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	<title>Notizen aus der Online-Provinz &#187; Kopftuch</title>
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	<description>Paula Z.ist hauptberuflich Hausfrau, in ihrer Freizeit oft im Internet unterwegs und wundert sich  über die Menschen
und Meinungen, mit denen sie dort konfrontiert wird.</description>
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		<title>Das Kopftuch fürs Minarett</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Feb 2010 19:23:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Paula Z.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Is it a man's world?]]></category>
		<category><![CDATA[Weltanschauliches]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Kopftuch]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungsfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Minarettverbot]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt">Was’n Glück…</p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt">dass ich zwar Feministin, aber keine &#8220;bekannte Feministin&#8221; oder gar &#8220;feministische Autorin&#8221; bin.</p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt">Denn sonst sähe ich mich auf meine alten Tage möglicherweise gezwungen, andere Feministinnen zu attackieren, um mal wieder mehr auf mich und die ganz besondere Brillanz meiner Analyse aufmerksam zu machen – oder vielleicht auch einen Verleger für mein neuestes Buchprojekt zu finden&#8230;</p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><!--[if !supportEmptyParas]--> <!--[endif]--></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><span id="more-262"></span>So traurig es auch ist, es scheint in unserer nach wie vor männlich dominierten Presselandschaft ein nahezu todsicheres Rezept für einen kräftigen Popularitätsschub zu sein, wenn &#8220;starke Frauen&#8221; anderen engagierten Frauen Knüppel vor die Füße werfen.</p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt">Mit den Werken ehemaliger feministischer (Vor-)Denkerinnen, die früher oder später unter großer medialer Beachtung mit dem Feminismus bzw. mit anderen Feministinnen &#8220;abrechnen&#8221;, ließen sich mittlerweile einige Meter Bücherregal füllen.</p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt">In diese Abteilung <strong>&#8220;Feministische Debatten, die die Welt nicht wirklich braucht&#8221;</strong> gehört meines Erachtens auch die Diskussion über das vermutete Abstimmungsverhalten eidgenössischer Feministinnen bei der Schweizer Volksabstimmung über ein Minarettverbot, die ich in den letzten Wochen in der taz verfolgt habe.</p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt">Hier meine Zusammenfassung für alle, die dies nicht getan haben:<strong></strong></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><strong>Unter der reißerischen Überschrift <a href="http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/pseudofeminismus/">&#8220;Kriegen Frauen nur Unterstützung, wenn sie sich vom Islam abwenden?&#8221;</a> erregt am 3.1. dieses Jahres der erste Kommentar zum Thema, von der früheren schleswig-holsteinischen Frauenbeauftragten und Staatssekretärin Ursula Müller, meine Aufmerksamkeit.</strong></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt">Das <span class="topocolmaincol">Schweizer Votum gegen den Neubau von Minaretten sieht diese unterstützt durch &#8220;Pseudofeministinnen&#8221;, die den (angeblich) hohen Anteil von Frauen, die sich bei der Abstimmung gegen Minarette ausgesprochen hätten, als <em>&#8220;solidarischen Akt mit unterdrückten &#8230; Frauen aus islamisch geprägten Ländern&#8221;</em> loben und damit &#8220;Eurozentrismus&#8221; und das Fehlen wirklicher Solidarität beweisen würden.</span></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt">(Müller selbst hingegen erwärmt sich für <em>&#8220;</em><span class="topocolmaincol"><em>Kopftuchträgerinnen &#8230;, die für mehr Frauenrechte kämpfen und ihre Forderungen nach Gleichberechtigung teils aus dem Koran ableiten&#8221;</em>,  was</span> ein/e LeserbriefschreiberIn <span class="topocolmaincol">trocken kommentiert: <em><a href="http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/kommentarseite/1/pseudofeminismus/kommentare/1/1/">&#8220;Was glaubt die Autorin, haben Frauen in islamischen Ländern eigentlich für eine Chance zu überleben oder gar mit ihren Anliegen wahrgenommen zu werden, wenn sie das Kopftuch bekämpfen und es sich selbst als erstes vom Kopf reissen würden?