Eine Reise nach Nepal (1977) – Prolog
von Paula Z.Was’n Glück…
dass man bei so einem Umzug systematisch alle, aber auch wirklich all seine Besitztümer aus Schränken, Regalen und Kästen hervorholt, um zu entscheiden, ob sie eingepackt und mitgenommen, verschenkt oder weggeworfen werden sollen.
Dabei findet man nämlich Dinge wieder, die so viele Jahre lang in irgendwelchen finsteren Ecken herumlagen, dass man schon gar nicht mehr an sie gedacht hat. (Und wenn sie einem doch mal in den Sinn kamen, war man nicht sicher, ob es sie überhaupt noch gibt – oder ob sie vielleicht doch einer “Aufräum-Aktion” zum Opfer fielen…)
So ließ mich beispielsweise die Wieder-Entdeckung eines kleiner Karton mit sieben Schächtelchen voller Dias in Entzückensschreie ausbrechen, und deren Sichtung hielt mich mehrere Stunden lang vom Sortieren und Verpacken meiner Habseligkeiten ab.
Es handelte sich um Aufnahmen, die ich vor dreißig Jahren, während meiner ersten Reise nach Asien, gemacht hatte.

Nach meiner Rückkehr wurden diese Bilder einige Jahre lang immer wieder in meinem Freundes- und Bekanntenkreis vorgeführt. Gut ein Dutzend Menschen sind von diesen “Dia-Abenden” wohl dazu inspiriert oder zumindest darin bestärkt worden, ihre Reise-Träume zu verwirklichen und ebenfalls in Richtung Osten aufzubrechen.
Aber man bleibt nun einmal nicht ein Leben lang Anfang Zwanzig, und wiederum einige Jahre später hatten die Meisten von uns schulpflichtige Kinder und feste Jobs; dazu in die Jahre gekommene Eltern, um die sich gekümmert und / oder ein Eigenheim, das abgezahlt werden musste. Dann hat man nicht mehr die Ungebundenheit, die Muße und die Mittel, um monate- oder gar jahrelang in der Weltgeschichte herumzugondeln – und man mag auch nicht mehr dauernd an jene Zeiten erinnert werden, als das noch möglich war…
Also landeten die Schachteln mit den Fernweh anfachenden Bildern schließlich im Keller, irgendwo hinter dem kaputten Holzspielzeug (das nie repariert und am Ende verheizt wurde) und den Garantien und Gebrauchsanweisungen für Geräte, die inzwischen schon längst ihren Geist aufgegeben haben.

