30.04.2011 von dorothea hahn
Im Medienland USA fliessen Informationen oft in Lichtgeschwindigkeit. Wenn am anderen Ende der Welt etwas passiert – in Tokio, Kairo oder Tunis – sind die grossen US-Fernsehsender life dabei. Doch über manche Ereignisse - manchmal viel näher an Washington – kommt überhaupt nichts.
So geschehen mit einem Hungerstreik in Guantánamo. Wie heute die Onlinezeitung –>Truthout meldet, haben “mindestens 15 Gefangene” in Guantánamo im März einen Hungerstreik gemacht. Sie protestierten gegen eine Verfügung, die Barack Obama Anfang des Monats unterzeichnet hat. In dem “Executive Order” des US-Präsidenten, der versprochen hatte, Guantánamo zu schliessen, steht unter anderem, dass Menschen ohne Prozess auf unbefristete Zeit in dem Lager gefangen gehalten werden können (–>ACLU).
Die Stimmung in Guantánamo hatte sich im Januar verschlechtert. Damals wurde bekannt, dass die Gefangenen aus Lager 1 und 4 (mittlere Sicherheitsstufe) in Lager 5 und 6 (Hochsichertrakte) verlegt werden sollten: mit weniger Freigang und weniger… weiter lesen
14.03.2011 von dorothea hahn
“Lächerlich, kontraproduktiv und dumm” - ridiculous, counterproductive and stupid” – hat Philip J. Crowley die Behandlung des Gefreiten Bradley Manning in einem US-Militärgefängnis genannt. Für den Sprecher des Aussenministeriums sind das ungewohnt klare Worte. Zumal sie sich gegen ein anderes Ministerium richten: Das Pentagon, dessen Militärrichter unter anderem wegen “Kollaboration mit dem Feind” gegen Manning ermitteln.
Zwei Tage später muss Crowley seinen Hut nehmen. Er tritt am Samstag in Washington zurück. Er ist der erste in den USA, der über die Wikileaks-Affaire gestolpert ist.
Präsident Barack Obama hat sich hinter das Pentagon gestellt. Und damit auch das Schicksal von Crowley besiegelt. Bei einer Pressekonferenz am Freitag antwortet Obama auf eine Frage nach den Haftbedingungen von Manning, das Pentagon habe ihm mitgeteilt, der Gefangene werde angemessen behandelt: “auf der Höhe unserer Grundstandards”.
über die “angemessene” Behandlung des 23jährigen Manning, der verdächtigt wird, die Quelle füer geheime Dokumente über die Kriege im Irak und in Afghanistan, sowie 250.000 Dokumente aus dem Aussenministerium zu sein, gibt es andere Meinungen. Manning… weiter lesen
06.03.2011 von dorothea hahn
Der Gefreite Bradley Manning muss seit Mittwoch vergangener Woche nackt in seiner Zelle im Militärgefängnis von Quantico, Virginia, schlafen. Morgens muss er nackt stramm stehen.
Erst danach wird ihm seine Unterwäsche wieder ausgehängt.
David Coombs, Anwalt des 23jährigen, spricht von einer “erniedrigenden Behandlung” und einer “klaren Strafmassnahme”. In seinem Blog-Eintrag vom 5. März schreibt der Anwalt, die Strafmassnahme sei unbefristet.
Ein Sprecher der Marine-Basis von Quantico rechtfertigt den Slip-Entzug “aus der Situation heraus”. Weitere Details will Sprecher Brian Villiard nicht nennen. Begründung: “das würde die Privatsphäre des Betroffenen verletzen”.
Manning wird verdächtigt, sowohl Militärgeheimnisse zu – darunter das aus einem Apache-Hubschrauber aufgenommene Video “Collateral Murder“, in dem US-Soldaten aus der Luft Menschen auf einer Strasse in Bagdad erschiessen – als auch Hunderttausende von diplomatischen Depeschen an die Organisation “Wikileaks” weiter gegeben zu haben. Im Mai vergangenen Jahres wurde er im Irak verhaftet. Seit… weiter lesen
16.12.2010 von dorothea hahn
Die Enthüllungen von Wikileaks mögen in vielen Punkten das bestätigen, was informierte LeserInnen längst gewußt – oder zumindest geahnt – haben. Doch in den USA haben sie gereicht, um wütendes, grobes Jagdgeheul auszulösen, das jetzt quer durch das Land hallt.
Eine offenbar nur hauchdünne Schicht von Zivilisation ist weg geplatzt. An ihrer Stelle liegen Rachegelüste bloß. Es ist, als würden die Scheiterhaufen bereits lodern.
Die Kommentare reichen von: warum verfolgen wir den “antiamerikanischen Agenten mit Blut an den Händen (gemeint ist Julian Assange)” nicht wie die Führer von Al Kaida?” (die mutmaßliche künftige Präsidentschaftskandidatin Sarah Palin), über: “ich bin gegen die Todesstrafe: man sollte den Hurensohn illegal erschiessen” (Bob Beckel, einst Vize-Staatssekretär unter dem demokratischen Präsidenten Jimmy Carter) , über: “wenn unsere Gesetze kein hartes Durchgreifen gegen den High-Tech-Terroristen erlauben, müssen wir eben neue Gesetze machen” (der Chef der RepublikanerInnen im Senat, Mitch McDonnell) bis hin… weiter lesen