Religionsphobie
von Paula Z.Was’n Glück…
- dass wir nicht in Nordrhein-Westfalen leben – beziehungsweise unsere Kinder dort zur Schule schicken müssen.
Dort würde man sie nämlich nach den Vorgaben des neuen Landes-Schulgesetzes “zur Ehrfurcht vor Gott und zur Liebe zu Heimat und Volk” erziehen. Und als eine in der dritten Generation konfessionslose Familie, in der nicht nur Gottes(ehr)furcht, sondern auch eine Begriffskombination wie “Heimat und Volk” auf Skepsis stößt, hätten wir damit ein Problem…
Im Hamburger ‘Speckgürtel’ ist die Zahl der Mitglieder christlicher Kirchen zwar noch ein wenig höher als in der Hansestadt selbst, wo sie schon vor zehn Jahren unter die 50-Prozent-Marke gesunken ist. Aber auch hier in ihrem provinziellen Umfeld wird an vielen Schulen nur noch das Fach “Werte und Normen” unterrichtet, weil für “Religion” weder Angebot noch Nachfrage in ausreichendem Maße vorhanden sind.
Da zudem die meisten Kirchenmitglieder in diesem Teil der Republik Protestanten sind, die ihren Glauben traditionell als Privatangelegenheit begreifen, blieb es Konfessionslosen und Angehörigen anderer Religionen in der Schülerschaft stets erspart, unter Darstellungen des zu Tode gefolterten christlichen Religionsstifters unterrichtet zu werden, wie es bis zum Kruzifix-Urteil an bayrischen Schulen der Fall war.
Aus dem gleichen Grund fand und findet man an den hiesigen staatlichen Schulen auch keine LehrerInnen, die ihrer Arbeit in der Tracht katholischer Nonnen oder Priester nachgehen – zumindest ist mir Derartiges noch nicht zu Ohren gekommen.
Norddeutsche SchülerInnen und Eltern wurden mit religiös begründeten Vermummungen also eigentlich erst zu dem Zeitpunkt konfrontiert, als die ersten Frauen muslimischen Glaubens mit Kopftuch unterrichten wollten.
Aber doch bitte nicht an staatlichen Schulen – und nicht unsere Kinder!
Ich kann mich nämlich noch recht gut daran erinnern, wie sehr unsere Tochter ihre Grundschullehrerin angehimmelt hat. Nicht auszudenken, welche Verwirrung in ihrem kindlichen Gemüt entstanden wäre, wenn dieses Idol und Identifikationsmodell ihr vorgelebt hätte, dass eine Frau ihre Haare vor den Blicken fremder Männer verstecken muss, wenn sie nicht belästigt werden und ihren guten Ruf (oder gar jene berüchtigte “Familienehre”…) vor Schaden bewahren will.
Daran, dass ich die Zurschaustellung religiöser Symbole durch Lehrkräfte staatlicher Schulen vehement ablehne, hat sich seitdem nichts geändert.
Und ich bin immer wieder baff über die Empörung, die mein Standpunkt gerade bei Leuten auslöst, die sich selbst als “Linke” und Freigeister begreifen…
Dabei habe ich mir längst angewöhnt, quasi im selben Atemzug darauf hinzuweisen, dass ich nicht nur was gegen Tücher oder Schleier auf den Köpfen von muslimischen oder fundamentalchristlichen Lehrerinnen habe, sondern meine Kinder ebenso wenig von katholischen Nonnen oder Priestern in Berufskleidung, buddhistischen oder hinduistischen Mönchen in gelben Roben, oder anderen TrägerInnen religiöser Trachten unterrichten lassen will.
Wenn ich wollte, dass meine Kinder im Rahmen der Sitten und Gebräuche irgendeiner Religion erzogen werden, dann würde ich sie auf eine entsprechende Privatschule schicken – das ist doch nicht so schwer zu kapieren, oder?
Für Manche aber anscheinend schon.
Also werde ich mich wohl an Vorwürfe wie die gewöhnen müssen, ich sei intolerant, ausländerfeindlich oder “rassistisch”, obwohl ich insbesondere die beiden letzten Prädikate wohl nie werde nachvollziehen können. Denn, nebenbei bemerkt, die mit Abstand dummdreistesten Plädoyers für das angebliche Recht muslimischer Lehrerinnen, verhüllten Hauptes an nicht konfessionellen, staatlichen Schulen tätig zu sein, habe ich von zum Islam konvertierten Frauen deutscher Abstammung gehört oder gelesen.
Gern werden wir Kopftuch-GegnerInnen auch der “Islamophobie” beschuldigt.
Soweit es mich betrifft, muss ich künftig aber darauf bestehen, von einer generellen “Religionsphobie” betroffen zu sein.
Und als bekennende Religionsphobikerin (ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert…) kann ich dann unbekümmert in die Runde schmettern:
“Tücher- und KuttenträgerInnen aller Religionen – verpisst euch aus den Lehrerzimmern!”
Kommentar schreiben
Ich sehe gar nicht ein, dass ich betonen muss, das Christentum abzulehnen, um eindeutig gegen den Islam und seine Kopftuchträgerinnen in abendländischen Klassenzimmern Stellung nehmen zu dürfen.
Die Islamisten lachen sich über unseren liberalen Rechtsstaat doch ins Fäustchen. Wir sollten die nicht töten, so wie sie es in einigen Ländern mit bekennenden ChristInnen machen – die kämen nichtmal bis auf den Schulhof, geschweige denn bis ins Klassenzimmer. Aber wir sollten sie umgehend ausweisen – ohne Diskussion.
Genau das macht manche Kopftuch-GegnerInnen (beispielsweise die in den Landesregierungen von Bayern, NRW oder Baden-Württemberg) in meinen Augen so unglaubwürdig – dass sie nämlich die religiöse Neutralitätspflicht des Staates NUR für Staatsangestellte muslimischen Glaubens einfordern.
Wenn eine Lehrerin ein Kopftuch tragen wollte, weil sie Mitglied einer christlich-fundamentalistischen Sekte ist, dann wäre das für Sie wohl in Ordnung, Traudl – ?!?
Für mich nicht: entweder diese Neutralitätspflicht gilt für alle VertreterInnen des Staates in öffentlichen Schulen, oder für keine(n).
Und die Diskriminierung – denn nichts anderes ist ein Kopftuchverbot NUR für muslimische Lehrerinnen – kann man auch nicht mit den Repressionen begründen, denen ChristInnen in manchen islamischen Ländern ausgesetzt sind.
Auch das Christentum hat sich im Laufe seiner zweitausendjährigen Geschichte oft genug der Verfolgung und Unterdrückung Anders- bzw. Nicht-Gläubiger schuldig gemacht. Und es tut das (in etwas “zivilisierterer” Form) bis zum heutigen Tag… man denke nur an das Berufsverbot für konfessionslose Erzieher in kirchlichen Kindertagesstätten, obwohl diese zu einem beträchtlichen Teil mit den Steuergeldern ALLER (auch der konfessionslosen) BundesbürgerInnen finanziert werden.
Dennoch fordert kein Mensch, deshalb pauschal ALLE ChristInnen (und zwar nur sie!) zu benachteiligen.
Oder gar, sie “umgehend auszuweisen – ohne Diskussion”.