&#8221;</a> )</em><strong> </strong></span></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><span class="topocolmaincol"><strong>Als Beispiel für den von ihr angeprangerten &#8220;Pseudofeminismus&#8221; nennt Müller die deutsche Filmemacherin Helke Sander und nimmt dabei Bezug auf deren <a href="http://www.fembio.org/biographie.php/frau/frauen/minarettabstimmung/">Kommentar zur Minarettabstimmung</a></strong> <strong>vom Dezember 2009.</strong> </span></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><span class="topocolmaincol">In diesem Kommentar feiert Helke Sander allerdings weder die große Beteiligung der SchweizerInnen an der Abstimmung, noch deren Ergebnis oder gar die – vermutete – hohe Zahl feministischer Minarett-Gegnerinnen, </span><span class="topocolmaincol">wie ihr von Müller unterstellt wird, </span><span class="topocolmaincol">sondern fragt vielmehr nach Gründen hierfür, worauf sie in ihrer Antwort auf Müller auch hinweist:</span></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><em><span class="topocolmaincol">&#8220;</span>Ich habe vermutet, dass dieses Abstimmungsverhalten eher wenig mit einem Widerwillen gegen Minarette zu tun haben dürfte und auch nicht von fremdenfeindlicher Gesinnung zeugte, sondern <a href="http://www.fembio.org/biographie.php/frau/glossen/">dass die Abstimmung dazu benutzt worden sein könnte, ein allgemeines Unbehagen daran zu äußern,</a> dass der Begriff Religionsfreiheit immer mehr ausgeweitet wird und zunehmend kollidiert mit Gleichberechtigung und Menschenrechten.&#8221;</em></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><!--[if !supportEmptyParas]--> <!--[endif]--></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><strong>Am 18.1. legt Birgit Rommelspacher in der taz nach. </strong></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><strong>Nicht bloß &#8220;Pseudofeminismus&#8221;, nein, <a href="http://www.taz.de/1/debatte/theorie/artikel/1/ungebrochene-selbstidealisierung/">&#8220;kolonialer Feminismus&#8221;</a> ist es, der die beim Minarettverbot ihrer Meinung nach &#8220;mit den Rechten koalierenden Feministinnen&#8221; umtreibt.</strong></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt">Dass es diese – und zwar so häufig, dass es Rommelspachers Empörung rechtfertigt – überhaupt gibt, dafür präsentiert sie immerhin zwei namentlich genannte Beispiele:</p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><span class="topocolmaincol"><!--[if !supportEmptyParas]--> <!--[endif]--></span></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt">Zum einen <em>&#8220;</em><span class="topocolmaincol"><em>Julia Onken, eine der bekanntesten Feministinnen der Schweiz&#8221;</em>, die die Forderung der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei unterstützt hat. Und zum anderen, herrjeh, mal wieder Alice Schwarzer, die &#8220;viel Verständnis&#8221; hat, zeige diese <em>&#8220;Abstimmung doch &#8230; das ganze Unbehagen an einem emanzipations- und demokratiefeindlichen Islam&#8221;</em>. (Muss denn tatsächlich schon wieder daran erinnert werden, dass Frau Schwarzer für Hitlers Werbefilmerin Leni Riefenstahl ebenfalls &#8220;viel Verständnis&#8221; hatte und auch schon mal für Angela Merkel Wahlkampf machte&#8230; und u.a. deshalb</span><span class="topocolmaincol"> </span><span class="topocolmaincol">eigentlich nur noch von Springer-Presse und ZDF als jenes Sprachrohr des Feminismus in Deutschland gesehen wird, als das sie sich so gern geriert?)</span></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt">In der guten alten Zeit, klagt die Autorin, gab es noch eine <em>&#8220;eher selbstverständliche Affinität&#8221; </em>zwischen Linken und Feministinnen, obwohl linke Männer oft echte Chauvi-Schweine waren und Feministinnen Zickenkriege gegen Frauen aus anderen Kulturen führten.</p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt">Heute aber sind e<span class="topocolmaincol">s, dies scheint zumindest Rommelspachers Fazit zu sein, nur noch die muslimischen Männer, <em>&#8220;die den Prototyp des Unterdrückers zu geben haben&#8221;</em>, was <em>&#8220;Unterdrückung von Frauen untrennbar mit einer bestimmten Kultur, wahlweise auch einer bestimmten Religion oder Tradition&#8221;</em> verknüpfe. Und dadurch bei den verblendeten Feministinnen zwangsläufig (?) zu Selbstidealisierung und, schlimmer noch, wie in den üblen Zeiten des Kolonialismus zu einer <em>&#8220;zivilisatorischen Mission&#8221;</em> führt – mit dem Ziel, <em>&#8220;die unterdrückte Muslimin&#8221;</em> zu befreien. </span></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><span class="topocolmaincol">Als Belege für die Verbindung zwischen feministischen Islamkritikerinnen und dem kulturellen Chauvinismus der Rechten zieht Rommelspacher Adorno (<em>&#8220;Nicht selten verwandelt sich der faschistische Nationalismus in einen gesamteuropäischen Chauvinismus. Das vornehme Wort Kultur tritt anstelle des verpönten Ausdrucks Rasse, bleibt aber ein bloßes Deckbild für den brutalen Herrschaftsanspruch&#8221;</em>) ebenso heran wie krude Nazi-Thesen von der Zerstörung der ursprüngliche, germanische Gleichstellung der Frau durch das <em>&#8220;orientalisch-jüdische Patriarchat&#8221;</em>.</span></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><span class="topocolmaincol">Starker Tobak. </span></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt">
