16.12.2010 von dorothea hahn
Die Enthüllungen von Wikileaks mögen in vielen Punkten das bestätigen, was informierte LeserInnen längst gewußt – oder zumindest geahnt – haben. Doch in den USA haben sie gereicht, um wütendes, grobes Jagdgeheul auszulösen, das jetzt quer durch das Land hallt.
Eine offenbar nur hauchdünne Schicht von Zivilisation ist weg geplatzt. An ihrer Stelle liegen Rachegelüste bloß. Es ist, als würden die Scheiterhaufen bereits lodern.
Die Kommentare reichen von: warum verfolgen wir den “antiamerikanischen Agenten mit Blut an den Händen (gemeint ist Julian Assange)” nicht wie die Führer von Al Kaida?” (die mutmaßliche künftige Präsidentschaftskandidatin Sarah Palin), über: “ich bin gegen die Todesstrafe: man sollte den Hurensohn illegal erschiessen” (Bob Beckel, einst Vize-Staatssekretär unter dem demokratischen Präsidenten Jimmy Carter) , über: “wenn unsere Gesetze kein hartes Durchgreifen gegen den High-Tech-Terroristen erlauben, müssen wir eben neue Gesetze machen” (der Chef der RepublikanerInnen im Senat, Mitch McDonnell) bis hin… weiter lesen
05.11.2010 von dorothea hahn
Kaum haben die Wahllokale zu gemacht, stürzt sich Sarah Palin in die nächste Schlacht. Am Tag nach der Niederlage der Demokraten läßt sie auf einem Video einen Bären für sich brüllen. Vielleicht handelt es sich auch um eine Bärin.
Es sieht aus wie eine Bewerbung: Zum Beispiel für den Posten, der in zwei Jahren im Weißen Haus zu vergeben ist.
Bei den RepublikanerInnen ist das Gedrängel schon jetzt groß. Unter den InteressentInnen ist Palin die einzige Frau. Sie ist zwar die schillernste Medienfigur, hat aber nicht unbedingt den besten Ruf bei den republikanischen WählerInnen. Bei denen steht Mike Huckabee, Ex-Gouverneur von Arkansas, der wie Palin bei dem rechten TV-Sender “Fox” auf der Gehaltsliste steht, höher im Kurs. Wenn morgen Präsidentschaftswahlen wären, könnte Huckabee gegen Barack Obama gewinnen, hat CNN in einer Meinungsfrage herausgefunden. Auch Mitt Romney, Ex-Gouverneur aus Massachusetts, könnte das schaffen. Palin hingegen nicht.… weiter lesen
22.10.2010 von dorothea hahn
Der gechasste Radio-Journalist Juan Williams hat bereits einen neuen Vertrag. Der Fernsehsender Fox, will ihm 2 Millionen Dollar in den kommenden drei Jahren zahlen.
Das ist die Belohnung für einen Auftritt von Williams als Gast bei Fox. Am Montag hat der Noch-Radio-Journalist dort erzählt, dass er “nervös” wird, wenn er in einem Flugzeug sitzt und muslimisch gekleidete Leute in die Maschine kommen. Sein Gastgeber Bill O’Reilly lächelte zufrieden. O’Reilly hatte sich Mitte Oktober selbst mit einem islamophoben TV-Auftritt in die Schlagzeilen gebracht, als er in der Talkshow “The View” erklärte: “Muslime haben uns am 11. September getötet” (O’Reillys Provokation findet sich ab Minute 05:50 hier: \”muslims killed us on 9/11\” ).
Das öffentliche Radio NPR, schickte Williams am übernächsten Tag die Kündigung. “Wir haben ihm vertraut, damit er Nachrichten analysiert”, begründet NPR-Chefin Viviane Schiller den Rausschmiss: “nicht, damit er seine persönliche Meinung verbreitet.”
Für den privaten TV-Sender Fox ist… weiter lesen
20.10.2010 von dorothea hahn
In der Tea-Party geht der Kalte Krieg weiter, als hätten die letzten zwei Jahrzehnte nicht stattgefunden. Auf Transparenten beschimpfen Tea-Party-DemonstrantInnen den US-Präsidenten als “Kommunisten”. Seine Gesundheitsreform gilt ihnen als “sozialistisches” Übel.
Doch für den Kandidaten Joe Miller in Alaska im Oktober 2010 ist die DDR ein Vorbild. Nicht etwa trotz, sondern wegen der Mauer. Eine Grenzsicherung dieser Art wünscht sich der Mann, der in den Senat möchte, auch für die USA.
Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Anchorage am vergangenen Sonntag antwortete er auf die Frage, was er mit der “illegalen Immigration” tun wolle: “Die DDR war sehr, sehr gut in der Lage, den Fluss einzudämmen. Natürlich ging es dabei um andere Dinge. Aber wir sind eine große Nation. Und wir haben die Fähigkeit unsere Grenze zu sichern.”
Joe Miller kommt aus der Tea-Party-Bewegung. Er gehört zu dem extrem rechten Kreis neuer PolitikerInnen, die bei den Midterm-Wahlen im November antreten. Er ist… weiter lesen