Vor einigen Wochen dachte ich dann mal wieder an diese Dias – als nämlich der Sender arte zum Auftakt seines Programm-Schwerpunktes “Summer of Love” vom 2. bis zum 6. Juli allabendlich um Viertel nach Acht die fünfteilige Doku-Serie “High sein, frei sein, überall dabei sein” ausstrahlte.
Wer sich weder von diesem dämlichen Titel noch von den Ansagen der – beim Thema “Hippies” anscheinend unvermeidlichen – Frau Obermeier abschrecken ließ, konnte faszinierende Bilder und Interviews zu den magischen Orten der Blumenkinder und den dorthin führenden, teilweise recht abenteuerlichen “Trails” erleben.
Von den Inseln Ibiza und Formentera berichteten beispielsweise der auf Formentera lebende Designer Philippe Starck und die “Grande Dame” der Ibiza-Szene, die Französin Kiki Lagier-Turzy, von Marokko erzählte u.a. der dort lebende Musiker Uve Müllrich (Dissidenten, Embryo) und in Kabul sah man die Australier Maureen und Tony Wheeler, die vor 40 Jahren den ersten “Lonely Planet”-Reiseführer in eine alte Schreibmaschine tippten und heute, als Inhaber eines Verlagsimperiums, immer noch viel auf Reisen sind. Auch “Meet you in Goa for Christmas!” ist für manche Menschen eine nach wie vor passende Verabschiedungsfloskel – die dem Strandparadies an Indiens Westküste gewidmete Folge stellte EuropäerInnen und einen Amerikaner vor, die ihr Leben (oder zumindest jeden Winter) in der ehemaligen portugiesischen Kolonie verbringen. Und im fünften und letzten Teil der Dokumentation schließlich ging es um Kathmandu, die Hauptstadt des Himalaja-Königreichs Nepal.
Selbstverständlich habe ich – als “natural born Hippie”, wie mein Ältester mich mal liebevoll-ironisch nannte – diese kleine Serie mit klopfendem Herzen und wehmütigem Blick verfolgt. (Leider konnte ich sie nicht aufnehmen; der Videorecorder war schon eingepackt!)
Ibiza habe ich zwar erst in den 90ern kennen- und liebengelernt, in Marokko bin ich noch nie gewesen, aber in Goa habe ich den Winter ’82 / ’83 verbracht. Und in Kabul und Kathmandu war ich schon fünf Jahre früher.
Bei mancher Szene aus diesen Städten schienen mir Plätze und Straßen so vertraut, dass ich dachte, im nächsten Moment müsste eine sehr junge, henna-rothaarige und mit reichlich Silberschmuck behängte Paula durch das Bild schlendern…
Was natürlich nicht der Fall sein konnte, denn bei artes “Summer of Love” geht es um die “Psychedelic Revolution”, die Anfänge der Hippie-Kultur und die berühmten Open Air Festivals vor vierzig Jahren. Ich dagegen reiste erst zehn Jahre später auf dem Hippie-Trail gen Osten – 1977, als der “Pudding Shop” in Istanbul bereits zu einer Parodie seiner selbst zu werden begann und als die legendären “Hashish Stores” in der Freak-Street von Kathmandu (auf Betreiben der US-amerikanischen Nixon-Administration) schon seit vier Jahren geschlossen – bzw. in die Hinterzimmer der zu Boutiquen und Souvenirshops umfunktionierten Läden verlegt – worden waren.
Trotzdem war diese Reise für mich das, was der französische Autor Phillippe Gloaguen im letzten Teil der arte-Dokumentation beschrieben hat: ein Aufbruch in eine neue Welt, die Entdeckung von Denk- und Lebensweisen, die so ganz anders waren als die erlernten, eine intensive Erfahrung, die zu tiefgreifenden – bis in die Gegenwart reichenden – Veränderungen meiner Persönlichkeit führte.
Sicher, im Internet gibt es Asien-Reiseberichte in Hülle und Fülle, auch solche aus den 60er, 70er oder 80er Jahren. Aber ich habe außer den sieben Schachteln voller Dias und den unterwegs geschriebenen Briefen an meine Eltern auch noch mein mit Buntstiftzeichnungen liebevoll ausgeschmücktes Reisetagebuch wiedergefunden – kann also von meiner Reise auf einem der “Hippie-Trails” quasi aus der Perspektive der extrem begeisterungsfähigen und neugierigen jungen Frau erzählen, die ich vor dreißig Jahren offensichtlich war.
Außerdem kann ich es mir im Moment einfach nicht leisten, zu verreisen; nicht einmal ein Kurzurlaub im sonnigen Süden ist drin. Umso lieber beschäftige ich mich damit, die allerschönsten der wiedergefundenen Dias zu digitalisieren und die Stationen meiner Reise von ’77 mit ihrer Hilfe in Gedanken noch einmal anzusteuern…
Wer mag, ist herzlich eingeladen, mich auf dieser Traumreise an ferne Orte in einer vergangenen Zeit zu begleiten – auf eine Reise nach

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… Habe selbst zehn Jahre in Nepal gelebt und beschäftige mich bis heute intensiv mit dem Land.
Finde Ihren Bericht sehr spannend, vielleicht haben Sie ja Lust, mal was für unsere Fachzeitschrift zu schreiben.
Bin auf dem Sprung zum Flughafen, reise nach Kasachstan, daher habe ich jetzt wenig Zeit.
Gruß, Thomas Döhne
Hey Paula, ich bin gerne dabei auf Deiner Traumreise nach Nepal.
Bin nämlich schon dort
mensch paula, ich bin begeistert, mach weiter!
Namaste!
Hallo Paula, ist schon witzig wenn man seine eigene Vergangenheit entdeckt. Ich bin 1976 mit einem alten Postbus selbst nach Nepal gefahren und danach 1977 noch zweimal mit einem alten Schulbus. Ist immer noch ein großes Abenteuer, auch heute noch. Auch ich habe letztes Jahr mal wieder alte Dias rausgekramt und möchte sie einscannen, aber sie laufen ja nicht weg.
Namaste Bernd (Hamburg)
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Hallo Bernd, ich glaube, heute wäre mir eine Reise nach Nepal über Land (also auch durch den Iran, durch Afghanistan und über den Khyber Pass) zuviel “Abenteuer”, sprich: zu gefährlich.
Insofern sind die Erinnerungen an solche Fahrten in den 70ern meiner Meinung nach besonders kostbar… Hier passt ausnahmsweise mal die abgedroschene Wendung von der “guten alten Zeit”!
Namaste, Paula