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><span class="topocolmaincol">Spätestens nach diesem Kommentar beginne ich mich zu fragen, worauf eigentlich Müllers und Rommelspachers offenkundige Prämisse basiert, Feministinnen in der Schweiz hätten in großer Zahl mit den Rechten koaliert und den Gegnern von Minarett-Neubauten zum Abstimmungssieg verholfen. (Helke Sander hatte immerhin noch vorsichtig formuliert, dies sei ein <em>&#8220;Gerücht&#8221;</em>, <em>&#8220;</em></span><em>von mir nicht nachzuprüfen, aber offenbar durch Fakten untermauert&#8221;</em>.)  Doch außer Rommelspacher Hinweis auf eine einzige Schweizerin (Julia Onken) finde ich vorerst keine Antwort auf diese Frage.</p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><strong>Am 23.1. bringt Claudis Pinl meine Irritation in <a href="http://www.buchmesse.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/der-ewig-reizbare-mann/">&#8220;Der ewig reizbare Mann&#8221;</a> auf den Punkt:</strong></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><em><strong>&#8220;</strong><span class="topocolmaincol"><strong>Angeblich haben viele Frauen, ja sogar Feministinnen dem Minarettverbot zugestimmt. </strong>Heißt das, dass diese Stimmbürgerinnen rechtsextrem sind? Ja, sagen Ursula Müller und Birgit Rommelspacher in der taz, viele Feministinnen seien dank ihres &#8220;Feindbilds Islam&#8221; von Rechten nicht mehr zu unterscheiden.&#8221;</span></em></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><span class="topocolmaincol">In diesem von mir als wohltuend klar und unmissverständlich empfundenen Kommentar schreibt Pinl:</span></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><span class="topocolmaincol"><em>Angst und Unbehagen zu spüren über die Ausbreitung bestimmter mit dem Islam begründeter Vorstellungen über das Geschlechterverhältnis, über Bekleidungsvorschriften und Sexualmoral ist aus feministischer Sicht absolut legitim. Sich deshalb an Rechtsextreme anzulehnen aber dumm und gefährlich. Dumm und gefährlich ist es jedoch auch, derartiges Unbehagen als Ausdruck rechtsextremer, ja faschistischer Gesinnung zu werten.&#8221;</em></span></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><span class="topocolmaincol">Die Autorin kommt somit recht schnell auf die religiös oder auch nur traditionell begründete muslimische Vorschrift für Frauen zu sprechen, ein Kopftuch und andere Formen der Verhüllung zu tragen – die in Deutschland ja auch wirklich sehr viel intensiver diskutiert wurde und wird als vereinzelt in Großstädten herumstehende Minarette.</span></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><em><span class="topocolmaincol">&#8220;Die Bedeckungen signalisieren, dass es ein Problem mit weiblichen Körpern gibt. (&#8230;)  Weibliches Haupthaar, vor allem langes, gilt in wohl jedem Kulturkreis als mehr oder weniger starkes Sexsymbol. (&#8230;) Aber warum darf man sich nach strenggläubig islamischem Verständnis als Frau in der Öffentlichkeit nicht &#8220;sexy&#8221; zeigen? Weil weibliche Reize unerwünschte männliche Reaktionen hervorrufen. </span></em></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><em>Dahinter steckt die Vorstellung, der Mann habe seine sexuellen Impulse nicht unter Kontrolle, sobald er entsprechend &#8220;gereizt&#8221; wird. Die Frau darf sich dann über nichts mehr wundern oder beklagen. (&#8230;)  Durch Entblößung des Haupthaars würde sie einen &#8230; Gewaltakt provozieren, vielleicht sogar &#8220;einverständlich&#8221;. Denn wenn sie sich schon wie eine &#8220;Schlampe&#8221; kleidet, ist sie auch eine. (&#8230;)</em></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><em>Kommt uns irgendwie bekannt vor.</em></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><em>Denn die Debatte, ob Vergewaltigung nicht doch ein &#8220;minder schweres&#8221; Verbrechen sei, wenn nämlich das Opfer einen Minirock trug und so den Täter &#8220;reizte&#8221;, liegt hierzulande erst einige Jahre zurück. Inzwischen hat es sich, zumindest bei Polizei und Justiz, herumgesprochen, dass sexualisierte Gewalt nichts mit einem &#8220;natürlichen&#8221; Reiz-Reaktions-Schema zu tun hat, sondern Männern dazu dient, Frauen (oder auch andere Männer) zu unterwerfen und zu demütigen.