05.2010 von dorothea hahn
Beim Aufstehen in meinem ockerfarbenen Zelt der US-Army in Guantánamo-Bay habe ich heute Morgen “Radio Rebelde” angeschaltet. Es ist der 1. Mai. Politischer Feiertag in Kuba. Und in den USA ein Tag wie jeder andere. Zwar waren Polizeischüsse auf streikende Arbeiter in Chicago am 1. Mai des Jahres 1886 der Auslöser für die ersten 1. Mai-Demonstrationen. Doch die USA haben ihren eigenen “Labour-Day” weit weg in den September verlegt.
Auf dem Militärstützpunkt von Guantánamo Bay und in dem Gefangenen-Lager geht die Arbeit weiter wie üblich. Der Richter hat die Militärkommission heute schon für 7 Uhr 30 einberufen. Bei der Anhörung über die Frage, ob die Geständnisse von Omar Khadr unter der Folter zustande gekommen sind, stehen Aussagen von einer Kriminalermittlerin, einem Oberst und einem FBI-Mann auf dem Programm.
Unterwegs zum Duschzelt des US-Stützpunktes habe ich die Musik der Internationale im Ohr. Dann meldet sich ein Reporter aus Havanna zu Wort.… weiter lesen
27.04.2010 von dorothea hahn
Gestern bin ich in Guantánamo gelandet. Seither baumelt ein Badge mit meinem Foto um meinen Hals, der mich als Journalistin ausweist, und auf dem in großen Lettern steht: “Escort required”. Für Insider auf dem US-Militärstützpunkt in Kuba bedeutet das: “nicht aus dem Auge lassen”.
Ich habe auch einen zwölf Seiten langen Text mit Verhaltensregeln für JournalistInnen auf dem Militärstützpunkt erhalten. Er beginnt mit Kleidervorschriften für den Gerichtssaal von Guantánamo (geschlossene Schuhe und lange Hemdsärmel) und geht weiter mit Dutzenden von Verboten.
Als nächstes muß ich einen Vertrag unterschreiben, den mir eine Presseoffizierin in Tarnuniform überreicht. Darin steht, dass ich die Risiken und Gefahren eines Militärstützpunktes kenne und dass ich auf Entschädigungsforderungen gegen die USA verzichte. Auch – so steht es in dem vorgedruckten Text – im Falle von Krankheit, Verletzung oder Tod.
Verboten ist in Guantánamo vieles für JournalistInnen: Der Kontakt zu Kubanern und Haitianern. Das Fotografieren von Landschaften, von… weiter lesen