09.06.2011 von dorothea hahn
“Keine Gewerkschaft” – diese Regel gilt für die Billigsupermärkte von Wal-Mart in den USA und Kanada. Der Einzelhandelskonzern, von dessen Läden ganze Regionen in Nordamerika abhängen, praktiziert eine konsequent gewerkschaftsfeindliche Linie. In seinen Supermärkten arbeiten die Beschäftigten für Niedriglöhne und ohne jede Form von Mitbestimmung. Gewerkschaften sind, so der frühere “Wal-Mart”-Spitzenmanager, John Tate: “blutsaugende Parasiten”. Als sich in einer Zweigstelle von “Wal-Mart” in Kanada die Belegschaft in einer Gewerkschaft organisiert, schliesst das Management gleich den kompletten Supermarkt.

Mduduzi Mbongwe.
In Südafrika hat der größte private Arbeitgeber der Welt, mit insgesamt zwei Millionen Beschäftigten, jetzt eine Lektion in betrieblicher Demokratie erhalten. “Wal-Mart” wollte in die Einzelhandelskette “Massmart” einsteigen. Doch bevor die südafrikanische Regierung zustimmte, hatten die Gewerkschaften das Wort. Und die verlangten nicht nur, dass “Wal-Mart” das südafrikanische Arbeitsrecht akzeptiert, sondern auch, dass der Konzern seinen Beschäftigten in den USA das Recht auf gewerkschaftliche Vertretung einräumt. Die weiter lesen
26.10.2010 von dorothea hahn
Endspurt im Wahlkampf. Und die Kandidaten und ihre Unterstützer verschiessen ihr letztes Pulver.
Der Gewerkschaftsverband AFL-CIO wird in den nächsten Tagen noch zehn Millionen Briefe verschicken. Darin kommt Gewerkschaftschef Richard Tromka ohne Umwege zur Sache. “Die Dinge stehen schlecht”, schreibt er, “aber sie können noch sehr viel schlechter werden.” Um die von Entlassungen, Fabrikverlagerungen und Zwangsräumungen zermürbte Basis doch noch zur Wahlkabine und zu einer Stimmabgabe für demokratische Kandidaten zu bewegen, malt Trumka den Teufel republikanischer Politik an die Wand. “Werdet wütend. Tut etwas. Geht wählen”, fordert er seine Leute auf.
In der entgegengesetzten Richtung mobilisiert der Verein “Latinos for Reform”. Er ruft in einem Online-Video dazu auf, nicht wählen zu gehen. Vor dem Hintergrund von Glockenschlägen, die wie die Ankündigung zu einem Western klingen, spricht eine Männerstimme von den nicht eingehaltenen Versprechen. Und beschwört: “Nicht-Wählen ist unsere einzige Möglichkeit, eine klare Botschaft zu senden. ”

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16.08.2010 von dorothea hahn
“Pass auf Dich auf”, legen mir Freunde vor der Reise in den Westen von Texas ans Herz. Einige fügen hinzu: “Geh besser nicht nach drüben.”
Seit meiner Ankunft in El Paso, höre ich auf Schritt und Tritt neue Warnungen: Die Dame vom Autoverleih erklärt Besuche auf der anderen Seite des Río Grande ungefragt für sinnlos. “In Ciudad Juárez gibt es absolut nichts zu tun”, dekretiert sie. Und weist darauf hin, dass ich ihr Auto nur mitnehmen darf, wenn ich eine Zusatzversicherung abschließe. Die ist teurer als die Automiete.
Der Touristenprospekt von El Paso schwärmt zwar wie eh und je von dem “farbenfrohen Markt”, von den Nachtclubs und von der Musik auf der anderen Seite. Aber er zitiert noch ausführlicher die Reise-Warnung des US-Außenministeriums.
Komunalpolitiker in El Paso und Leute, die sich von Berufs wegen mit Mexiko befassen, geben zu, dass sie schon lange nicht mehr drüben waren. “Zu gefährlich”, begründen… weiter lesen
11.01.2010 von dorothea hahn
Die Abschiedszeremonieen liegen hinter mir. Ich habe ein letztes Mal die Bürotüre geschlossen. Ein letztes Croissant gekauft. Eine letzte morgendliche Polit-Diskussion beim Zeitungshändler gehabt. Letzte innige Umarmungen von FreundInnen bekommen.
Dann waren alle Kartons gepackt. 15 Jahre in Paris liegen hinter mir.
Ich bin jetzt im Rythmus des ersten Mals: Die erste Metrokarte in Washington DC. Die erste Wohnungsbesichtigung. Der erste Supermarkt. Die erste Umrechnung der eisigen Temperaturen von Farenheit in Celsius.
Die alten Landschaften und Gewissheiten rücken rasant schnell in die Ferne. Frankreich, Deutschland und Europa schrumpfen zusammen. Und der Name “Sarkozy”, vor dem bis vor wenigen Tagen kein Entweichen möglich war, ist mir in den USA noch kein Mal begegnet.
Der Anfang meines neuen Lebens ähnelte dem Ende des alten. In Paris hatte uns ein Mann aus Algerien zum Flughafen gefahren. Acht Stunden später stiegen wir in Washington in einen Wagen ein, den ein Afghane lenkt.
Zwei Länder,… weiter lesen