&#8221;</em></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><span class="topocolmaincol">Wunderbar, denke ich. </span></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt">Es gibt also doch noch ein paar Feministinnen, die Kopftuch, Burka, Nikab o.ä. als <em>patriarchale, die persönliche, körperliche Freiheit von Frauen beschränkende Tradition</em> begreifen und sich auch durch den dann umgehend erhobenen Vorwurf der &#8220;Islamphobie&#8221;, Fremdenfeindlichkeit oder wie auch immer reaktionären Gesinnung nicht einschüchtern und mundtot machen lassen.</p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><strong><span class="topocolmaincol">Nur zwei Tage später, am 25.1., ergreift dann taz-Redakteurin Heide Oestreich mit <a href="http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/in-der-bevormundungsfalle/">&#8220;In der Bevormundungsfalle&#8221;</a> Partei für Birgit Rommelspacher und belehrt Claudia Pinl:</span></strong><span class="topocolmaincol"> </span></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><em><span class="topocolmaincol">&#8220;Was ist falsch daran, wenn deutschstämmige Frauen auch für Musliminnen das Recht auf Liebe, Miniröcke, wallendes Haar und einen freien Geist in einem freien Körper einfordern? Nichts ist falsch daran. Ja, es ist sogar geboten, diese Freiheiten gegen religiöse und säkulare Fundis jeglicher Couleur zu verteidigen. Allerdings wird gelegentlich vergessen, dass es dabei eben um Freiheiten geht. Und dazu gehört auch die Freiheit, seinen Körper zu ver- statt zu enthüllen. Ein Verhüllungsverbot ist, ebenso wie ein Minarettverbot, das Gegenteil von Freiheit.&#8221;</span></em></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><span class="topocolmaincol">Das klingt zunächst mal gut und richtig. </span></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><span class="topocolmaincol">Ich muss einen Moment lang nachdenken, bis ich weiß, warum ich Oestreichs schöne Sätze dennoch nicht unterschreiben kann:</span><strong></strong></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><strong><span class="topocolmaincol">Weil meiner Erfahrung nach nämlich genau diejenigen, die für sich – bzw. für &#8220;ihre&#8221; Frauen – die Freiheit fordern, sich verhüllen zu dürfen, auch diejenigen sind, die andersdenkenden Mädchen und Frauen die Freiheit absprechen wollen, es eben nicht zu tun!</span></strong></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><span class="topocolmaincol">Mir fallen die verschwitzten, pubertären Kopftuchträgerinnen ein, die meiner damals 16-jährigen, langbeinigen Tochter im kurzen Sommerkleidchen ein giftiges &#8220;Bitch! Nutte!&#8221; hinterher zischten. Oder der höchstens zwölfjährige Bengel mit Migrationshintergrund, der in der Berliner U-Bahn die gut zehn Jahre ältere Freundin meines Sohnes (eine Elfe in weiten Hip-Hop-Klamotten, die Jungs mit anderem kulturen Background, die nicht als kleine Paschas über ihre Schwestern zu herrschen gewohnt sind, im Allgemeinen ziemlich cool fanden&#8230;) als &#8220;Schlampe&#8221; beschimpfte und anspuckte, weil sie ihn freundlich gebeten hatte, sein quäkendes MP3-Handy etwas leiser zu stellen. Oder oder oder &#8230;</span> Heutzutage kann in diesem Land vermutlich fast jede Großstädterin von solchen Zumutungen berichten, Beispielen extremer Intoleranz auf Seiten jener, die am lautesten nach Toleranz gegenüber ihrer Religion und ihren Traditionen schreien.</p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><span class="topocolmaincol">Wenn Heide Oestreich fragt: <em>&#8220;Und wer will Frauen eigentlich verbieten, ihren Körper &#8211; ganz matriarchal &#8211; für so heilig zu halten, dass sie ihn verhüllen wollen?&#8221;</em>, dann übersieht sie dabei geflissentlich einen nicht unwesentlichen Punkt:</span></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt">D<span class="topocolmaincol">ie islamische Verhüllungsvorschrift (ob es die im Koran explizit überhaupt gibt, darüber mögen sich die Gelehrten weiter streiten&#8230;) basiert nicht auf der Vorstellung, dass der weibliche Körper &#8220;heilig&#8221; sei. Vielmehr ist die (faktisch selbstverständlich längst ad absurdum geführte) Idee dahinter – <a href="http://www.buchmesse.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/der-ewig-reizbare-mann/">Claudia Pinl</a> hat das mit dankenswerter Klarheit ausgeführt – die, dass der Anblick weiblichen Haupthaares oder bestimmter weiblicher Körperteile die armen, ach so triebgesteuerten Männer auf &#8220;unreine Gedanken&#8221; bringt, möglicherweise auch zu gewalttätigen Übergriffen verleitet. </span></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><span class="topocolmaincol">Für die islamisch-fundamentalistische Männerwelt (und wie im Christentum haben auch in dieser patriarchalen Religion die Männer die Deutungshoheit in allen wesentlichen Fragen!) ist der weibliche Körper &#8220;unrein&#8221;; allein schon sein Anblick erschwert es dem Manne, ein frommes, Gott gefälliges Leben zu führen.</span></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><strong><span class="topocolmaincol">Am 26.1. findet sich unter dem Titel <a href="http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/nicht-die-feministinnen-waren-schuld/">&#8220;Nicht die Feministinnen waren schuld&#8221;</a> in der taz dann endlich die Klarstellung zum Schweizer Minarettverbot, auf die ich seit Anfang Januar gewartet hatte:</span></strong></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><em><span class="topocolmaincol">&#8220;Haben islamkritische Feministinnen und Frauen aus dem linken Lager bei der Schweizer Volksabstimmung über ein Minarettverbot Ende November letzten Jahres in signifikanter Anzahl mit &#8220;Ja&#8221; gestimmt? Gaben sie gar den Ausschlag für die mehrheitliche Annahme des Minarettverbot, von der fast alle BeobachterInnen völlig überrascht wurden?</span></em><em><span class="topocolmaincol"><strong> </strong></span><span class="topocolmaincol"><strong>Für diese inzwischen weitverbreitete und auch in der taz sehr kontrovers diskutierte These gibt es keinen Beleg.</strong> (&#8230;) Bei linken Frauen erhielt das Verbot eine Unterstützung von lediglich 16 Prozent. Bei linken Männern waren es mit 21 Prozent etwas mehr. (&#8230;) Ausschlaggebend für die Annahme der Initiative für ein Minarettverbot war laut der Analyse die politische Mitte. Während das linke politische Lager die Initiative mit über 80 Prozent Nein-Stimmen deutlich ablehnte und die Rechte ihr fast ebenso klar zustimmte, unterstützte die politische Mitte das Minarettverbot im Verhältnis zwei zu eins.&#8221; </span></em></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><span class="topocolmaincol">Ehrlich gesagt hatte ich ja die ganze Zeit schon nicht glauben können, dass feministische und / oder linke Frauen in der Schweiz nicht in der Lage sein sollten, Kopftücher und Minarette auseinander zu halten&#8230;</span></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><strong><span class="topocolmaincol">Zum &#8220;eigentlichen&#8221; Thema, dem Schweizer Minarettverbot, nur soviel:</span></strong></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><span class="topocolmaincol">Wie schon <a href="../2006/07/04/religionsphobie/">in früheren Blog-Einträgen festgehalten</a> und begründet, stehe ich mit Kopftuch an öffentlichen Schulen unterrichtenden Muslimas ablehnend gegenüber, würde aber gegen Lehrkräfte in den Trachten katholischer Nonnen, buddhistischer Lamas oder hinduistischer Priester genauso vehement Einspruch erheben. (Glücklicherweise bleibt Kindern und Eltern an staatlichen Schulen in Norddeutschland derartiger Unfug ebenso erspart wie Holzkreuze inklusive angenagelter Jesusfigur an der Klassenzimmerwand&#8230;)</span></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><span class="topocolmaincol">Ähnlich sehe ich das mit einem Minarett- oder gar Moscheen-Verbot. Solange es mir nicht möglich ist, ein Volksbegehren zum Abriss – oder wenigstens zur &#8220;Stummschaltung&#8221; – jenes 150 Meter Luftlinie von meinem Schlafzimmer entfernten katholischen Gotteshauses zu starten, aus dessen Glockenturm an bestimmten Sonntagen in aller Herrgottsfrühe ein infernalisches Gebimmel ertönt, betrachte ich Volksabstimmungen über den Bau muslimischer Minarette als Anmaßung und Ungerechtigkeit, die es engagiert zu bekämpfen gilt.  (Im Falle meiner Nachbarschaft erklärt übrigens nicht einmal die Bevölkerungsstatistik das Privileg der christlichen Kirchen, das Stadtbild optisch – es handelt sich um eine graue, rechteckige 70er-Jahre-Beton-Gebetsabschussrampe, mit der verglichen jedes Minarett eine Augenweide ist – und akustisch zu verschandeln: Hier im nördlichen Schleswig-Holsteins dürfte der prozentuale Anteil der Katholiken inzwischen deutlich unter dem der Muslime liegen.)</span></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><strong>Es ist nun einmal so – religiöse wie säkulare Fundis fordern immer lautstark Religions- und Meinungsfreiheit, solange sie eine Minderheit sind.</strong></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt">Sobald sie aber erst einmal genug Macht und Einfluss haben, um ihre Vorstellung in den Rang allgemein gültiger Vorschriften zu erheben, <a href="../2006/07/06/un-glaubensfreiheit/">wollen sie von diesen Freiheiten nichts mehr wissen.</a></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt">Bei den Religionen gilt das beileibe nicht nur für den Islam, sondern ebenso für &#8220;unsere&#8221; christlichen Kirchen – sobald diese Morgenluft für sich und ihr spezielles Glaubensangebot wittern, tun insbesondere katholische Fundamentalisten auch nichts lieber, als unter dem Deckmäntelchen &#8220;verletzter religiöser Gefühle&#8221; hasserfüllte Hetze zu verbreiten und die Freiheit von Gedanken, Rede und <a href="http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/schweinekrippe-erzuernt-piusbrueder/">Kunst</a> im Sinne ihrer Dogmen zu beschneiden.  Wenn wir sie denn lassen&#8230; und wir lassen sie leider viel zu häufig durchkommen mit ihren durch nichts begründeten Machtansprüchen, all diese Pfaffen und Mullahs jeglicher Couleur.</p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt">In diesem Sinne hier noch was auf die Ohren:</p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt"><a href="http://www.youtube.com/watch?v=AGm-drLdZOk">Herr von Grau, &#8220;Klebeband&#8221;.</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>(Un-)Glaubensfreiheit</title>
		<link>http://blogs.taz.de/paulaz/2006/07/06/un-glaubensfreiheit/</link>
		<comments>http://blogs.taz.de/paulaz/2006/07/06/un-glaubensfreiheit/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 06 Jul 2006 15:58:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Paula Z.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Weltanschauliches]]></category>
		<category><![CDATA[Kopftuch]]></category>
		<category><![CDATA[Religiös begründete Vermummung]]></category>
		<category><![CDATA[Religionsfreiheit]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was&#8217;n Glück&#8230;</p>
<p>- dass ich nicht in einem Land leben muss, in dem es eine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Staatsreligion">Staatsreligion</a> gibt.</p>
<p>Als staatlich verordnete Religion ganz besonders unsympathisch ist mir die muslimische – denn aus dem Islam &#8220;austreten&#8221; zu wollen, ist mancherorts  <span id="more-35"></span>eine lebensgefährliche Angelegenheit: <!--[endif]--></p>
<p><em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Apostasie_im_Islam">In Saudi-Arabien, im Iran, im Jemen, in Qatar, in Pakistan, in Afghanistan und in Mauretanien wird Abfallen vom Islam noch heute mit dem Tode bestraft und es werden auch Hinrichtungen durchgeführt, so etwa im Jahre 2000 ein somalischer Staatsbürger. (&#8230;)2006 drohte in Afghanistan Abdul Rahman wegen Konversion zum Christentum die Todesstrafe &#8230;.</a></em></p>
<p>Die christlichen Kirchen haben mit dem Umbringen angeblich oder tatsächlich Abtrünniger nach den letzten Hexenverbrennungen gegen Ende des 18. Jahrhunderts ja weitestgehend aufgehört. (Stattdessen beschränkt sich der Vatikan heute darauf, das Leben braver KatholikInnen in den ärmsten Ländern der Welt aufs Spiel zu setzen, indem er den Gebrauch von Kondomen verdammt und zur Ausbreitung von AIDS, Überbevölkerung und menschenunwürdigen Lebensbedingungen beiträgt&#8230;)</p>
<p>Nun ja, zumindest können die beiden großen Kirchen hierzulande niemanden mehr zwingen, sich zu ihnen zu bekennen – oder bis zum Lebensende bei so einem Bekenntnis zu bleiben.<br />
Wirklich eine prima Sache, diese <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Religionsfreiheit">Religionsfreiheit</a> – die übrigens auch das Recht umfasst, keine Religion zu haben!</p>
<p>Kurioserweise haben in Deutschland während der letzten paar Jahre überwiegend Angehörige des Islams, jener Religion, die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Erkl%C3%A4rung_der_Menschenrechte">das Recht und die Freiheit eines jeden Menschen, seine Religion oder seine Weltanschauung zu wechseln</a>, ausdrücklich <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Apostasie_im_Islam">nicht</a> anerkennt, die im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Grundgesetz">Grundgesetz</a> garantierte Religionsfreiheit – oder zumindest das, was sie dafür halten – eingefordert.<br />
In der Mehrzahl der Fälle waren es muslimische Frauen, die als Lehrerinnen an staatlichen Schulen arbeiten und dabei aus religiösen Gründen ein Kopftuch tragen wollten. Die Tatsache, dass sie es in diesem Beruf mit SchülerInnen zu tun haben, die am Unterricht nicht unbedingt freiwillig teilnehmen (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schulpflicht">Schulpflicht</a>) – dass sie also als Vertreterinnen des zu religiöser Neutralität verpflichtetem Staates fungieren – wurde von ihnen dabei allerdings geflissentlich ignoriert.</p>
<p>In diesem Zusammenhang wurde und wird dann (im Internet und im wirklichen Leben) gern darüber diskutiert, ob, wann und warum eine gläubige Muslima eigentlich zum Kopftuch-Tragen verpflichtet ist – bevorzugt von supertoleranten Atheisten, die sich bei solchen Gelegenheiten überraschend als intime Islam-Kenner outen.</p>
<p>Die praktische Erfahrung lässt einen die Frage nach dem &#8220;ob&#8221; spontan verneinen; man begegnet schließlich in allen Bereichen des bundesdeutschen Alltags Migrantinnen muslimischen Glaubens, die kein Kopftuch tragen und damit kein Problem zu haben scheinen.<br />
Wenn man allerdings nach den Verlautbarungen muslimischer Gruppen wie etwa der <a href="http://www.meinkopftuch.org/index.html">&#8220;Initiative Mein Kopftuch&#8221;</a> oder dem <a href="http://www.kopftuch.info/">&#8220;Kopftuch-Info&#8221; der islamischen Ahmadi</a> geht, dann ist das Kopftuch – bei den Ahmadi eigentlich sogar der <a href="http://www.kopftuch.info/frauimislam/ueber_den_schleier.html">Schleier</a> – aber doch heilige Muslima-Pflicht. Und das einzige Zugeständnis, zu denen sich diese theologischen VordenkerInnen durchringen können, sind seltsame <a href="http://www.capsters.com/">Kopfbedeckungen im &#8220;modernen Design&#8221;</a>, mit denen jede Frau aussieht wie Woody Allen als Spermium (in: &#8220;Was Sie schon immer über Sex wissen wollten&#8230;&#8221;).</p>
<p>Aber, mal ehrlich, ist das denn wirklich unser Problem, eines, das wir – als eine traditionell eben nicht islamisch orientierte Gesellschaft – für unsere muslimischen MitbürgerInnen lösen müssen?</p>
<p>Der Vatikan hat letztlich akzeptiert, dass sich die Erde um die Sonne dreht; in den meisten Ländern können auch Ehen zwischen Katholiken inzwischen geschieden werden, und die evangelische Kirche hat nicht einmal mehr gegen Verhütungsmittel etwas einzuwenden.</p>
<p>Warum also sollten hier und heute lebende MuslimInnen nicht damit aufhören können, sich so zu verhalten, als rechneten sie in jedem Moment mit einem Überfall durch schwer bewaffnete Krieger eines rivalisierenden Stammes – die alles verschleppen werden, was auch nur ansatzweise nach &#8220;Frau in gebärfähigem Alter&#8221; aussieht?</p>
<p>Dass ein weibliches Wesen in der Öffentlichkeit nur dann von Männern unbehelligt bleibt, wenn es alles verhüllt, was diese möglicherweise attraktiv finden könnten, ist doch eine völlig anachronistische (und außerdem Männer diskriminierende!) Vorstellung. Auch auf muslimische Männer trifft eine solche paranoide Annahme nicht zu – sonst würde ja keine Frau mehr ohne Kopftuch und bodenlangen Mantel im türkischen Gemüseladen an der Ecke einkaufen gehen.</p>
<p>Liebe strenggläubige Musliminnen und Muslime, ob ihr es nun glauben mögt oder nicht – Frauen sind durchaus fähig, <a href="http://www.meinkopftuch.org/funktiondeskopftuches.html">&#8220;sittsam&#8221;</a> zu leben bzw. treu zu sein (sofern sie das wirklich wollen&#8230;), auch ohne sich unter blickdichtem Textil zu verstecken!</p>
<p>Die paar übriggebliebenden Höhlenmenschenmänner, die Frauen ohne Kopftuch oder Schleier im 21. Jahrhundert immer noch für sexuell allzeit verfügbare Schlampen halten, haben einfach den Knall nicht gehört.<br />
Und Frauen, die sich unbedingt den vorsintflutlichen Vorstellungen solcher Männer entsprechend kleiden und mit Kopftuch oder Schleier Gehorsam – egal, ob nun ihrem Gott oder ihrem Gatten gegenüber – demonstrieren möchten, können das von mir aus gern machen.<br />
Die sollen bloß in dem Aufzug nicht meine Kinder unterrichten.</p>
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		<title>Religionsphobie</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Jul 2006 13:28:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Paula Z.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Weltanschauliches]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Kopftuch]]></category>
		<category><![CDATA[Kruzifix]]></category>
		<category><![CDATA[Nonnen]]></category>
		<category><![CDATA[Religiös begründete Vermummung]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was&#8217;n Glück&#8230;</p>
<p>- dass wir nicht in Nordrhein-Westfalen leben – beziehungsweise unsere Kinder dort zur Schule schicken müssen.</p>
<p>Dort würde man sie nämlich nach den Vorgaben des neuen Landes-Schulgesetzes <a href="http://www.taz.de/pt/2006/06/24/a0101/text">&#8220;zur Ehrfurcht vor Gott und zur Liebe zu Heimat und Volk&#8221;</a> erziehen. Und als eine in der dritten Generation konfessionslose Familie,    <span id="more-6"></span>in der nicht nur Gottes(ehr)furcht, sondern auch eine Begriffskombination wie &#8220;Heimat und Volk&#8221; auf Skepsis stößt, hätten wir damit ein Problem&#8230;</p>
<p>Im Hamburger &#8216;Speckgürtel&#8217; ist die Zahl der Mitglieder christlicher Kirchen zwar noch ein wenig höher als in der Hansestadt selbst, wo sie schon vor zehn Jahren unter die 50-Prozent-Marke gesunken ist. Aber auch hier in ihrem provinziellen Umfeld wird an vielen Schulen nur noch das Fach &#8220;Werte und Normen&#8221; unterrichtet, weil für &#8220;Religion&#8221; weder Angebot noch Nachfrage in ausreichendem Maße vorhanden sind.</p>
<p>Da zudem die meisten Kirchenmitglieder in diesem Teil der Republik  Protestanten sind, die ihren Glauben traditionell als Privatangelegenheit begreifen, blieb es Konfessionslosen und Angehörigen anderer Religionen in der Schülerschaft stets erspart, unter Darstellungen des zu Tode gefolterten christlichen Religionsstifters unterrichtet zu werden, wie es bis zum <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kruzifix-Beschluss">Kruzifix-Urteil</a> an bayrischen Schulen der Fall war.<br />
Aus dem gleichen Grund fand und findet man an den hiesigen staatlichen Schulen auch keine LehrerInnen, die ihrer Arbeit in der Tracht katholischer Nonnen oder Priester nachgehen – zumindest ist mir Derartiges noch nicht zu Ohren gekommen.</p>
<p>Norddeutsche SchülerInnen und Eltern wurden mit religiös begründeten Vermummungen also eigentlich erst zu dem Zeitpunkt konfrontiert, als die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Fereshta_Ludin">ersten Frauen muslimischen Glaubens mit Kopftuch unterrichten</a> wollten.</p>
<p>Aber doch bitte nicht an <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Trennung_von_Kirche_und_Staat">staatlichen</a> Schulen – und nicht unsere Kinder!<br />
Ich kann mich nämlich noch recht gut daran erinnern, wie sehr unsere Tochter ihre Grundschullehrerin angehimmelt hat. Nicht auszudenken, welche Verwirrung in ihrem kindlichen Gemüt entstanden wäre, wenn dieses Idol und Identifikationsmodell ihr vorgelebt hätte, dass eine Frau ihre Haare vor den Blicken fremder Männer verstecken muss, wenn sie nicht belästigt werden und ihren guten Ruf (oder gar jene berüchtigte &#8220;Familienehre&#8221;&#8230;) vor Schaden bewahren will.</p>
<p>Daran, dass ich die Zurschaustellung religiöser Symbole durch Lehrkräfte staatlicher Schulen vehement ablehne, hat sich seitdem nichts geändert.<br />
Und ich bin immer wieder baff über die Empörung, die mein Standpunkt gerade bei Leuten auslöst, die sich selbst als &#8220;Linke&#8221; und Freigeister begreifen&#8230;<br />
Dabei habe ich mir längst angewöhnt, quasi im selben Atemzug darauf hinzuweisen, dass ich nicht nur was gegen Tücher oder Schleier auf den Köpfen von muslimischen oder fundamentalchristlichen Lehrerinnen habe, sondern meine Kinder ebenso wenig von katholischen Nonnen oder Priestern in Berufskleidung, buddhistischen oder hinduistischen Mönchen in gelben Roben, oder anderen TrägerInnen religiöser Trachten unterrichten lassen will.</p>
<p>Wenn ich wollte, dass meine Kinder im Rahmen der Sitten und Gebräuche irgendeiner Religion erzogen werden, dann würde ich sie auf eine entsprechende Privatschule schicken – das ist doch nicht so schwer zu kapieren, oder?</p>
<p>Für Manche aber anscheinend schon.</p>
<p>Also werde ich mich wohl an Vorwürfe wie die gewöhnen müssen, ich sei intolerant, ausländerfeindlich oder &#8220;rassistisch&#8221;, obwohl ich insbesondere die beiden letzten Prädikate wohl nie werde nachvollziehen können.  Denn, nebenbei bemerkt, die mit Abstand dummdreistesten Plädoyers für das angebliche Recht muslimischer Lehrerinnen, verhüllten Hauptes an nicht konfessionellen, staatlichen Schulen tätig zu sein, habe ich von zum Islam konvertierten Frauen deutscher Abstammung gehört oder gelesen.<br />
<!--[endif]--></p>
<p>Gern werden wir Kopftuch-GegnerInnen auch der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Islamophobie">&#8220;Islamophobie&#8221;</a> beschuldigt.<br />
Soweit es mich betrifft, muss ich künftig aber darauf bestehen, von einer generellen &#8220;Religionsphobie&#8221; betroffen zu sein.</p>
<p>Und als bekennende Religionsphobikerin (ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert&#8230;) kann ich dann unbekümmert in die Runde schmettern:</p>
<p>&#8220;Tücher- und KuttenträgerInnen aller Religionen – verpisst euch aus den Lehrerzimmern!&#8221;</p>
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